Blume blockiert, XPeng feiert Weltpremiere in München
Volkswagens Aufsichtsrat blockiert Blumes Sparpaket, während XPeng in München den globalen Markteintritt startet. Porsche verliert Produktionsvorstand.

- VW-Aufsichtsrat lehnt Sparpaket ab
- XPeng startet globalen Verkauf in München
- CATL plant Natrium-Ionen-Speicher in Europa
- Porsche-Produktionsvorstand verlässt Unternehmen
Ein Aufsichtsrat, der sich selbst lahmlegt. Ein chinesischer Herausforderer, der ausgerechnet in der Wiege des Automobilbaus seine erste globale Bühne bekommt. Diese Woche offenbart, wie unterschiedlich sich etablierte Konzerne und aufstrebende Rivalen durch die Elektrowende bewegen – und wie ungleich die Börse darauf reagiert.
Volkswagen: Aufsichtsrat kippt Blumes Sparplan
Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat das Sparpaket von Vorstandschef Oliver Blume am vergangenen Donnerstag klar zurückgewiesen. Mit zwölf zu sieben Stimmen scheiterte der Plan, weil Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen gemeinsam über eine Mehrheit verfügen – begünstigt durch einen derzeit unbesetzten Sitz auf der Kapitalseite.
Konkrete Zahlen zu Stellenabbau oder Werksschließungen nannte der Konzern zunächst nicht. Angekündigt wurden lediglich Schritte, die keine Zustimmung des Betriebsrats benötigen: eine deutlich verschlankte Modellpalette über die zahlreichen Konzernmarken hinweg, eine Kürzung der Produktionskapazität um rund eine Million Fahrzeuge sowie eine drastisch reduzierte Komplexität bei den Fahrzeugkonfigurationen. Über weiterreichende Maßnahmen wie Werksschließungen gab es keine Einigung. Betriebsratschefin Daniela Cavallo stellte Blume ein Ultimatum, sich gegenüber der Belegschaft zu erklären.
Die Geschäftszahlen erhöhen den Druck zusätzlich. Im zweiten Quartal brachen die Auslieferungen um 8,6 Prozent auf 2,07 Millionen Fahrzeuge ein, der stärkste Rückgang seit vier Jahren. Im ersten Halbjahr sanken die weltweiten Auslieferungen auf 4,12 Millionen Einheiten, wobei ein Einbruch in China die Zuwächse in Südamerika und Europa überlagerte.
Jefferies sah zuletzt keine Anzeichen für Fortschritte bei einer Einigung, Bernstein bemängelte eine Strategie, die reich an Ambitionen, aber arm an Details bleibt. Der Aufsichtsrat bleibt bis mindestens September blockiert. Die Vorzugsaktie notiert aktuell bei 73,82 Euro und liegt damit rund 30 Prozent im Minus seit Jahresbeginn.
XPeng: Weltpremiere in München markiert globalen Vorstoß
XPeng hielt heute seinen ersten formellen globalen Produktlaunch ab – und wählte dafür München. Vorgestellt wurde der kompakte SUV Mona L03, XPengs erstes Modell, das gleichzeitig in China und Europa startet. CEO He Xiaopeng begründete die Standortwahl mit der Symbolkraft Deutschlands als Wiege der Automobilindustrie.
Das Fahrzeug soll in 64 Ländern und Regionen erhältlich sein. Serienmäßig kommt XPengs eigener Turing-KI-Chip zum Einsatz, ergänzt durch die zweite Generation des firmeneigenen autonomen Fahrsystems VLA 2.0.
Der Launch trifft auf eine Erholung bei den Auslieferungen. Im Juni verkaufte XPeng 40.126 Fahrzeuge, ein Plus von knapp 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der stärkste Monat des laufenden Jahres nach fünf rückläufigen Monaten in Folge. Im ersten Halbjahr lagen die Auslieferungen mit 166.000 Einheiten dennoch unter dem Vorjahreswert. Die Aktie kletterte heute um 4,83 Prozent auf 12,60 Euro und gewann allein in dieser Woche mehr als zehn Prozent hinzu.
CATL: Natrium-Ionen-Deal öffnet Tür nach Europa
Der weltgrößte Batteriehersteller vermeldete heute eine bedeutende Clean-Energy-Partnerschaft. Gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen Alfen plant CATL den Einsatz von Natrium-Ionen-Batteriespeichersystemen der Tener-Sodium-Reihe in Westeuropa ab 2027, mit einem geplanten Volumen von 5 GWh. Alfen-CEO Michael Colijn bezeichnete den Schritt als Vorstoß in Richtung Technologiediversifizierung.
Die beiden Unternehmen kennen sich bereits: Eine erste Batterielieferungsvereinbarung stammt aus dem Jahr 2023 und wurde ein Jahr später ausgeweitet. Parallel skaliert CATL die Produktion aggressiv – nach einer milliardenschweren Investition in eine neue Natrium-Ionen-Fertigung in der Provinz Fujian und einem Großauftrag mit dem Speicherhersteller HyperStrong über mehrere Jahre. Die Aktie gab heute um 1,82 Prozent auf 366,20 Yuan nach, nachdem sie in den vergangenen 30 Tagen bereits rund 9 Prozent verloren hatte.
