BMW Aktie: Analysten gespalten

Bernstein hebt BMW-Kursziel deutlich an, während UBS vor Bewertungsrisiken und Margendruck in China warnt. Die Elektro-Plattform 'Neue Klasse' wird als zentraler Treiber gesehen.

Die Kernpunkte:
  • Bernstein hebt Kursziel auf 115 Euro an
  • UBS stuft auf 'Neutral' und senkt Prognose
  • China-Markt und Margendruck als Hauptrisiken
  • Neue Elektro-Plattform als gemeinsame Hoffnung

Zwei gewichtige Stimmen, zwei deutlich unterschiedliche Urteile: Während Bernstein Research BMW zum Favoriten im Autosektor erklärt und das Kursziel kräftig anhebt, tritt die UBS auf die Bremse und verweist auf Bewertungs- und China-Risiken. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie stabil die aktuelle Investmentstory wirklich ist.

Heute notiert die Aktie mit rund 89,50 Euro leicht über dem Vortagesschluss von 88,58 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von gut 17 Prozent zu Buche, trotz des jüngsten Rücksetzers von knapp 6 Prozent seit Jahresbeginn.

Bernstein setzt auf Elektro-Offensive

Bernstein-Analyst Stephen Reitman hat sein Kursziel für BMW von 92 auf 115 Euro angehoben und bleibt bei der Einstufung „Outperform“. In seinem Sektorausblick für 2026 bezeichnet er den Konzern als „Wayne Gretzky des Autosektors“ – also als Hersteller, der dem Wettbewerb im Elektrobereich einen Schritt voraus sein soll.

Kern seiner Argumentation ist die Positionierung bei Elektrofahrzeugen. BMW zählt für ihn zu den wenigen etablierten Herstellern, die mit neuen Modellen im EV-Segment spürbar gegen die Konkurrenz an Boden gewinnen. Entsprechend bleibt er nicht nur für BMW, sondern auch für andere ausgewählte Auto-Titel wie Renault, Ferrari und Aston Martin positiv.

Das neue Bernstein-Kursziel signalisiert ausgehend vom aktuellen Niveau ein deutliches Aufwärtspotenzial. Unterstützt wird das Bild durch die technische Lage: Der Kurs liegt noch rund 6 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 84,08 Euro, zugleich aber etwa 8 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch von 97,12 Euro.

UBS warnt vor China-Risiken

Deutlich vorsichtiger präsentiert sich die UBS. Analyst Patrick Hummel hat BMW von „Buy“ auf „Neutral“ abgestuft und das Kursziel leicht von 95 auf 93 Euro gesenkt. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Bewertung und Ergebnisrisiken.

Wesentliche Punkte der UBS-Einschätzung:

  • Bewertung: Das für 2026 erwartete KGV von rund 9 liegt über dem historischen Schnitt von etwa 7
  • Gewinne: Die EPS-Prognose 2026 wird um 5 Prozent gekappt und liegt nun rund 10 Prozent unter dem Marktkonsens
  • Profitabilität: Erwartete Auto-EBIT-Marge 2026 bei 5,2 Prozent, unter dem Konsens von 5,7 Prozent
  • Kurzfristdruck: Für Q4 2025 rechnet UBS nur mit einer Marge von 4,0 Prozent
  • China: Der Schlüsselmarkt zeigt laut UBS klare Abschwächungstendenzen

Besonders China bleibt der wunde Punkt. Dort steht BMW im Premiumsegment unter starkem Druck lokaler Wettbewerber wie BYD und Xiaomi. Um gegenzuhalten, sollen auf Top-Modelle wie den i7 M70L Rabatte von bis zu 42.000 US-Dollar gewährt werden – ein klares Indiz dafür, wie hart der Wettbewerb inzwischen geworden ist und wie stark Margen unter Druck geraten können.

Positiv hebt die UBS allerdings den Free Cash Flow hervor. Für 2026 erwartet die Bank einen operativen Cashflow-Anstieg um rund 2 Milliarden Euro. Treiber sind geringere Investitionen sowie das Auslaufen des Bremssystem-Rückrufs aus 2025. Das FCF-Ziel könnte damit über 5 Milliarden Euro liegen, was zumindest die Finanzkraft stützt, selbst wenn die Profitabilität kurzfristig schwächer ausfällt.

Geteiltes Analystenlager

Die jüngsten Einschätzungen zeigen ein deutlich gespaltenes Bild:

  • Bernstein Research (14.01.2026): Outperform, Kursziel 115 Euro
  • UBS (13.01.2026): Neutral, Kursziel 93 Euro
  • JP Morgan (12.01.2026): Overweight
  • Barclays (09.01.2026): Underweight
  • Jefferies (09.01.2026): Hold

Während Bernstein und JP Morgan die Aktie klar positiv sehen, bleibt Barclays skeptisch. Die Spannbreite der Urteile verdeutlicht, dass es derzeit keinen Konsens über das Chance-Risiko-Profil gibt.

Charttechnisch spiegelt sich diese Unsicherheit in einer Zwischenlage wider: Der Kurs liegt mit 89,50 Euro knapp 2 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 91,45 Euro, aber noch klar über der 200-Tage-Linie. Der 14-Tage-RSI von 36,7 signalisiert, dass der Titel zwar schwächer gelaufen ist, aber noch nicht im klassischen Überverkauft-Bereich angekommen ist.

„Neue Klasse“ als gemeinsamer Hebel

Interessanterweise setzen sowohl Bernstein als auch UBS auf denselben strukturellen Treiber: die ab 2026 startende Elektro-Plattform „Neue Klasse“. Mit dem iX3 als erstem Modell soll eine neue Generation von E-Autos an den Start gehen, die laut UBS „neue Maßstäbe im EV-Segment“ setzen könnte.

Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob die Neue Klasse ausreicht, um die Belastungen aus China und die concerns zur Bewertung zu überlagern. Bernstein beantwortet dies klar mit Ja und traut der Plattform nachhaltigen Rückenwind für Wachstum und Margen zu. Die UBS anerkennt zwar das technologische Potenzial, bleibt aber mit Blick auf Wettbewerbs- und Preisumfeld vorsichtig und kalkuliert konservativere Margen ein.

Fakt ist: Gelingt der Start der Neuen Klasse wie geplant, könnte BMW seine Position im globalen EV-Markt ausbauen und mittelfristig wieder höhere Profitabilität anpeilen. Misslingt der Rollout oder verschärft sich der Preiskampf in China weiter, droht dagegen anhaltender Druck auf Erträge.

Konkreter Blick nach vorn

Der nächste harte Test steht bereits fest: Am 12. März 2026 legt BMW die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Besonders die Entwicklung der Auto-EBIT-Marge und die Aussagen zum China-Geschäft werden dann im Fokus stehen. Gelingt es, die aktuell gedämpften Erwartungen zu übertreffen und Fortschritte Richtung Neue Klasse klar zu kommunizieren, könnte die Zone um 98 Euro als charttechnischer Widerstand wieder in Reichweite rücken; bleiben die Margen jedoch hinter den Prognosen zurück, wäre ein längerer Aufenthalt unter dem Bereich um den 50-Tage-Durchschnitt ein realistisches Szenario.

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