Brenntag- vs. IMCD-Aktie: Dividenden-Anker gegen Übernahme-Maschine
Comparing two chemical distributors: Brenntag offers a resilient dividend, while IMCD pursues aggressive growth via acquisitions. We analyze performance, valuation, and strategy.

- Brenntag focuses on cost optimization and dividends (3.8% yield), showing more resilience (-10% vs. -42% for IMCD).
- IMCD's growth is driven by acquisitions but its stock is heavily punished in the sector downturn.
- IMCD operates more profitably (4.5% net margin) while Brenntag generates stronger free cash flow.
- Brenntag trades at a higher P/E (~27) but offers income; IMCD appears cheaper (~21-23 P/E) but riskier.
Zwei europäische Schwergewichte der Chemiedistribution, ein Sektor unter Druck – doch völlig unterschiedliche Strategien. Während Brenntag auf Kostenoptimierung und üppige Ausschüttungen setzt, jagt IMCD weiter Übernahmen. Wer bietet Anlegern das bessere Paket?
Das Duell der Geschäftsmodelle
Brenntag und IMCD bedienen denselben Markt, spielen aber unterschiedliche Partien. Der deutsche Branchenprimus operiert mit zwei Divisionen: Brenntag Essentials für Prozesschemikalien und Brenntag Specialties für margenstarke Spezialanwendungen. Diese Struktur macht Brenntag zum globalen Platzhirsch mit rund 5 Prozent Marktanteil – ein Gigant in einem extrem fragmentierten Geschäft.
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IMCD verfolgt einen anderen Ansatz. Der niederländische Herausforderer konzentriert sich ausschließlich auf Spezialchemikalien und Inhaltsstoffe. Das Geschäftsmodell ist bewusst schlank gehalten, der Fokus liegt auf technischer Beratung und maßgeschneiderten Lösungen. Der eigentliche Wachstumsmotor? Eine aggressive Übernahmestrategie mit 12 Akquisitionen allein 2024 und weiteren sechs im ersten Halbjahr 2025.
Wer steckt die Branchenkrise besser weg?
Die Chemiebranche hat turbulente Monate hinter sich. Der STOXX Europe 600 Chemicals verlor im Jahresvergleich 3,5 Prozent. Beide Aktien liegen im Minus – aber mit dramatisch unterschiedlichem Ausmaß.
| Kennzahl | Brenntag | IMCD |
|---|---|---|
| Kursperformance 1 Jahr | -10 % | -42 % |
| Marktkapitalisierung | 7,8-9,1 Mrd. € | 4,8-5,1 Mrd. € |
| Aktueller Kurs | ~54-57 € | – |
Brenntag zeigt sich deutlich widerstandsfähiger. Der Kursrückgang von rund 10 Prozent liegt zwar über dem Sektorindex, aber IMCD hat mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt. Diese Kluft erzählt eine Geschichte: Der Markt bestraft IMCDs wachstumsorientiertes Modell in schwierigen Zeiten härter.
Die Bewertungsfrage: Wer ist günstiger?
| Bewertung | Brenntag | IMCD |
|---|---|---|
| KGV | ~27 | ~21-23 |
| Dividendenrendite | ~3,8 % | ~2,2-2,7 % |
| Kurs-Buchwert | – | ~2,3-2,5 |
Auf den ersten Blick erscheint IMCD mit dem niedrigeren KGV attraktiver bewertet. Doch dieser Vorteil relativiert sich schnell. Brenntag punktet mit einer Dividendenrendite von fast 4 Prozent – ein klares Argument für einkommensorientierte Anleger. IMCD bietet hier deutlich weniger.
