Brent: Anleihemärkte geraten unter Druck

Der höhere Ölpreis treibt Kanadas Anleiherenditen und US-Zinserwartungen nach oben, während die Inflation durch Energiekosten belastet bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Brent nähert sich 108 Dollar
  • Kanadas Zehnjahresrendite steigt auf 3,904 Prozent
  • US-Zinserhöhung mit 70 Prozent eingepreist
  • S&P/TSX Composite verliert 0,85 Prozent

Der Ölpreis zieht weiter an – und diesmal spürt es nicht nur die Aktienbörse, sondern auch der Anleihemarkt. Brent Crude kletterte im Verlauf der Woche über die Marke von 100 Dollar je Barrel und näherte sich zuletzt der Schwelle von 108 Dollar. Der Grund bleibt derselbe: der ungelöste Konflikt zwischen den USA und Iran, der sich zusehends verschärft.

In den vergangenen Wochen hat die US-Marine iranische Öltanker angegriffen, während Iran Raketen auf eine jordanische Luftwaffenbasis abfeuerte. Die von Teheran unterstützten Houthi-Rebellen im Jemen griffen zudem saudische Infrastruktur an. Diese Eskalationskette lässt Marktteilnehmer nervös auf die Energieversorgung blicken – und genau das treibt den Ölpreis.

Kanadas Anleihemarkt spürt den Ölschock direkt

Besonders deutlich zeigt sich der Effekt in Kanada. Die Rendite zehnjähriger kanadischer Staatsanleihen sprang am Donnerstag auf 3,904 Prozent, ein Anstieg von rund 5,6 Basispunkten binnen eines Tages. Damit liegt die Rendite inzwischen deutlich über der Median-Prognose von 3,50 Prozent zum Jahresende, die im jüngsten Marktteilnehmer-Survey der Bank of Canada kursierte.

Die kanadische Notenbank hatte ihren Leitzins am 2. September bei 2,25 Prozent belassen und dabei bereits gewarnt: anhaltend hohe Ölpreise könnten die Inflation weiter anheizen. Die heimische Teuerung liegt derzeit bei rund 3 Prozent, angetrieben vor allem durch steigende Benzinpreise. Steigt Öl weiter, dürfte sich dieser Effekt verstärken – mit Folgen für die Zinspolitik der gesamten G7-Region.

Inflationsdruck erreicht auch die Fed

Der Ölpreisanstieg wirkt längst nicht nur auf Kanada. In den USA fiel der Erzeugerpreisindex im August mit einem Plus von 0,4 Prozent so stark aus wie seit Mai nicht mehr – ein Signal, das zusammen mit dem steigenden Ölpreis die Erwartungen an eine restriktivere Fed-Politik befeuert. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung bei der Sitzung vom 14. bis 15. September wird an den Märkten inzwischen bei rund 70 Prozent gesehen.

Steigende Energiekosten gelten dabei als zentraler Übertragungskanal: Sie verteuern nicht nur Transport und Produktion, sondern nähren auch die Erwartung, dass die Gesamtinflation länger erhöht bleibt als noch vor wenigen Wochen angenommen.

Kanadische wie amerikanische Anleihemärkte preisen dieses Risiko bereits ein – höhere Renditen belasten gleichzeitig die Aktienmärkte, wie der Rückgang des S&P/TSX Composite um 0,85 Prozent am Donnerstag zeigte.

Der Konflikt im Nahen Osten bleibt damit der entscheidende Preistreiber. Solange sich USA und Iran nicht auf eine Deeskalation zubewegen, dürfte Brent Crude in der Nähe der 100-Dollar-Marke oder darüber verharren – mit spürbaren Folgen für Zinserwartungen weit über den Energiesektor hinaus.

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