Bloom Energy explodiert, Ceres Power sackt ab – Wasserstoff-Sektor zerreißt es

Bloom Energy übertrifft Erwartungen deutlich und hebt Prognose an, während Ceres Power nach Kapitalerhöhung einbricht. Plug Power kämpft mit Liquiditätsproblemen.

Die Kernpunkte:
  • Bloom Energy mit Rekordquartal
  • Ceres Power nach Kapitalerhöhung schwach
  • Plug Power verkauft Texas-Anlagen
  • FuelCell Energy mit Kapitalzufluss

Ein Rekordquartal hier, eine Verwässerungs-Hängepartie dort: Selten lagen Gewinner und Verlierer in der Wasserstoff-Branche so weit auseinander wie in dieser Woche. Während Bloom-Energy-Aktionäre einen historischen Kurssprung feierten, kämpft Plug Power gegen die eigene Liquiditätsuhr, und Ceres Power taumelt nach einer Kapitalerhöhung durch den Sommer.

Der Sektor im Zeichen von KI-Strom

Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Aktien sind zum Stellvertreter-Trade für den Strombedarf der künstlichen Intelligenz geworden. Der Global X Hydrogen ETF, der Bloom Energy mit 15,5 Prozent, Plug Power mit 10,78 Prozent und FuelCell Energy mit 7,18 Prozent des Nettovermögens gewichtet, sprang zweistellig nach oben. Diese Konzentration erklärt, warum die Zahlen eines einzelnen Unternehmens den gesamten Korb bewegen können.

Hinter der Euphorie bleibt der Sektor gespalten: Auf der einen Seite Firmen, die Rechenzentrums-Nachfrage in echte Umsätze verwandeln. Auf der anderen jene, die noch um ihre Bilanz kämpfen. Plug Power steuerte diese Woche auf eine kritische Liquiditätsfrist zu, Ballard Power bereitete seine Quartalszahlen vor, und Ceres Power verdaute in London noch immer die Folgen einer Aktienplatzierung aus dem Sommer.

Bloom Energy: Rekordquartal bringt Mizuho-Upgrade

Die Aktie schoss am Donnerstag um 26 Prozent nach oben, nachdem der Markt die Quartalszahlen verarbeitet hatte – einer der stärksten Handelstage des Jahres für das Papier. Aktuell notiert Bloom Energy bei 194,40 Euro, nach einem Kurssprung von 8,48 Prozent allein am heutigen Handelstag.

Der Umsatz im zweiten Fiskalquartal kletterte um 165,5 Prozent auf 1,07 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie übertraf mit 0,78 Dollar die Konsensschätzung von 0,4066 Dollar deutlich. Treiber war vor allem das Produktgeschäft, das um über 215 Prozent zulegte – befeuert von Hyperscalern, Neoclouds und Betreibern von KI-Rechenzentren. Firmenchef KR Sridhar sprach von Kunden, die zunehmend langfristige Bestellungen aufgeben, sodass der Auftragsbestand schneller wächst als der Umsatz selbst.

Das Management hob die Jahresprognose kräftig an: Der Umsatz soll nun zwischen 3,9 und 4,2 Milliarden Dollar liegen, das bereinigte Ergebnis je Aktie zwischen 2,55 und 2,85 Dollar. Das bereinigte EBITDA von 253 Millionen Dollar übertraf die Erwartungen von 152 Millionen Dollar klar.

Mizuho reagierte prompt und hob die Einstufung auf Outperform an, senkte das Kursziel zwar auf 242 Dollar, begründete den Schritt aber mit stärkerer operativer Umsetzung und wachsender Margenexpansion. JP Morgan bestätigte Overweight bei einem Ziel von 314 Dollar, Bernstein SocGen hob das Ziel auf 282 Dollar an. Nach dem jüngsten Ausbruch liegt die Aktie zwar noch 36,99 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro, hat sich aber binnen zwölf Monaten nahezu verfünffacht.

Plug Power: Wettlauf gegen die eigene Kassenlage

Plug Power notiert aktuell bei 1,85 Euro, ein Plus von 2,79 Prozent zum Vortag. Verglichen mit dem Rest des Sektors bleibt das Papier der Nachzügler – seit Jahresbeginn steht gerade ein Zuwachs von 10,18 Prozent zu Buche, während Konkurrenten deutlich stärker liefen.