Qualitätscheck: Wer wirtschaftet effizienter?
| Qualitätskennzahl | Brenntag | IMCD |
|---|---|---|
| Eigenkapitalrendite | ~9,7 % | ~10-14 % |
| Nettomarge | ~2,7 % | ~4,5 % |
| Free Cashflow (Q3 2025) | 316 Mio. € | – |
IMCD arbeitet profitabler. Die Nettomarge von 4,5 Prozent übertrifft Brenntags 2,7 Prozent deutlich. Auch bei der Eigenkapitalrendite hat der niederländische Spezialist die Nase vorn. Allerdings: Brenntags Free Cashflow stieg im dritten Quartal 2025 um satte 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Liquiditätsstärke verschafft dem Unternehmen Spielraum für Dividenden, Aktienrückkäufe und strategische Investitionen.
Wachstum: Wo liegt die Zukunft?
| Wachstum | Brenntag | IMCD |
|---|---|---|
| Umsatzwachstum (TTM) | -3 bis -8 % | +1 bis +6 % |
| EPS-Wachstum (5J-Schnitt) | +0,8 % | +8,1 % |
Hier zeigt sich der fundamentale Unterschied beider Strategien. IMCD wächst – trotz Branchenkrise – weiter. Der Umsatz legt zu, das durchschnittliche Gewinnwachstum der letzten fünf Jahre beträgt beachtliche 8 Prozent. Brenntag schrumpft dagegen beim Umsatz und zeigt nur minimales langfristiges Gewinnwachstum.
Doch Wachstum hat seinen Preis. IMCDs Verschuldungsgrad liegt bei knapp 88 Prozent – ein Ergebnis der Übernahmeserie. Steigende Zinsen belasten hier stärker.
Die Katalysatoren: Was treibt die Kurse?
Brenntag hat eine wichtige strategische Kehrtwende vollzogen. Die ursprünglich geplante Aufspaltung in zwei separate Unternehmen ist vom Tisch. Stattdessen konzentriert sich das Management auf Vereinfachung, Stellenabbau und Standortoptimierung. Die nächsten Quartalszahlen am 13. Mai 2026 werden zeigen, ob diese Strategie greift.
IMCD muss beweisen, dass die zahlreichen Übernahmen tatsächlich Synergien liefern. Die Volljahreszahlen 2025 verfehlten die Analystenerwartungen beim Gewinn je Aktie – ein Warnsignal. Das Management erwartet eine Normalisierung im wichtigen Pharmageschäft Anfang 2026. Die Integration der vielen Zukäufe bleibt die zentrale Herausforderung.
Risiko-Rendite-Profil im Vergleich
Brenntag bietet das defensivere Profil. Die Risiken liegen in der Umsetzung der neuen Strategie und der Konjunkturabhängigkeit des Essentials-Geschäfts. Dafür winken eine solide Dividende, starker Cashflow und die Marktführerschaft als Sicherheitsnetz.
IMCD lockt mit höherem Wachstumspotenzial, fordert aber auch mehr Risikobereitschaft. Integrationsrisiken bei Übernahmen, höhere Verschuldung und ambitionierte Bewertungserwartungen können bei Enttäuschungen zu schmerzhaften Korrekturen führen – wie der Kurssturz von 42 Prozent eindrucksvoll zeigt.
Das Fazit: Zwei Wege, ein Sektor
Die Entscheidung zwischen Brenntag und IMCD ist letztlich eine Frage des Anlegertyps.
Brenntag eignet sich für konservative Investoren, die auf Substanz, Dividenden und eine mögliche Turnaround-Story setzen. Die Bewertung ist zwar nicht günstig, aber der starke Cashflow und die Marktposition bieten Sicherheit.
IMCD spricht Wachstumsinvestoren an, die höhere Volatilität akzeptieren. Die Spezialisierung auf margenstarke Nischen und die erfolgreiche Übernahmehistorie sind attraktiv – wenn die Integration gelingt und das Zinsumfeld nicht weiter belastet.
Nach dem drastischen Kursrückgang könnte IMCD für risikobereite Anleger interessant werden. Wer jedoch ruhiger schlafen möchte, findet bei Brenntag das solidere Fundament. In einem Sektor unter Druck hat der Dividenden-Anker derzeit die besseren Karten als die Übernahme-Maschine.
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