Boeing, GE Aerospace und Airbus: Was der Triebwerks-Engpass für Anleger heißt

Boeing verfehlt sein Auslieferungsziel, während GE Aerospace und Novartis Zuwächse melden und Airbus seine Quartalszahlen noch vorlegt.

Die Kernpunkte:
  • Boeings Auftragsbestand erreicht 745 Milliarden Dollar
  • 737-Produktionsziel auf Anfang 2027 verschoben
  • GE Aerospace meldet Umsatzplus von knapp 16 Prozent
  • Novartis hebt Jahresprognose nach Gewinnwachstum an

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Luftfahrt hat volle Auftragsbücher und trotzdem ein Lieferproblem. Boeing hat heute das Produktionsziel für die 737 auf Anfang 2027 verschoben. Die Aktie verliert im US-Handel rund 9 Prozent.

Der Engpass liegt in der Zulieferkette, vor allem bei Triebwerken und Flügelbau. Dahinter steht ein Muster, das sich heute durch mehrere Branchen zieht: Die Nachfrage ist da, entscheidend ist, wer liefern kann. Wer liefert, wird belohnt. Wer Zeitpläne verschiebt, zahlt sofort.

Boeing: Rekordaufträge, schwacher Geldfluss

Boeing hat kein Nachfrageproblem, sondern ein Lieferproblem. Der Auftragsbestand erreicht mit 745 Milliarden Dollar einen Rekord. Die Auslieferungen stagnierten dagegen bei 161 Jets, unter anderem wegen fehlender Triebwerke.

Was hat die Boeing-Aktie so hart getroffen? Entscheidend war der Ausblick. Konzernchef Kelly Ortberg erreicht die angepeilte Produktionsrate der 737 erst Anfang 2027, und das Jahresziel bei den Auslieferungen wird verfehlt. Für 2027 stellt Boeing nur 3 Milliarden Dollar freien Mittelzufluss in Aussicht, Analysten hatten im Schnitt 5,6 Milliarden erwartet.

Freier Mittelzufluss ist das Geld, das nach laufenden Kosten und Investitionen übrig bleibt. Bei Boeings hohen Nettoschulden verschiebt sich damit der gesamte Entschuldungspfad. Die Aktie steht auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr und seit Jahresbeginn 18 Prozent im Minus. Die Analysten bleiben dennoch konstruktiv: Bernstein senkt das Kursziel auf 278 Dollar, hält aber an „Buy“ fest, also an der Kaufempfehlung.

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Triebwerke: Wo der Engpass sitzt

Bei den Triebwerken ist die Abhängigkeit von den US-Herstellern Pratt & Whitney und GE Aerospace groß. Lufthansa Technik meldet monatelange Wartezeiten bei Lagern für ein GE-Triebwerk, weil US-Militärtriebwerke bevorzugt beliefert werden. Der Flaschenhals ist also ganz konkret.

Und wie geht es dem Lieferanten selbst? Spürbar besser. GE Aerospace hatte bereits in der vergangenen Woche ein Umsatzplus von knapp 16 Prozent gemeldet. Heute legt die Aktie im US-Handel um 1,7 Prozent zu, während Boeing einbricht.

Auf europäischer Seite hat der Safran-Chef heute bekräftigt, alle Zusagen für 2026 an Airbus einzuhalten. Bei Schmalrumpfflugzeugen, also Jets mit nur einem Gang in der Kabine, waren Triebwerke lange der Engpass; inzwischen verbessern sich die Auslieferungen. Die Safran-Aktie schloss in Paris praktisch unverändert. Für Anleger ist das die Kernfrage: Wenn Safran liefert, liefert auch Airbus.

Airbus: Zahlen am Mittwoch, Ärger aus Washington

Airbus legt am Mittwoch nach Börsenschluss die Zahlen zum dritten Quartal vor. Das Ziel von 870 Verkehrsflugzeugen für 2026 steht unverändert, bisher sind 547 ausgeliefert. Beim operativen Ergebnis liegen die Analysten im Schnitt etwas über der Erwartung des Vorstands. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn leicht im Minus.

Airbus hat zudem einen politischen Störfaktor. US-Handelsbeauftragter Greer kritisiert einen geplanten EIB-Kredit über 3 Milliarden Euro für den Konzern. Er warnt vor einem Konflikt mit dem Abkommen über zivile Großraumflugzeuge von 2021.

Hilft Boeings Schwäche dem Rivalen? Ja, solange das Handelsabkommen hält. Wird aus dem Kredit ein Zollthema, kippt diese Rechnung schnell.

Rüstung und Weltraum: Rheinmetall wartet, OHB legt zu

Bei Rheinmetall rechnen Investoren vor dem Kapitalmarkttag mit einer Rücknahme der Ziele für 2030. Auf solchen Treffen stellt der Vorstand seine mittelfristigen Pläne vor. Deutsche Bank Research senkt vorab das Kursziel, bleibt aber bei „Kauf“. Vom Januar-Hoch hat die Aktie fast die Hälfte verloren.

Ist die Enttäuschung bei Rheinmetall schon im Kurs enthalten? Die Erholung der letzten Wochen spricht dafür, auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 5,5 Prozent. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob die Ziele gekappt werden, sondern ob der Markt damit schon rechnet.

Frischer ist die Geschichte bei OHB. Berenberg bestätigt „Buy“ mit Kursziel 358 Euro. Analyst Michael Filatov begründet das mit Deutschlands milliardenschwerem Plan für den militärischen Weltraum. Die OHB-Aktie schloss heute auf Xetra mit einem Plus von 4,4 Prozent.

Novartis: Wachstum gegen den Trend

Während Beiersdorf, Nestlé und Reckitt heute Konsumzurückhaltung melden, liefert Novartis das Gegenteil. Der operative Gewinn ohne Sondereffekte kletterte im dritten Quartal um 11 Prozent. Zudem hob Novartis die Prognose für das Gesamtjahr an.

Die Novartis-Aktie legt aktuell 2,1 Prozent zu und steht seit Jahresbeginn 18 Prozent im Plus. Das Hoch aus dem Februar ist in Reichweite. In einer Berichtssaison voller gesenkter Ziele ist ein Pharmawert mit angehobener Prognose eine seltene Konstante.

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Gesundheitswerte wie Novartis beweisen, dass es auch in zähen Berichtssaisons Gewinner gibt – genau dort setzt Analyst Mike Rückert an. In seinem PDF-Sonderreport nennt er fünf Aktien aus Bereichen wie Energie, Gesundheit und Hightech, die 2026 zu den großen Börsengewinnern zählen könnten. Sonderreport mit fünf Aktien sichern

Der globale Kompass

Der heutige Tag zeigt eine klare Trennlinie. Die Nachfrage ist da, die Engpässe liegen in der Produktion. Wer wie GE Aerospace, Safran oder Novartis liefert, wird belohnt; wer wie Boeing Zeitpläne verschiebt, zahlt sofort. Airbus steht morgen Abend genau an dieser Linie.

Morgen entscheidet die Fed, am Donnerstag die EZB. Der Markt rechnet mit einer Pause, hält aber zwei Erhöhungen bis Mitte 2027 für wahrscheinlich. Wichtiger für die Depots ist die Berichtssaison: Bei den bisher berichtenden S&P-500-Unternehmen liegt das Gewinnwachstum bei 29,5 Prozent.

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