Börsenwissen: Börsencrash – Der Schwarze Donnerstag 1929

In den vergangenen Jahrzehnten hat es immer wieder große Krisen an der Aktienbörse gegeben. Die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise ist also für erfahrenen Börsianer und Historiker des 20. Jahrhunderts keine ganz neue Situation. Vor gut 85 Jahren ereignete sich ein besonders „berühmter“ Börsencrash, der Schwarze Freitag 1929 – welcher eigentlich ein Donnerstag war.

 

Das Titelblatt des Brooklyn Daily Eagle vom 24. Oktober 1929 mit der Überschrift "Wall St. in Panic as Stocks Crash".(© by FPG/Hulton Archive/Getty Images)
Das Titelblatt des Brooklyn Daily Eagle vom 24. Oktober 1929 mit der Überschrift “Wall St. in Panic as Stocks Crash”.(© by FPG/Hulton Archive/Getty Images)

Der 24. Oktober 1929 gilt für viele als einer der schlimmsten Tage der Börsengeschichte. Dies hängt auch zum Teil mit den langfristigen ökonomischen und letztlich auch politischen Folgen zusammen. Denn an dem Tag selbst brach das System gar nicht vollständig zusammen. Vielmehr war auch der Niedergang der Börsenkurse ein längerer Prozess.

 

Mythos 1: Donnerstag oder Freitag?

Der 24. Oktober 1929 war nachweislich ein Donnerstag. Warum hierzulande immer vom Schwarzen Freitag gesprochen wird, hat zwei Gründe. Der Hauptgrund ist banal: Durch die Zeitverschiebung war es in Europa gar nicht mehr Donnerstag sondern schon Freitag, als in New York die Kurse purzelten.

Darüber hinaus ist der „Schwarze Freitag“ eine Art feststehender Begriff für verschiedenste Krisen und Unglücksereignisse. Bereits vor Jahrhunderten wurde der Schwarze Freitag als Tag für schlimme Ereignisse gesehen und in der jüngeren Vergangenheit wurden so mehrere Krisen im Finanz- und Börsenbereich bezeichnet.

 

Mythos 2: Ein schlimmer Börsencrash-Tag sieht anders aus

Der Schwarze Donnerstag war durchaus ein Tag mit erheblichen Verlusten an den New Yorker Börsen. Die Bilder von panischen Händlern und chaotischen Zuständen kommen auch vielen Privatanlegern bekannt vor.

Was dabei jedoch häufig außer Acht gelassen wird: Am 24. Oktober 1929 sackte der Dow Jones zwar deutlich ab – aufgrund von Gegenkäufen konnte ein kompletter Ausverkauf jedoch vermieden werden. Am Ende des Tages stand ein Minus von 2,1 Prozent zu Buche, nackte Panik sieht anders aus.

Der Schwarze Donnerstag ist vielmehr ein herausgepickter Tag, der sinnbildhaft für den langwierigen Niedergang der Börsen und der Weltwirtschaft in der Zeit stehen. In den folgenden Tagen – und Monaten und Jahren – sollte es stetig bergab gehen.

 

Krise ab 1929 – Gründe und Folgen

In den goldenen 1920er Jahren sind die Börsenkurse explodiert. Die Weltwirtschaft boomte nach dem 1. Weltkrieg und die Investoren verschuldeten sich an der Börse. Erst 1929 wurde deutlich, dass die Kurse viel zu hoch waren und längst nicht die echten Werte widerspiegelten. Das Absacken der Kurse hatte zur Folge, dass etliche kreditfinanzierte Investoren plötzlich zahlungsunfähig wurden – ein Teufelskreis entstand, der erst Mitte der 1930er Jahre wieder durchbrochen werden konnte.

Die ökonomischen Folgen der Krise von 1929 bis etwa 1932 waren verheerend. Millionen Arbeitslose, Armut, Insolvenzen, Rezession und Deflation waren die Folgen – und zwar in Europa und Amerika. Nicht wenige Historiker sind der Ansicht, dass die große Wirtschaftskrise dieser Jahre auch politische Krisen und Radikalisierung befördert hat.

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