BMW Aktie: China-Absatz um 30 Prozent eingebrochen
BMW kündigt massiven Stellenabbau von 8.000 Jobs bis 2027 an. Abfindungsprogramm und natürliche Fluktuation sollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.

- 8.000 Stellenstreichungen weltweit geplant
- Freiwilliges Abfindungsprogramm ab Oktober
- China-Absatz bricht um 30 Prozent ein
- Einsparungen von einer Milliarde Euro jährlich
BMW leitet den größten Personalabbau seit der Finanzmarktkrise ein. Der Münchner Autobauer streicht bis Ende 2027 rund 8.000 Stellen weltweit – einen Tag vor der Vorlage der Halbjahreszahlen, die für Donnerstag angesetzt ist.
Abfindungsprogramm statt Kündigungen
Der Abbau soll über zwei Wege erfolgen: natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm in Deutschland, das ab Oktober 2026 greift und bis Ende 2027 läuft. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Konzern aus. Rund 40.000 bis 50.000 der insgesamt 85.000 deutschen Beschäftigten erhalten laut übereinstimmenden Berichten ein Angebot – betroffen sind vor allem Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb, nicht die Produktion. Auch das Management bleibt nicht verschont. Die Standorte München, Regensburg, Dingolfing und Leipzig stehen im Fokus, das österreichische Werk in Steyr bleibt außen vor. Nach sechswöchigen Verhandlungen einigten sich CEO Milan Nedeljković und Betriebsratschef Martin Kimmich auf das Vorgehen. IG Metall reagierte zurückhaltend und verwies darauf, den Abbau mit den Instrumenten der Betriebsparteien zu gestalten.
Weltweit beschäftigt BMW rund 154.000 Menschen, mehr als die Hälfte davon in Deutschland – dort ist die Belegschaft bereits um 2.000 auf 84.000 geschrumpft. Der Konzern rechnet für den laufenden Umbau mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Kosten, der Finanzchef bezifferte die gesamten Einmalbelastungen auf rund eine Milliarde Euro. Ab 2028 soll das Programm im Gegenzug jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen.
China-Schwäche und Gewinnwarnung als Auslöser
Hinter dem Schritt steht ein massiver Einbruch im China-Geschäft: Der Absatz dort fiel im zweiten Quartal um rund 30 Prozent. Hinzu kommen US-Zölle, verschärfter Wettbewerbsdruck und sinkende Entwicklungskosten nach dem Abschluss der „Neue Klasse“-Plattform. Nedeljković hatte im Juni bereits eine Gewinnwarnung ausgesprochen und die Ergebnisziele gesenkt. Im ersten Quartal war der Umsatz um 8,1 Prozent auf 31 Milliarden Euro gesunken, der Nettogewinn brach um 23 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro ein. Diese Zahlen dürften bei der Vorlage der Halbjahresbilanz am Donnerstag im Mittelpunkt stehen – Anleger werden vor allem darauf achten, ob sich der China-Trend im zweiten Quartal fortgesetzt hat und wie belastbar die neue Kostenlinie ist.
BMW steht mit dieser Entwicklung nicht allein. Auch Mercedes-Benz kämpft mit rückläufigen China-Auslieferungen und hat bereits 5.500 Stellen gestrichen, während Volkswagen unter CEO Blume seinen Stellenabbau auf bis zu 100.000 Positionen ausweiten könnte. Der Umbau bei BMW reiht sich damit in eine branchenweite Antwort auf schwächere Absatzmärkte und wachsenden Kostendruck aus China ein.
Aktie reagiert verhalten, Erholung bleibt fragil
An der Börse zeigte sich die BMW-Aktie von der Nachricht wenig beeindruckt: Das Papier notiert bei 60,46 Euro und legt damit um 0,80 Prozent zu. Die Reaktion fällt moderat aus – ein Hinweis darauf, dass der Personalabbau von den Marktteilnehmern bereits erwartet worden war und nun als Schritt zur Kostensenkung eingepreist wird. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz jedoch deutlich negativ: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 35,28 Prozent verloren, ein Ausmaß, das die Tiefe der aktuellen Branchenkrise unterstreicht.
Die kommenden Handelstage dürften entscheidend dafür sein, ob sich die jüngste leichte Stabilisierung fortsetzt. Mit den Halbjahreszahlen am Donnerstag erhalten Anleger erstmals konkrete Hinweise darauf, wie stark die China-Schwäche das operative Geschäft im zweiten Quartal belastet hat – und ob der eingeleitete Stellenabbau ausreicht, um die Kostenbasis des Konzerns nachhaltig zu senken.
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