BP Aktie: 2,9-Milliarden-Projekt Shah Deniz freigegeben
BP startet ab Juli eine neue Konzernstruktur und investiert Milliarden in Aserbaidschan. Analysten sehen trotz schwachem Aktienkurs Potenzial.

- Neue Zweiteilung in Upstream und Downstream
- Milliardeninvestition in Shah Deniz Gasfeld
- BP-Aktie notiert 15% unter Jahreshoch
- Analysten raten mehrheitlich zum Kauf
Der Kurs gibt nach, die Analysten bleiben optimistisch. Bei BP klaffen Kursentwicklung und Analystenmeinung derzeit weit auseinander — und das hat einen Grund.
Strukturreform ab Juli
BP befindet sich mitten in einem grundlegenden Umbau. Ab 1. Juli gliedert der Konzern sein Geschäft in zwei klare Einheiten: Upstream und Downstream. Neue Chefin Meg O’Neill hat die Führungsstruktur bereits umgebaut. Gordon Birrell übernimmt das Upstream-Geschäft, Richard Harding führt das Downstream-Segment zunächst kommissarisch.
Das ist kein kosmetischer Eingriff. UBS-Analyst Joshua Stone hatte BP zuvor attestiert, die höchste Kostenintensität unter den großen Ölkonzernen zu haben. Die Betriebskosten sind seit 2019 um rund zehn Milliarden Dollar gestiegen. Die neue Zweiteilung ist BPs direkteste Antwort auf diesen Druck.
UBS hält trotzdem an der Kaufempfehlung fest. Unter 19 befragten Analysten empfehlen neun den Kauf der Aktie, neun raten zum Halten, einer zum Verkauf. Der Konsens bleibt „Kaufen“.
Milliardenwette auf Aserbaidschan
Parallel zum internen Umbau vertieft BP seine Position in Aserbaidschan. Während der Baku Energy Week Anfang Juni unterzeichnete der Konzern eine Reihe neuer Vereinbarungen.
Der wichtigste Schritt: die finale Investitionsentscheidung für das Projekt „Shah Deniz Compression“. Das 2,9-Milliarden-Dollar-Projekt erschließt die Niederdruckgasreserven des Shah-Deniz-Feldes — die dritte Entwicklungsphase des weltklasse Gasfeldes. Hinzu kommen zusätzliche Bohrungen am Azeri-Chirag-Gunashli-Feld sowie zwei neue Explorations- und Entwicklungslizenzen. BPs Regionalpräsident sprach von einer potenziellen „milliardenschweren Investition“ in die Gasreserven unter dem ACG-Reservoir.
Ebenfalls zum 1. Juli übergibt BP die operative Kontrolle über die Baku-Tbilisi-Ceyhan-Pipeline an Aserbaidschans Staatskonzern SOCAR. Die Pipeline transportiert täglich mehr als eine Million Barrel Öl vom Kaspischen Meer ans Mittelmeer. BP betont: Es handelt sich um eine vertragliche Verpflichtung, keine Desinvestition.
Solide Basis, schwacher Kurs
Das erste Quartal 2026 lieferte BP eine stabile Grundlage. Der bereinigte Gewinn lag bei 3,2 Milliarden Dollar, der operative Cashflow bei 2,9 Milliarden Dollar. Die Anlagenauslastung im Upstream-Bereich verbesserte sich auf 95,7 Prozent. Ferner vereinbarte BP den Verkauf seiner Raffinerie in Gelsenkirchen. Der Abschluss würde das Kostensenkungsziel um eine Milliarde Dollar erhöhen — auf dann 6,5 bis 7,5 Milliarden Dollar bis 2027.
Der Kurs spiegelt das bislang nicht wider. Bei 5,92 Euro liegt die Aktie rund 15 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 7,01 Euro aus dem März. Der RSI von 36,7 signalisiert eine überverkaufte Lage. Auf Jahressicht hat die Aktie allerdings knapp 29 Prozent zugelegt — vom Tief bei 4,25 Euro im vergangenen Sommer ist BP weit entfernt.
Der Umbau zum 1. Juli markiert den nächsten konkreten Test: Ob die neue Struktur die Kosten tatsächlich senkt, werden die Halbjahreszahlen zeigen.
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