BMW Aktie: Index-Rauswurf auf 56,72 Euro
BMW-Aktie fällt auf Jahrestief: Index-Umstellung und Absatzschwäche in China belasten den Autobauer zusätzlich.

- Neues 52-Wochen-Tief erreicht
- Index-Auschluss verstärkt Verkaufsdruck
- China-Absatz bricht um 20 Prozent ein
- Halbjahreszahlen Ende Juli erwartet
BMW-Aktionäre erleben derzeit eine doppelte Belastung. Fundamentale Sorgen um China treffen auf einen technischen Verkaufsdruck, der sich aus einer eigentlich positiven Nachricht ergibt. Das Ergebnis: ein neues 52-Wochen-Tief.
Am Mittwoch fiel die Aktie auf 56,72 Euro und markiert damit den tiefsten Stand seit einem Jahr. Aktuell notiert das Papier bei 57,28 Euro, ein Minus von 0,42 Prozent im Tagesverlauf. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf über 40 Prozent.
Warum eine Strukturreform zur Kursbelastung wird
Der Grund für die aktuelle Schwäche liegt paradoxerweise in einer Verbesserung der Unternehmensstruktur. Anfang Juli wandelte BMW seine Vorzugsaktien in Stammaktien um. Die Aktienstruktur wurde dadurch einfacher und transparenter.
Genau das löste jedoch eine Neugewichtung in wichtigen Indizes aus. BMW flog aus dem S&P Europe 350 und dem FTSE All-World-Index. Passive Fonds und ETFs, die diese Indizes nachbilden, müssen die Aktie zwangsweise verkaufen.
Dieser automatisierte Verkaufsdruck trifft auf ein bereits angespanntes Marktumfeld. Er beschleunigt den Kursrückgang zusätzlich – unabhängig von der operativen Entwicklung des Konzerns.
China bremst, USA und Europa laufen
Operativ zeigt BMW ein zweigeteiltes Bild. In China brach der Absatz im ersten Halbjahr um 20,4 Prozent ein. Die Region Asien-Pazifik bleibt der große Schwachpunkt im Konzern.
In den USA wuchs der Absatz dagegen um 3,9 Prozent, in Europa um rund 5,4 Prozent. Vertriebsvorstand Jochen Goller betonte, BMW gewinne in diesen Kernmärkten Marktanteile. Das China-Geschäft wiegt jedoch schwer: Weltweit lieferte BMW rund 1,15 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Passend zum robusten US-Geschäft vollzieht der Konzern dort einen Führungswechsel. Am 13. Juli kündigte BMW North America Veränderungen im Top-Management an. Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt: Die „Neue Klasse“ mit dem neuen iX3 steht kurz vor dem US-Marktstart. Weltweit liegen für die neuen Elektromodelle bereits fast 100.000 Vorbestellungen vor.
Überverkauft, aber unter Druck
Charttechnisch befindet sich BMW in einer kritischen Lage. Das Papier notiert knapp 30 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 81,71 Euro und über 15 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 67,86 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro aus dem Dezember fehlen mittlerweile mehr als 41 Prozent.
Ein Lichtblick liefert der Relative-Stärke-Index. Mit einem Wert von 28,8 signalisiert er einen stark überverkauften Zustand – historisch oft ein Vorbote für kurzfristige Gegenbewegungen. Die Deutsche Bank hält trotz der Talfahrt an ihrem Kursziel von 90 Euro fest, warnt aber, dass schwächere Preise das zweite Quartal spürbar belastet haben dürften.
Am 30. Juli legt BMW seinen Halbjahresbericht vor. Dann zeigt sich, wie stark die laufenden Sparmaßnahmen die Profitabilität stützen konnten und ob der Ausblick für das zweite Halbjahr Substanz bekommt. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen technischem Verkaufsdruck und operativer Stabilisierung gefangen.
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