BMW Aktie: 744.234 Fahrzeuge weltweit zurückgerufen
BMW verzeichnet im Q2 2026 einen Gewinnrückgang von 35 Prozent und kündigt den Abbau von 8.000 Stellen an. Die China-Schwäche belastet die Marge deutlich.

- Gewinn bricht um 35 Prozent ein
- 8.000 Stellen werden gestrichen
- China-Absatz sinkt um 30 Prozent
- Rückruf von 744.000 Fahrzeugen
BMW hat am Donnerstag einen deutlichen Rückschlag im operativen Geschäft eingeräumt. Der Konzernüberschuss nach Steuern brach im zweiten Quartal 2026 um knapp 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein. Parallel kündigte der Münchner Autobauer laut dpa an, weltweit rund 8.000 Arbeitsplätze bis Ende 2027 abzubauen. Die Aktie reagierte am Markt verhalten: Am Donnerstag schloss das Papier bei 60,68 Euro, nach einem Plus von 0,43 Prozent. Über die vergangenen sieben Handelstage hat sich der Kurs um 6,57 Prozent erholt, bleibt aber rund 24 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.
China-Schwäche drückt auf die Marge
Der Halbjahresbericht zeigt, wie tief die Probleme im Kernmarkt China sitzen. Der Konzernumsatz sank im zweiten Quartal um 7,9 Prozent auf 31 Milliarden Euro. Noch deutlicher fiel der Einbruch bei der Profitabilität aus: Die EBIT-Marge im Automobilsegment stürzte von 5,4 Prozent im Vorjahr auf nur noch 2,3 Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem ein Absatzrückgang in China um 30,2 Prozent im zweiten Quartal. Bereits Mitte Juni hatte der Vorstand die Jahresprognose für die Automobil-Marge wegen der beschleunigten China-Schwäche von zuvor 4 bis 6 Prozent auf 1 bis 3 Prozent gesenkt. Die nun vorgelegten Zahlen bewegen sich damit im Rahmen dieses bereits gekappten Ausblicks.
Ein Lichtblick bleibt Europa: Nach Angaben des europäischen Herstellerverbands ACEA steigerte BMW seinen EU-Absatz im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent auf 286.445 Fahrzeuge und verteidigte damit die Marktführerschaft im Premiumsegment vor Mercedes-Benz mit einem Plus von 3,5 Prozent und Audi mit einem Zuwachs von 7,8 Prozent. Der europäische Erfolg kann die China-Verluste jedoch nicht kompensieren.
Stellenabbau und Rückruf belasten zusätzlich
Der angekündigte Abbau von 8.000 Stellen soll laut dpa ab Oktober 2026 vor allem über natürliche Fluktuation und freiwillige Abfindungsangebote in Deutschland erfolgen. Die Produktion ist von den Einschnitten ausdrücklich ausgenommen. Zeitgleich bestätigten Kraftfahrt-Bundesamt und ADAC einen weltweiten Rückruf von 744.234 BMW-Fahrzeugen der Baureihen 2er bis 7er sowie X3 bis X7 und i3. Grund ist eine Brandgefahr durch defekte Starterrelais. Für Anleger bedeutet diese Häufung von Belastungen: Neben dem strukturellen China-Problem kommen nun auch operative Zusatzkosten durch Rückruf und Personalabbau hinzu, die kurzfristig auf die Marge drücken dürften.
Als kleinere strukturelle Maßnahme schloss BMW zudem die technische Umwandlung sämtlicher Vorzugsaktien in Stammaktien ab. Grundlage war ein entsprechender Hauptversammlungsbeschluss vom Mai. Die Kapitalstruktur des Konzerns wird dadurch vereinfacht.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Zahlen fielen gespalten aus. Stephen Reitman von Bernstein Research beließ BMW nach den Quartalszahlen auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 85,00 Euro und verwies darauf, dass die Kennziffern im Rahmen des im Juni gesenkten Ausblicks lagen. Tom Narayan von RBC Capital Markets sieht das deutlich kritischer und stufte die Aktie nach den Halbjahreszahlen auf „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 62,00 Euro ein. Dazwischen positionierte sich Philippe Houchois von Jefferies, der sein „Hold“-Rating bestätigte und ein Kursziel von 70,00 Euro nannte – er verwies auf einen trotz operativer Schwäche über den Erwartungen liegenden Free Cashflow.
Bereits am Dienstag hatte Mike Tyndall von HSBC die BMW-Stammaktie von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und ein Kursziel von 71,00 Euro ausgegeben. Seine Begründung: Die gesenkten Margenziele würden die China-Risiken nun angemessen widerspiegeln. Die Bandbreite der Kursziele von 62 bis 85 Euro verdeutlicht, wie unterschiedlich die Häuser die China-Krise und ihre Nachhaltigkeit einschätzen.
Ausblick auf Herbst-Termine
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf zwei anstehende Termine. Am 1. September tritt Dorothea von Boxberg offiziell als neues Vorstandsmitglied an. Ende September, am 29. September, folgt eine zweitägige Investorenveranstaltung, bei der BMW seine langfristige Strategie und die Einführung der „Neuen Klasse“ vorstellen will. Beide Termine dürften zeigen, ob der Konzern über den aktuellen Stellenabbau hinaus einen glaubwürdigen Weg aus der China-Schwäche aufzeigen kann.
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