BMW vor der Wende: Trägt die Neue Klasse den Konzern durch die Krise?

BMW kämpft mit massivem Gewinnrückgang und Absatzeinbruch in China. Die Neue Klasse mit i3 und iX3 soll die Wende bringen, während der Aktienkurs nahe dem Jahrestief notiert.

Die Kernpunkte:
  • EBIT-Marge fällt auf 2,3 Prozent
  • China-Absatz bricht um 20 Prozent ein
  • Neue Klasse: i3 und iX3 als Hoffnungsträger
  • Aktienrückkauf trotz Kursverfall gestartet

Ausgangslage: Sparkurs trifft auf China-Schwäche

BMW steckt in der tiefsten Ergebniskrise seit Jahren. Der Halbjahresbericht vom 30. Juli offenbarte das Ausmaß: Die Automobil-EBIT-Marge brach von 5,4 auf 2,3 Prozent ein, der Konzerngewinn nach Steuern sackte um 35,1 Prozent ab. Haupttreiber ist der chinesische Markt, wo der Absatz im ersten Halbjahr um 20,4 Prozent einbrach, im zweiten Quartal sogar um 30,2 Prozent.

Der Konzern reagiert mit einem freiwilligen Abfindungsprogramm für rund 8.000 Stellen, das ab Oktober anlaufen soll, mit Schwerpunkt Deutschland und einer Rückstellung von etwa 1 Milliarde Euro. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm, über das BMW zwischen Juli und August rund 1,76 Millionen Aktien zu Kursen zwischen 56,76 und 61 Euro erworben hat.

Die Aktie notiert nach dem gestrigen Handelstag bei 57,86 Euro, nur gut zwei Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro und rund 41 Prozent unter dem Jahreshoch von Anfang Dezember. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 38 Prozent.

Genau in dieser Gemengelage aus Kostendruck und Kursverfall soll die sogenannte Neue Klasse für Entlastung sorgen – mit dem i3, dessen Serienproduktion in München Anfang August angelaufen ist, und dem iX3, für den BMW nach eigenen Angaben weltweit bereits rund 100.000 Vorbestellungen verzeichnet.

Die entscheidende Frage: Kompensiert die Neue Klasse den China-Einbruch?

Für Anleger läuft derzeit alles auf eine Kennzahl zu: die Absatzentwicklung der neuen Elektromodelle in den kommenden Quartalen im Verhältnis zum fortgesetzten China-Rückgang. Im zweiten Quartal stiegen die BEV-Auslieferungen bereits um 5,2 Prozent, getrieben vom iX3-Anlauf in Europa mit einem Plus von 38 Prozent dort.

Ob dieser Schwung ausreicht, um die Automobilmarge – laut Konzernprognose für 2026 bei 1 bis 3 Prozent – zu stabilisieren, entscheidet, ob der aktuelle Kurs den Boden markiert oder ob weiteres Abwärtspotenzial besteht.

Bullisches Szenario

Sollte sich die Nachfrage nach i3 und iX3 wie angekündigt in Auslieferungszahlen übersetzen, hätte BMW mit der Neuen-Klasse-Generation erstmals seit Jahren wieder ein Produktargument, das über reine Kostensenkung hinausgeht.

Die 800-Volt-Ladetechnik und die bis zu 912 Kilometer WLTP-Reichweite des i3 gelten als technologischer Sprung, der auch europäische Kunden zurückgewinnen könnte – ein Markt, der im ersten Halbjahr bereits um 5,4 Prozent zulegte.

Zusammen mit dem Stellenabbau, der ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen soll, und der beigelegten Auseinandersetzung mit AUMOVIO, aus der BMW Aufträge von über 1 Milliarde Euro vergibt, ergäbe sich ein Bild eines Konzerns, der seine Strukturprobleme aktiv angeht, während neue Produkte anlaufen. Der laufende Aktienrückkauf signalisiert zudem, dass das Management den aktuellen Kurs für unterbewertet hält.

Bärisches Szenario

Dagegen steht das Risiko, dass der China-Einbruch struktureller Natur ist und sich nicht durch europäische Verkaufserfolge ausgleichen lässt. Ein Rückgang von über 30 Prozent im zweiten Quartal in einem für BMW historisch zentralen Markt lässt sich nicht kurzfristig kompensieren, selbst wenn der iX3 in Europa reüssiert.

Zudem bleibt die Automobilmarge mit 2,3 Prozent im zweiten Quartal weit von früheren Werten entfernt, und die Konzernprognose für das Gesamtjahr sieht ohnehin nur 1 bis 3 Prozent vor. Die wiederholte Verschiebung des Agenturmodells – nun auf nicht vor Juli 2028 – deutet zudem darauf hin, dass BMW selbst beim geplanten Vertriebsumbau vorsichtiger geworden ist.

Bernstein Research senkte am 31. Juli sein Kursziel von 85 auf 82 Euro, bei weiterhin positivem „Outperform“-Rating – ein Hinweis darauf, dass selbst wohlwollende Analysten ihre Erwartungen nach den Q2-Zahlen zurückgeschraubt haben.

Ausblick

Solange die europäischen BEV-Zulassungen ihren Schwung behalten und sich der China-Rückgang nicht weiter verschärft, bleibt das Szenario einer allmählichen Stabilisierung intakt – gestützt durch Kapitalrückkehr über Rückkäufe und den laufenden Personalabbau.

Beschleunigt sich der Einbruch in China hingegen weiter oder verzögert sich die Auslieferung von i3 und iX3 gegenüber den für Herbst 2026 angekündigten Terminen, dürfte die Marge unter Druck bleiben und die Aktie näher am 52-Wochen-Tief verharren.

Der nächste konkrete Prüfstein sind die Auslieferungszahlen für das dritte Quartal, die zeigen müssen, ob aus den rund 100.000 iX3-Vorbestellungen tatsächliche Verkäufe werden – und ob der Antritt von Dorothea von Boxberg als neue Personalvorständin zum 1. September den angekündigten Stellenabbau ohne weitere Reibungsverluste umsetzt.

Anzeige

BMW-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BMW-Analyse vom 21. August liefert die Antwort:

Die neusten BMW-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BMW-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

BMW: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu BMW