BMW Aktie: Margendruck zwingt zum Umbau?
BMW spart in Verwaltung und Entwicklung, während China-Schwäche und höhere Rückstellungen das Geschäft belasten.

- Werke bleiben vom Personalprogramm ausgenommen
- Kündigungen schließt Nedeljkovic aus
- BMW UK erhöht Rückstellungen auf 611 Millionen Pfund
- Neue Klasse soll 2027 vierzig Modellreihen erreichen
BMW-Chef Milan Nedeljkovic drückt beim Konzernumbau aufs Tempo. In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung forderte der Konzernlenker mehr Geschwindigkeit und kritisierte starre Arbeitszeitmodelle sowie hohe Standortkosten in Deutschland. Zugleich reagiert der Münchner Autobauer auf den zunehmenden Margendruck mit einem zügig vereinbarten Sparprogramm.
Stellenabbau in Verwaltung und Entwicklung
Innerhalb von sechs Wochen verständigte sich das Management mit dem Betriebsrat auf ein neues Personalstrukturprogramm. Betroffen sind vor allem die Bereiche Verwaltung, Entwicklung und Planung am Standort München, während die Werke ausdrücklich ausgenommen bleiben.
Betriebsbedingte Kündigungen schloss Nedeljkovic dabei aus. Als zentrale Wettbewerbshindernisse nannte der 57-jährige Manager, der den Vorstandsvorsitz im Mai 2026 übernommen hat, die 35-Stunden-Woche sowie eine überbordende Bürokratie.
Hinter den Sparmaßnahmen steht vor allem das trübe Marktumfeld in Fernost. Nedeljkovic verwies darauf, dass der Neuwagenabsatz in China im Gesamtjahr unter die Schwelle von 20 Millionen Fahrzeugen sinken könnte. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 24 Millionen Einheiten.
Gleichzeitig übersteigt das dortige Produktionsvolumen die Inlandsnachfrage mit fast 30 Millionen Automobilen deutlich. Dieser massive Überhang verschärft den Preiskampf und zwingt etablierte Hersteller zu raschen Effizienzsteigerungen.
Teure Rückstellungen belasten das Sentiment
Zusätzlich belasten juristische Altlasten das Jahresergebnis. In Großbritannien musste die Konzerntochter BMW UK ihre Rückstellungen im Zusammenhang mit dem dortigen Autokreditskandal drastisch ausweiten. Die Vorsorge stieg von zuvor über 200 Millionen Pfund auf nun 611 Millionen Pfund, was rund 710 Millionen Euro entspricht.
Die operative Gemengelage spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Am gestrigen Freitag gab das Papier um 1,7 Prozent nach und beendete den Handel bei 56,10 Euro. Damit notiert der Titel nur knapp über seinem ebenfalls gestern markierten 52-Wochen-Tief von 55,32 Euro. Marktbeobachter richten ihre Aufmerksamkeit nun auf den bevorstehenden Kapitalmarkttag, von dem neue strategische Signale erwartet werden.
Modelloffensive mit der Neuen Klasse
Strategische Hoffnungen ruhen unterdessen auf der nächsten Fahrzeuggeneration. Im chinesischen Nanjing absolvierte der Konzern jüngst erste offizielle Testfahrten mit Prototypen der Neuen Klasse auf öffentlichen Straßen. BMW setzt bei den Assistenzsystemen auf eine Kooperation mit dem Spezialisten Momenta, um automatisierte Fahrfunktionen für den chinesischen Markt anzupassen.
Bis zum Jahr 2027 plant das Unternehmen, die Technologie der Neuen Klasse auf insgesamt 40 Modellreihen auszurollen. Flankiert wird dieser Hochlauf durch Fortschritte in der europäischen Zulieferkette: Im ungarischen Debrecen hat der Partner CATL mit der schrittweisen Batteriezellfertigung begonnen. Von dort soll BMW ab 2027 mit Zellen beliefert werden.
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