Börsenwissen: Rating und Bonität – das sollten Anleger kennen

Ratingagenturen genießen spätestens seit der Finanzkrise einen zweifelhaften Ruf. Doch trotz der großen Macht und der Fehlbarkeit der Agenturen sollten die Bonitäts-Bewertungen auch für Privatanleger von Interesse sein. Was sagt eine gute oder schlechte Bonität von Unternehmen aus und welche Schlüsse können Anleger daraus ziehen?

 

© nmann77 - Fotolia
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Die drei großen US-amerikanischen Ratingagenturen Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s sind die mit Abstand wichtigsten weltweit. Ein Großteil der Unternehmens- und auch Anleihenprüfungen wird von den drei Agenturen durchgeführt.

Dabei reicht die Spanne der Benotung in der Regel von „AAA“ (beste Benotung, geringstes Insolvenzrisiko) bis hin zu „D“ (ungenügende Bonität, in Zahlungsverzug) oder vergleichbar – bei Moody’s etwa von „Aaa“ bis „C“. Besonders eine Herabstufung der Bonität von Staatsanleihen kann schwerwiegende Folgen haben. Der Fokus soll hier jedoch auf die Bewertung von Unternehmen gelegt werden.

 

Bonität – was ist das und was sagt sie aus?

Der Begriff Bonität kann frei übersetzt werden mit „Kreditwürdigkeit“. Ursprünglich stammt das Wort aus dem Lateinischen (bonitas) und bedeutet so viel wie „gute Beschaffenheit“ oder „Vortrefflichkeit“.

In der modernen Finanzwirtschaft bedeutet eine sehr gute Bonität, dass das Unternehmen (der Staat, die Privatperson etc.) mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Lage sein wird, seine Kredite und sonstige Verbindlichkeiten wie etwa Zinszahlungen an Investoren zu bedienen.

Für die Prüfung der Bonität werden verschiedene Kriterien herangezogen. Dazu gehören unter anderem Geschäftszahlen und Bilanzen (Eigenkapitalquote, Liquidität) oder auch das Zahlungsverhalten, die Unternehmensgeschichte und -Beteiligungen. Je besser das Rating ausfällt, desto niedriger ist also die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall.

 

Benotung durch Ratingagenturen durchaus für Anleger interessant

Für Anleger kann die Bewertung durch die Ratingagenturen durchaus eine Hilfestellung bei der Auswahl ihres Investments sein. Der Vorteil einer hohen Kreditwürdigkeit liegt auf der Hand: Eine Insolvenz ist sehr unwahrscheinlich und die Zahlungsbereitschaft sowie Zahlungswahrscheinlichkeit sehr hoch.

Ein Investment in ein Unternehmen, welches eine schwache Bonität aufweist, ist für Anleger zumeist mit einem höheren Risiko verbunden. Jedoch sollten Anleger bei der Wahl des Investments nicht nur auf die Benotung durch Ratingagenturen schauen und dieses Kriterium nicht überbewerten. Schließlich sind viele andere Faktoren entscheidend, wenn es um ein erfolgreiches Investment geht – und auch Ratingagenturen können Fehleinschätzungen liefern.

 

Einfluss und Fehler – Kritik an Ratingagenturen

Für viele Beobachter – besonders außerhalb der USA – ist der Einfluss der drei führenden Ratingagenturen auf die Finanzmärkte zu groß. Eine Herabstufung der Bewertung führt nicht selten zu Turbulenzen. Zudem sind die Benotungen alles andere als unfehlbar wie die Bestnoten der US-Hypothekenpapiere, die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten, gezeigt haben.

Trotz aller Kritik an den Ratingagenturen ist die Bewertung der Bonität sinnvoll und auch für Privatanleger von Vorteil. Sie kann als ein interessantes Kriterium für die Auswahl der Wertpapiere gesehen werden.

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