Bovespa auf Rekordjagd, DAX im Rückwärtsgang – die neue Geografie des Geldes
Anleger verlagern Kapital von Wachstumswerten hin zu Rohstoffen und Substanz. Brasilien profitiert, der DAX verliert.

- Substanzwerte schlagen Wachstumstitel
- Brasilianischer Bovespa naht Rekordhoch
- DAX gibt trotz SAP-Gewinnen nach
- Bitcoin profitiert von Vertrauenskrise
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit dem Satz, dass der Rentenmarkt meist recht behält, wenn er eine andere Geschichte erzählt als die Aktienmärkte. Diese Woche hat geliefert. Während die Schlagzeilen von Japans Erdbeben, der Straße von Hormus und SAPs Quartalszahlen dominiert wurden, vollzog sich an den globalen Kapitalmärkten eine Umschichtung, die weit größeres Gewicht hat: Das institutionelle Geld wandert – weg von Wachstumsversprechen, hin zu Substanz, Rohstoffen und Lateinamerika.
Es ist eine Rotation, die nicht laut daherkommt, aber in den Fondsdaten dieser Woche klar ablesbar ist. Investoren positionieren sich für ein Umfeld, in dem Inflation klebrig bleibt, Energie teuer ist und geopolitischer Stress zur Dauerbelastung wird. Ein Blick dorthin, wo die Renditen in diesem Quartal tatsächlich entstanden sind.
Substanz schlägt Glamour
Die Zahlen des ersten Quartals 2026 sind eindeutig. Der Hotchkis & Wiley Mid-Cap Value Fund erzielte eine Rendite von 6,74 Prozent – sein Vergleichsindex kam auf 3,68 Prozent. Der entscheidende Treiber waren keine Software-Unternehmen, sondern Energie-Investments, die vom steigenden Ölpreis profitierten.
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Eine aktuelle Auswertung von Distillate Capital untermauert den Befund: Die günstigsten 20 Prozent der Aktien schlagen die teuersten 20 Prozent derzeit deutlich. Das Kapital sucht Bilanzen, die echte Cashflows generieren, keine Wachstumsfantasien. Der US-Konsumgüter-ETF XLP, bestückt mit Walmart und Costco, hat in diesem Jahr bereits 15 Prozent zugelegt. Die Rechnung dahinter ist simpel: Egal, was am Golf passiert oder wie lange die Zinsen oben bleiben – eingekauft wird immer.
Brasilien als neuer Magnet
Gestern beschrieb ich, wie Kapital aus verwundbaren Schwellenländern wie Indien abfließt. Doch nicht alle Emerging Markets verlieren. Brasilien ist der große Gewinner dieser Rotation.
Der Bovespa kratzt an der Marke von 198.000 Punkten – Rekordniveau. Der US-Dollar fiel zuletzt auf 5,01 Real, ein klares Signal für den Umfang der Zuflüsse. Brasilien liefert, was die Weltwirtschaft in dieser Lage am dringendsten braucht: Rohstoffe, Energie und Nahrungsmittel. Allein die Sojaverarbeitung soll in diesem Jahr den Rekordwert von 61,5 Millionen Tonnen erreichen. Gleichzeitig baut das Land seine Energieinfrastruktur in einem Tempo um, das in Europa undenkbar wäre – in einer einzigen Auktion wurden zuletzt 19,5 Gigawatt an Kapazitäten vergeben.
Dass die politische Lage in der Region rau bleibt – in Peru wurde am Freitag das Anwesen eines ehemaligen Wahlkampfleiters wegen Unregelmäßigkeiten durchsucht –, blenden Investoren angesichts der fundamentalen Stärke derzeit aus. Passend dazu: Die USA und die EU unterzeichneten am Freitag eine strategische Partnerschaft zur Sicherung kritischer Mineralien. Die Sorge vor asiatischen Lieferengpässen drängt den Westen zu schnellem Handeln.
Europas Zwickmühle verschärft sich
Diese globale Verlagerung in harte Vermögenswerte hat einen konkreten Auslöser: Brent-Öl notiert hartnäckig bei 105 US-Dollar je Barrel. Zwar reist der iranische Außenminister Abbas Araghtschi zu Gesprächen nach Pakistan, und eine zweiwöchige Feuerpause zwischen den USA und dem Iran beruhigt die Lage minimal. Doch für eine nachhaltige Entspannung am Ölmarkt reicht das nicht.
Für die EZB wird die Situation zunehmend unerträglich. Die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone fallen seit 16 Monaten in Folge, die Industrie schrumpft. Gleichzeitig trieb die importierte Energie-Inflation die deutschen Verbraucherpreise im März auf 2,8 Prozent. Analysten rechnen inzwischen fest damit, dass die EZB im Juni die Zinsen anheben muss – mitten in die Konjunkturschwäche hinein. Es ist genau die Falle, vor der der IWF diese Woche warnte.
Der DAX beendete den Freitagshandel bei 24.128 Punkten. Obwohl SAP mit einem Kurssprung von fünf Prozent glänzte, steht für die Woche ein Minus von rund zwei Prozent. Die Skepsis gegenüber dem Tech-Sektor, die ich gestern im Zusammenhang mit Microsofts stockender KI-Monetarisierung beschrieben habe, hat sich nicht aufgelöst – sie hat sich auf den breiten Markt übertragen.
Bitcoin profitiert von der Vertrauenskrise
Ein unerwarteter Nutznießer dieser Gemengelage ist der Kryptomarkt. Bitcoin handelt nahe der 78.000-Dollar-Marke, und das ist kein Kleinanleger-Phänomen. Im April flossen rund 2 Milliarden US-Dollar in die US-Spot-ETFs. Michael Saylor, dessen Firma MicroStrategy in dieser Woche für weitere 2,5 Milliarden Dollar Bitcoin erwarb, erklärte den Krypto-Winter offiziell für beendet.
Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: In einer Welt, in der Staatsverschuldungen steigen, Schifffahrtswege blockiert werden und Notenbanken unter politischem Druck stehen – erinnern Sie sich an die Solidaritätserklärung für Fed-Chef Powell vom Donnerstag –, suchen institutionelle Anleger nach Werten außerhalb des traditionellen Systems.
Was nächste Woche zählt
Die kommende Woche wird zeigen, ob die Notenbanken auf diese Verschiebungen reagieren können – oder ob sie ihnen nur hinterherlaufen. Am Dienstag tagt die Bank of Japan, die nach dem Erdbeben unter besonderer Beobachtung steht. Am Mittwoch folgt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag EZB und Bank of England. Dazu kommen der US-ISM-Index und Apples Quartalszahlen am Donnerstagabend.
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Die große Frage bleibt, ob die Rotation, die wir in dieser Woche beobachtet haben, ein vorübergehendes Ausweichmanöver ist – oder der Beginn einer dauerhaften Neuordnung der globalen Kapitalströme. Die Antwort darauf geben nicht die Notenbanker, sondern die Fondsdaten der kommenden Wochen.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst, Ihr Felix Baarz
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