Im Zentrum der Woche stand eine kritische Liquiditätsfrist zum heutigen 31. Juli. Ein Verkauf von Texas-Assets sollte pünktlich abgeschlossen werden und mehr als 80 Millionen Dollar an kurzfristiger Liquidität einbringen. Das Paket umfasst Grundstücke und Netzanschlusskapazitäten von 164 Megawatt; Plug Power erhält 50 Millionen Dollar sofort, bis zu 26,5 Millionen Dollar sind an die finale Anschlussleistung gekoppelt.

Der Deal ist Teil eines größeren Optimierungsprogramms, das über Anlagenverkäufe, freigegebene Sicherheiten und geringere Wartungskosten insgesamt mehr als 275 Millionen Dollar an Liquidität freisetzen soll. Zum Ende des vergangenen Quartals verfügte das Unternehmen über rund 162 Millionen Dollar an frei verfügbaren Mitteln – vor den nun angekündigten Zuflüssen. Zusätzlichen Rückenwind lieferten starke Quartalszahlen von Microsoft, die die Risikobereitschaft im gesamten Clean-Energy-Sektor anheizten.

Die Analystenmeinungen bleiben gespalten: Susquehanna senkte das Kursziel auf 2,50 Dollar bei neutraler Einstufung, Morgan Stanley hob sein Ziel zwar leicht auf 1,65 Dollar an, bleibt aber bei Underweight, während Wells Fargo bei Equal-Weight auf 2,50 Dollar anhob. Der Konsens liegt bei einer Hold-Einstufung mit einem Kursziel von durchschnittlich 3,22 Dollar.

Ballard Power: Solide Erholung vor dem Zahlenausblick

Ballard Power legt aktuell um 6,02 Prozent auf 2,54 Euro zu und gehört mit einem Jahresplus von 16 Prozent zu den stabileren Werten im Sektor. Die eigentliche Nachprüfung steht heute an: Das Unternehmen stellte seine Zahlen zum zweiten Quartal vor, nachdem bereits das erste Quartal mit einem Umsatzplus von 26 Prozent auf 19,4 Millionen Dollar und einer um 14 Prozentpunkte verbesserten Bruttomarge überzeugt hatte.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr hatte der Umsatz bereits um 43 Prozent zugelegt. Cash und Zahlungsmitteläquivalente von über 500 Millionen Dollar geben dem Unternehmen finanziellen Spielraum, den viele Wettbewerber im Sektor derzeit nicht haben. Analysten hatten vor der Veröffentlichung mit einer Verbesserung des Ergebnisses je Aktie um rund 50 Prozent im Jahresvergleich gerechnet.

Die Konsens-Einstufung lautet Hold, bei einem durchschnittlichen Kursziel von 2,56 Dollar und einer Bandbreite bis 3,50 Dollar. Zuletzt hoben Analysten ihre Kursziele in kanadischer Währung auf bis zu 3,56 kanadische Dollar an – begründet mit positivem Cashflow, verbesserten Margen und neuen Aufträgen im Bus-Segment.

Ceres Power: Die Verwässerung wirkt nach

Kein anderes Papier im Sektor hat einen so schmerzhaften Monat hinter sich wie Ceres Power. Der Kurs steht aktuell bei 4,48 Euro, ein Tagesplus von 5,56 Prozent kann den Absturz der vergangenen Wochen kaum kompensieren. Binnen 30 Tagen verlor die Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes.

Auslöser war eine Kapitalerhöhung mit Bruttoerlösen von 103 Millionen Pfund durch die Ausgabe von 18 Millionen neuen Aktien zu je 570 Pence – rund 9,2 Prozent des bestehenden Grundkapitals. Allein in der letzten Juniwoche brach der Kurs um 25,8 Prozent ein. Damit wurde ein erheblicher Teil des fast dreistelligen Kursanstiegs zwischen Januar und Mai wieder ausradiert. Firmenchef Phil Caldwell verteidigte den Schritt als Chance, die kommerzielle Dynamik der Technologie zu nutzen.

Auf der operativen Seite gibt es Silberstreifen: Delta Electronics erwarb in Taiwan Grundstücke und Fabrikflächen im Gegenwert von umgerechnet mehreren Hundert Millionen Euro, teilweise für die Großserienfertigung von Wasserstofflösungen auf Basis der Festoxid-Technologie von Ceres Power. Produktionsstart soll noch dieses Jahr sein. Das Management stellte für das laufende Jahr vertraglich gesicherte Umsätze von rund 45 Millionen Pfund in Aussicht, nach etwa 32 Millionen Pfund im Vorjahr. Trotz des Kursrutsches bewegt sich das Kurs-Umsatz-Verhältnis noch immer im hohen zweistelligen Bereich – die Aktie preist also weiterhin viel künftiges Wachstum ein.

