BMW Aktie: Frieden mit Aumovio
BMW erhält 350 Millionen Euro von Aumovio zur Beilegung eines Gewährleistungsstreits und vergibt im Gegenzug neue Milliardenaufträge.

- Rechtsstreit um Bremssystem beigelegt
- Aumovio zahlt 350 Millionen Euro
- Neue Milliardenaufträge an Zulieferer
- Quartalsgewinn bricht um ein Drittel ein
Ein jahrelanger Rechtsstreit endet – und BMW bekommt am Ende sogar Geld dafür. Der Autobauer hat sich mit dem Zulieferer Aumovio auf einen Vergleich zur Beilegung eines alten Gewährleistungsfalls geeinigt und nutzt den Anlass, um die Partnerschaft gleich mit neuen Milliardenaufträgen zu vertiefen. Die Nachricht platzt mitten in eine Woche, die BMW ohnehin schon mit enttäuschenden Quartalszahlen und einem harten Sparkurs beschäftigt.
Vergleich beendet Streit ums Bremssystem
Der Disput drehte sich um ein integriertes Bremssystem und betraf neben BMW und Aumovio auch den Zulieferer Continental. Die Parteien erklärten nun sämtliche Ansprüche aus der Auseinandersetzung für erledigt. Aumovio zahlt BMW dafür 350 Millionen Euro, verteilt auf zwei Raten im dritten und vierten Quartal 2026 – deutlich mehr als die bislang dafür zurückgestellten 54 Millionen Euro.
Im Gegenzug bauen beide Seiten ihre Zusammenarbeit aus. BMW vergibt an die Aumovio Germany GmbH neue Aufträge im Volumen von über einer Milliarde Euro und stärkt damit die gemeinsame Technologiepartnerschaft langfristig.
China drückt auf die Marge
Die Einigung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem BMW ohnehin unter Druck steht. Der Umsatz fiel im zweiten Quartal im Jahresvergleich um knapp 8 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro, das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern brach um 39 Prozent ein.
Hauptgrund bleibt der chinesische Markt, der für BMW früher regelmäßig für sprudelnde Gewinne sorgte und inzwischen zum größten Unsicherheitsfaktor geworden ist. Rückläufige Verkäufe und ein deutlich härterer Wettbewerb treffen die Münchner dort besonders empfindlich.
Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,2 Milliarden Euro übrig, ein gutes Drittel weniger als im Vorjahresquartal. Der Absatz in China brach um fast ein Drittel ein, die operative Marge in der Autosparte sackte von 5,4 auf 2,3 Prozent ab. An der Börse zeigte sich die Aktie davon zuletzt unbeeindruckt und notierte stabil bei 60,30 Euro – die Prognosesenkung vom Juni hatte die Erwartungen bereits gedämpft.
Sparprogramm und Analystenblick
Konzernchef Milan Nedeljkovic, seit Mitte Mai im Amt, treibt parallel den Umbau voran. Weltweit sollen 8.000 Stellen wegfallen, in Deutschland ist ein Abfindungsprogramm geplant. Berichten zufolge sollen ab April 2027 zudem nur noch 35-Stunden-Verträge gelten – Beschäftigte mit längeren Arbeitszeiten müssten dann mit Gehaltseinbußen rechnen.
Die kanadische Bank RBC beließ ihre Einstufung nach den Zahlen bei „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 62 Euro. Mehr Klarheit zur langfristigen Strategie erwartet Analyst Tom Narayan erst von der Investorenveranstaltung am 29. und 30. September – dort könnte BMW auch einen Einstieg in Nicht-Automobilbereiche wie Robotik andeuten.
Bis die operative Marge im Autogeschäft wieder in die angestrebte Spanne von 8 bis 10 Prozent zurückkehrt, dürfte es nach eigenen Angaben noch bis zum Beginn des kommenden Jahrzehnts dauern. Der Vergleich mit Aumovio ändert daran wenig – schafft aber immerhin eine rechtliche Altlast aus der Welt.
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