Porsche AG: Vorstandsabgang setzt neue Unsicherheit
Wenige Wochen vor den Halbjahreszahlen sorgt Porsche für Überraschung an der Spitze. Produktionsvorstand Albrecht Reimold soll den Sportwagenhersteller bereits zum 1. September verlassen, obwohl sein Vertrag technisch bis Anfang 2027 läuft. Der Aufsichtsrat entscheidet über die Personalie am 22. Juli. Als interne Kandidaten gelten Wolfram Kirchert, Werksleiter in Bratislava, und Christian Friedel, derzeit für Qualitätssicherung zuständig.
Der Abgang erhöht den Druck auf CEO Michael Leiters, der bereits mit schwächerem China-Geschäft und hohen Kosten kämpft. Am 29. Juli folgt der Halbjahresbericht, nachdem die Auslieferungen im ersten Halbjahr bereits um 16 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge gesunken waren – während ausgerechnet der 911 um 19 Prozent zulegte.
Die meisten Analysten halten an positiven Einstufungen mit Kurszielen zwischen 45 und 50 Euro fest, RBC bewertet die Aktie dagegen neutral. Die Vorzugsaktie legte heute um 1,81 Prozent auf 44,95 Euro zu, nachdem sie in der Vorwoche über sieben Prozent verloren hatte.
Tesla: Grünheide-Ausbau nimmt Fahrt auf vor Quartalszahlen
Tesla treibt seine deutschen Batterieambitionen weiter voran. Für die Zellfertigung in Grünheide startete das Unternehmen ein Startup-Förderprogramm namens „Cell Giga Challenge“ gemeinsam mit der Berliner Plattform JUNI, Bewerbungsschluss ist der 24. Juli. Die geplante Jahreskapazität der künftigen Zellfabrik soll von 8 auf 18 GWh steigen, verbunden mit einer zusätzlichen Investition von 250 Millionen US-Dollar. Sobald das Werk läuft, könnte es Batteriezellen für bis zu 350.000 Elektrofahrzeuge jährlich liefern – der Produktionsstart wird für die erste Jahreshälfte 2027 angepeilt.
Auf der Fahrzeugseite erhöht Tesla die Model-Y-Produktion in Grünheide schrittweise auf 7.500 Einheiten pro Woche bis Oktober. Die globalen Auslieferungen stiegen im zweiten Quartal um 25 Prozent auf 480.126 Fahrzeuge.
Vor den Q2-Zahlen am 22. Juli bleibt die Stimmung an der Wall Street gespalten. Morgan Stanley setzte am 14. Juli ein Kursziel von 417 US-Dollar, während der Konsens von MarketBeat bei 408,07 US-Dollar liegt. Die Aktie notiert aktuell nahezu unverändert bei 344,45 Euro, nach einem Rückgang von 3,18 Prozent in den vergangenen sieben Tagen.
Vergleichende Sektordynamik
Die fünf Unternehmen bewegen sich strategisch in völlig unterschiedliche Richtungen. Volkswagen steckt in einem internen Machtkampf über Tempo und Tiefe des Stellenabbaus fest, während die chinesischen Rivalen offensiv nach Europa drängen. Porsches Führungswechsel zeigt, dass selbst die profitabelste Marke der Gruppe von der Neuausrichtung in Wolfsburg nicht verschont bleibt. Tesla positioniert sich dazwischen – aggressiver Kapazitätsausbau trifft auf eine gespaltene Analystengemeinde.
Die zentralen Beobachtungspunkte im Überblick:
- Volkswagen: Aufsichtsrat blockiert bis mindestens September, Betriebsrat plant Sonderversammlungen
- XPeng: Globaler Rollout in 64 Ländern nach erholten Juni-Auslieferungen
- CATL: Natrium-Ionen-Expansion nach Europa als neuer Wachstumshebel
- Porsche AG: Führungswechsel kurz vor Halbjahreszahlen erhöht Unsicherheit
- Tesla: Kapazitätsausbau in Grünheide läuft parallel zu gemischten Analystenerwartungen vor Q2-Zahlen
Die Auslieferungsdaten der Gruppe divergieren deutlich. Teslas Wachstum und XPengs Erholung stehen im Kontrast zu Volkswagens beschleunigtem Rückgang in China – ein Beleg dafür, wie ungleich der Wettbewerbsdruck im weltgrößten Elektroauto-Markt die einzelnen Unternehmen trifft.
Entscheidende Wochen für die Autobranche
Mehrere Termine dürften die Stimmung im Sektor in den kommenden Wochen neu prägen. Der Porsche-Aufsichtsrat entscheidet am 22. Juli über die Vorstandsnachfolge, nur eine Woche vor dem Halbjahresbericht. Am selben Tag legt Tesla seine Quartalszahlen vor – ein Termin, der zeigen dürfte, ob Robotaxi- und Batterieausbau-Narrative die anhaltenden Margensorgen ausgleichen können.
Bei Volkswagen bleibt die Blockade im Aufsichtsrat bestehen, bis der Betriebsrat nach der Sommerpause seine angekündigten Sonderversammlungen abhält. XPengs Münchner Bühne und CATLs Natrium-Ionen-Vorstoß markieren derweil erst den Anfang eines breiteren chinesischen Vordringens in europäische E-Auto- und Speichermärkte – ein Trend, der den Druck auf etablierte Autobauer im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich noch verstärkt.
Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 16. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