FuelCell Energy: Sympathie-Rally trifft eigene Finanzierungsrunde

FuelCell Energy sprang am Donnerstag um 28,7 Prozent nach oben, bevor sich der Kurs wieder etwas beruhigte. Aktuell notiert die Aktie bei 21,00 Euro, mit einem Wochenplus von 12,33 Prozent und einem beeindruckenden Zuwachs von über 200 Prozent seit Jahresbeginn.

Der Zeitpunkt der Rally verrät mehr über den Sektor als über das Unternehmen selbst: Ohne eigene Unternehmensmeldungen nutzten Anleger die Aktie offenbar als höher-volatiles Pendant zu Bloom Energy, um auf die Rechenzentrums-Story zu setzen. Parallel dazu hat FuelCell selbst frisches Kapital aufgenommen – 12,32 Millionen neue Aktien zu je 21 Dollar, was inklusive vollständig ausgeübter Mehrzuteilungsoption Nettoerlöse von rund 245,4 Millionen Dollar einbrachte.

Die zugrundeliegenden Quartalszahlen fielen gemischt aus: Der Umsatz sank um 5 Prozent auf 35,6 Millionen Dollar, der Nettoverlust verdoppelte sich wegen einer Abschreibung am Standort Groton. Der Auftragsbestand von 1,14 Milliarden Dollar lag knapp 10 Prozent unter dem Vorjahreswert, während die Kassenreserven auf 440,9 Millionen Dollar anwuchsen. Das frische Kapital soll unter anderem den Ausbau der Anlage in Torrington, Connecticut, finanzieren, um eine Jahresproduktionskapazität von bis zu 500 Megawatt zu erreichen. Ermutigend: Die Vertriebspipeline wuchs binnen eines einzigen Quartals um mehr als 250 Prozent auf 4 Gigawatt, wobei Rechenzentrums-Projekte inzwischen rund 89 Prozent aller eingereichten Angebote ausmachen.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen drei unterschiedliche Geschäftsmodelle, die auf ein gemeinsames Thema treffen: den Strombedarf der KI-Infrastruktur.

  • Bloom Energy und FuelCell Energy positionieren stationäre Brennstoffzellen als schnell verfügbare Energiequelle für Rechenzentren – ihre Kurse bewegen sich zunehmend im Gleichschritt
  • Plug Power befindet sich in einem „Schrumpfen-um-zu-wachsen“-Modus, verkauft Anlagen statt zu expandieren
  • Ballard Power bewegt sich in einer stabileren Mittelposition mit disziplinierter Kostenkontrolle und wachsenden Margen
  • Ceres Power hängt strukturell von Lizenzpartnern in Asien wie Delta und Doosan ab – der jüngste Kursverfall resultiert aus Verwässerung, nicht aus operativer Schwäche

Der gemeinsame Nenner bleibt die Kapitalintensität: Praktisch jedes der fünf Unternehmen hat in den vergangenen Monaten Eigenkapital aufgenommen, Vermögenswerte verkauft oder beides – ein Zeichen dafür, dass sich der KI-getriebene Nachfrageboom noch nicht in selbsttragende Cashflows übersetzt hat.

Wasserstoff-Sektor zwischen Rekordzahlen und Kapitalhunger

Bloom Energys angehobene Prognose setzt für den Rest des Jahres die Messlatte hoch – ob die Margenexpansion bei wachsenden Hyperscaler-Aufträgen anhält, dürfte richtungsweisend für den gesamten Sektor bleiben. Bei Plug Power entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob das Asset-Verkaufsprogramm plangemäß greift und der Liquiditätspuffer den fortlaufenden Cash-Verbrauch auffängt. Ballard Power muss zeigen, ob Kostendisziplin und Momentum im Bus-Geschäft sich dauerhaft in schmalere Verluste übersetzen lassen.

Ceres Power braucht vor allem eines: echte Lizenzeinnahmen von seinen asiatischen Fertigungspartnern, die über symbolische Beträge hinausgehen. FuelCell Energy steht vor der Frage, ob sich die stark gewachsene Rechenzentrums-Pipeline in feste Aufträge verwandeln lässt, bevor die Geduld der Anleger mit weiteren Verwässerungsrunden aufgebraucht ist.

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