Bloom Energy Aktie: Sammelklage wegen Scandium-Angaben

Bloom Energy meldet erstmals Milliardenumsatz und hebt Prognosen an, sieht sich jedoch zeitgleich mit einer neuen Sammelklage konfrontiert.

Die Kernpunkte:
  • Erster Milliardenumsatz im Q2
  • Umsatzprognose für 2026 angehoben
  • Sammelklage wegen Scandium-Abhängigkeit
  • Analystenziele zwischen 188 und 350 Dollar

Selten liegen Rekordzahlen und Sammelklagen so eng beieinander wie derzeit bei Bloom Energy. Der Brennstoffzellen-Hersteller aus Kalifornien profitiert von einem Strukturwandel, der Rechenzentren für Künstliche Intelligenz sofort mit Strom versorgen muss – nicht erst, wenn neue Kraftwerke oder Netzanschlüsse Jahre später fertig sind. Genau dieses Versprechen hat Bloom Energy zuletzt in beeindruckende Zahlen gegossen. Doch je schneller eine Wachstumsgeschichte läuft, desto lauter werden die Zweifler. Wie viel Vertrauen verträgt ein Unternehmen, das binnen einer Woche vom besten Quartal seiner Geschichte zu einer neuen Sammelklage wechselt?

Erstes Milliarden-Quartal, angehobene Prognose

Am 28. Juli meldete Bloom Energy für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 1,07 Milliarden Dollar – ein Plus von 165,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und das erste Quartal überhaupt jenseits der Milliarden-Dollar-Marke. Das Unternehmen hob daraufhin seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf eine Spanne von 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar an. Einen Tag später, am 29. Juli, folgte der Ergebnisausweis: Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,78 Dollar und übertraf die durchschnittliche Analystenschätzung von 0,39 Dollar deutlich. Parallel erhöhte das Management die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie auf 2,55 bis 2,85 Dollar.

Hinter diesen Zahlen steht ein Geschäft, das zunehmend an der KI-Infrastruktur hängt. Bereits am 28. Juli bestätigte Bloom Energy die Details seiner Partnerschaft mit Oracle, die dem Softwarekonzern einen Optionsschein auf rund 3,5 Millionen Aktien zum Preis von 113,28 Dollar einräumt. Ende Juni hatte der Infrastrukturinvestor Brookfield sein Finanzierungsrahmenwerk mit Bloom Energy bereits auf 25 Milliarden Dollar ausgeweitet, um Strom für KI-Rechenzentren zu bauen und zu finanzieren. Diese Größenordnung zeigt, wie sehr Bloom Energy inzwischen als Energiepartner der KI-Wirtschaft gehandelt wird – und wie hoch die Erwartungen an dieses Versprechen mittlerweile liegen.

Analysten zwischen 188 und 350 Dollar

Die Reaktion der Wall Street fiel entsprechend gespalten aus. UBS bekräftigte am 29. Juli seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 350 Dollar, dem höchsten in der Runde. Jefferies dagegen senkte am selben Tag sein Kursziel von 246 auf 188 Dollar und beließ die Einstufung bei Hold. In diesem Korridor bewegten sich weitere Häuser: Mizuho stufte die Aktie am 30. Juli auf Outperform hoch mit einem Kursziel von 242 Dollar, Clear Street hob seine Einschätzung am selben Tag auf Buy mit einem Ziel von 290 Dollar an, und Truist Financial nahm die Coverage am 29. Juli mit einem Hold-Rating und einem Kursziel von 250 Dollar auf. Die Spanne zeigt, wie unterschiedlich die Analysten das Wachstumstempo gegen die inzwischen hohe Bewertung abwägen.

Insider verkaufen, Kritiker greifen an

Während die Kursziele nach oben zeigten, mehrten sich zugleich Verkäufe aus den eigenen Reihen. Direktor John T. Chambers trennte sich am Montag von 15.000 Aktien für rund 3,08 Millionen Dollar; über die vergangenen 90 Tage summierten sich die Insiderverkäufe auf etwa 37,3 Millionen Dollar. Auch institutionelle Investoren bauten Positionen ab: BlackRock reduzierte seinen Bestand um 25,75 Prozent und hält nun noch rund 22,9 Millionen Aktien, CX Institutional verkleinerte seine Position im zweiten Quartal um 35,8 Prozent auf noch 9.627 Aktien.

Parallel dazu meldete sich Hunterbrook Capital am Montag mit einem Kurzverkäufer-Bericht zu Wort, der Bloom Energy vorwirft, die Brennstoffzellen erfüllten Effizienz- und Haltbarkeitsstandards nicht zuverlässig – die mittlere Leistung falle demnach binnen 20 Monaten unter die versprochenen Werte. Heute reichte die Kanzlei Robbins Geller Rudman & Dowd beim US-Bundesgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien eine Sammelklage gegen Bloom Energy und einzelne Führungskräfte ein. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe seine Abhängigkeit von aus China stammendem Scandium falsch dargestellt.

Der Markt hat diese Gegensätze bislang erstaunlich gelassen verarbeitet. Am Mittwoch schloss die Aktie 2,53 Prozent höher bei 203,00 Euro, auch wenn zum 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro weiterhin eine Distanz von 34,20 Prozent bleibt. Zwischen Rekordumsatz und Sammelklage entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob Bloom Energy den Vertrauensvorschuss der KI-Strom-Story rechtfertigen kann.

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