Börsenwissen: So funktioniert die Besteuerung bei Kapitalanlagen

Seit Anfang 2009 hat sich das deutsche Steuerrecht bezüglich der Erträge von Kapitalanlagen vereinfacht. Seitdem gilt nämlich die sogenannte Abgeltungssteuer, welche einen pauschalen Steuersatz von 25% auf alle Erträge von Kapitalanlagen vorsieht. Dazu kommen noch der Solidaritätszuschlag von 5,5% sowie eventuell die Kirchensteuer von 8 oder 9% (variiert je nach Bundesland).

 

Abgeltungssteuer
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Vor der Einführung der Abgeltungssteuer wurden die Kapitalerträge noch mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Dieser ist durch die Reform zum 1. Januar 2009 bezüglich der Kapitalanlagen für die meisten unerheblich geworden, besonders Gutverdiener profitieren von der neuen Regelung. Bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften ist außerdem der Freibetrag zu beachten. Dieser hat seinen Namen geändert und heißt seit 2009 Sparer-Pauschbetrag, gilt aber weiterhin wie der vorherige Sparerfreibetrag.

 

Abgeltungssteuer: Gutverdiener sparen jetzt Steuern

Über die Einführung der neuen Abgeltungssteuer – oder auch Kapitalertragsteuer – konnten sich vor allem die Privatanleger freuen, die ein vergleichsweise hohes Jahreseinkommen und einen dementsprechend hohen persönlichen Steuersatz wie zum Beispiel 40% haben. Naturgemäß zählen Privatanleger mit beachtlichen Kapitalerträgen nicht selten auch zu den Besserverdienern, sodass vielen die pauschale Besteuerung der Kapitalerträge entgegenkommt.

Die Unternehmenssteuerreform von 2007/2008, die auch die einheitliche Besteuerung von Kapitalerträgen von Privatanlegern hervorbrachte, sollte jedoch Geringverdiener nicht schlechter stellen als vorher. Anleger, die einen geringeren persönlichen Steuersatz als 25% haben, müssen demnach heute nicht mehr für ihre Kapitalerträge an den Fiskus abgeben als vor der Reform.

Dazu müssen geringverdienende Anleger eine sogenannte Günstigerprüfung durchführen lassen, was durch einen Vermerk in der Anlage KAP der Einkommensteuererklärung automatisch durch das Finanzamt geschieht. Das Finanzamt errechnet dann, ob der persönliche Steuersatz des Anlegers unter 25% liegt. Ist dies der Fall, bekommt der Anleger die zu viel bezahlten Steuern zurück. Da es sich bei der Abgeltungssteuer um eine Quellensteuer handelt – also eine Steuer, die direkt an der „Quelle“ wo sie entsteht einbehalten wird – haben die Bank oder der Broker die Steuer (pauschal 25%) nämlich schon einbehalten.

 

Sparer-Pauschbetrag – 801 Euro Kapitalerträge sind steuerfrei

Oft werden Privatanleger mit geringem Einkommen die Günstigerprüfung jedoch nicht durchführen lassen müssen. Der Grund: Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 801 Euro und manche Anleger dürften gar nicht erst nicht über diesen Betrag hinauskommen.

Im Klartext bedeutet der Pauschbetrag, bis 2008 Sparerfreibetrag genannt, dass die ersten 801 Euro an Kapitalerträgen pro Jahr steuerfrei sind. Erst darüber hinaus müssen die Erträge mit der Abgeltungssteuer versteuert werden. Für steuerlich zusammen veranlagte Ehepartner verdoppelt sich der Pauschbetrag auf 1.602 Euro pro Jahr.

Damit der Pauschbetrag nicht im Nachhinein wieder von Finanzamt zurückgeholt werden muss und die Abgeltungssteuer für den Freibetrag gar nicht erst abgeführt wird, muss noch ein Freistellungsauftrag bei der Bank oder dem Broker gestellt werden. Wenn man als Anleger Kapitalerträge in verschiedenen Banken macht, sind auch mehrere Freistellungsaufträge notwendig.

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