Branicks: 95 Millionen Euro Brückenfinanzierung
Branicks Group startet verbindliche Sanierung: Gläubiger stimmen zu, neuer Sanierungsvorstand berufen, Brückenfinanzierung gesichert.

- Lock-Up-Vereinbarungen sind wirksam
- Gläubiger stimmen Sanierungsplan zu
- Neuer Sanierungsvorstand berufen
- 95 Millionen Euro Brückenfinanzierung gesichert
Die Branicks Group AG hat den entscheidenden Schritt ihrer finanziellen Restrukturierung vollzogen. Am Freitag bestätigte das Unternehmen, dass sämtliche Bedingungen für die Wirksamkeit der Lock-Up-Vereinbarungen mit den wesentlichen Gläubigergruppen fristgerecht erfüllt wurden. Damit ist der im Sommer verhandelte Rettungsplan für den Immobilienkonzern nun bindend.
Gläubiger stimmten mehrheitlich zu
Wie das DEAL Magazine gestern berichtete, stimmten mehr als 50 Prozent der Gläubiger der 400-Millionen-Euro-Anleihe mit Fälligkeit am 22. September 2026 den Vereinbarungen zu. Bei den Inhabern von Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen lag die Zustimmung sogar bei 100 Prozent. Damit sind zentrale Hürden der am 30. Juli unterzeichneten Restrukturierungsvereinbarung genommen. Für die Anleihegläubiger folgt nun der nächste formale Schritt: Branicks lud sie am Freitag zu einer Abstimmung ohne Versammlung gemäß Paragraf 18 des Schuldverschreibungsgesetzes ein, um die vorgesehenen Anpassungen der Anleihebedingungen im August offiziell umzusetzen.
Neuer Chief Restructuring Officer im Vorstand
Parallel zur Lock-Up-Wirksamkeit ordnete Branicks die Führungsspitze neu. Der Aufsichtsrat bestellte Josef Schultheis am Freitag mit sofortiger Wirkung zum Chief Restructuring Officer und berief ihn in den Vorstand. Zeitgleich legte der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende sein Amt nieder. Auch an der Vorstandsspitze zeichnet sich ein Übergang ab: CEO Sonja Wärntges hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass ihr Mandat im Zuge der Neuaufstellung bis maximal Ende Dezember 2026 befristet ist.
Die frische Kapitaldecke steht ebenfalls. Am Donnerstag sicherte sich der Konzern neues Fremdkapital von insgesamt 95 Millionen Euro als Brückenfinanzierung – 35 Millionen Euro fließen der Branicks Group direkt zu, 60 Millionen Euro der Tochtergesellschaft VIB Vermögen AG.
Verbindlichkeiten werden in zwei Klassen aufgeteilt
Kern der Sanierung ist eine neue Kapitalstruktur. Die Restrukturierungsvereinbarung teilt die Verbindlichkeiten in „Senior Secured Instruments“ mit Laufzeit bis zum 30. September 2030 und einer Barverzinsung von 7,5 Prozent pro Jahr sowie „Subordinated Instruments“ mit Laufzeit bis zum 30. September 2038 und 15 Prozent Zinsen, die teilweise als Pay-in-Kind-Zinsen anfallen können. Diese Konstruktion verschafft Branicks Zeit, verschiebt die Zinslast bei den nachrangigen Instrumenten aber weit in die Zukunft und erhöht damit langfristig den Schuldendienst.
Bilanzvorlage bleibt weiter offen
Während die Restrukturierung Fortschritte macht, verzögert sich die reguläre Berichterstattung erneut. Bereits am 26. Juli teilte Branicks laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa-AFX mit, dass der geprüfte Jahres- und Konzernabschluss 2025 sowie die Q1-Mitteilung 2026 nicht wie ursprünglich für den 27. Juli angekündigt vorgelegt werden können. Grund ist, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO AG das Testat erst nach Abschluss der Refinanzierungsverhandlungen finalisieren kann. Bereits am 23. Juli hatte das Unternehmen zudem die Veröffentlichung des Halbjahresberichts 2026 auf den 31. Dezember 2026 verschoben. Nach aktuellem Finanzkalender sollen an diesem Termin gebündelt der Geschäftsbericht 2025 sowie die Berichte zu Q1, H1 und Q3 2026 vorgelegt werden.
Aktie reagiert verhalten
An der Börse hinterlässt der monatelange Sanierungsprozess deutliche Spuren. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,9160 Euro und büßte damit an diesem Tag 1,72 Prozent ein. Auf Wochensicht steht ein Minus von 8,03 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast die Hälfte seines Wertes verloren. Immerhin notiert der Kurs noch gut 21 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 0,7540 Euro, das erst am 16. Juni erreicht wurde – ein Hinweis darauf, dass Anleger die Fortschritte bei der Restrukturierung zumindest teilweise honorieren, auch wenn von einer nachhaltigen Erholung noch keine Rede sein kann. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung dürfte nun der Abstimmungsprozess der Anleihegläubiger im August sowie die für Ende des Jahres angekündigte Bilanzvorlage sein.
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