Brent bei 112 Dollar – und das billige Geld rückt in weite Ferne
Die Blockade der Straße von Hormus treibt Energiepreise und Inflation, zwingt Notenbanken zu einer härteren Gangart und löst einen breiten Aktienverkauf aus.

- Brent-Ölpreis steigt auf über 112 US-Dollar
- Zinssenkungserwartungen für 2026 sind ausradiert
- Wall Street erleidet breiten Ausverkauf
- Deutsche Wirtschaftswachstumsprognose sinkt drastisch
Liebe Leserinnen und Leser,
am Freitag schrieb ich Ihnen, die Swaps-Märkte preisten bereits eine Zinserhöhung der EZB ein. Damals klang das noch wie ein Extremszenario. Keine 24 Stunden später liefert der Ölmarkt die Begründung gleich mit: Ein Barrel Brent kostet mittlerweile über 112 US-Dollar – ein Anstieg von 46 Prozent seit Ausbruch des Krieges am Persischen Golf. Was als geopolitische Krise begann, frisst sich nun mit voller Wucht durch die europäische Realwirtschaft.
An der Zapfsäule, bei den Gasrechnungen, in den Inflationsprognosen. Lassen Sie uns die Lage sortieren.
Die Blockade verschärft sich
Die militärische Eskalation hat eine neue Intensität erreicht. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 8.000 iranische Ziele angegriffen, darunter 130 Schiffe. Israel kündigte am Samstag eine weitere Verstärkung der Angriffe auf die iranische Führung und Infrastruktur an. Die Straße von Hormus – das Nadelöhr, durch das normalerweise 20 Prozent des weltweiten seegestützten Ölhandels fließen – bleibt in der dritten Woche blockiert.
Die Zahlen der Schifffahrtsberatung Clarksons verdeutlichen das Ausmaß: Rund 250 Öltanker stecken im Golf fest. Das entspricht etwa fünf Prozent der weltweiten Rohöltanker-Kapazität. Fünf Prozent – einfach stillgelegt.
Für deutsche Verbraucher wird diese Blockade an der Zapfsäule schmerzhaft greifbar. Binnen zwei Tagen sprang der Dieselpreis um 12 Cent auf einen bundesweiten Tagesdurchschnitt von 2,291 Euro. Super E10 durchbrach mit 2,086 Euro erstmals seit Mai 2022 wieder deutlich die Zwei-Euro-Marke. Auch die Gaspreise für Neukunden zogen bereits um 21 Prozent an. Das Ifo-Institut warnt, dass diese Energiepreisschocks das deutsche Wachstum für 2026 auf magere 0,6 Prozent drücken und die Inflation wieder auf bis zu 3 Prozent treiben könnten.
Zinssenkungen? Vergessen Sie es
Am Freitag beschrieb ich die Kapitulation der Notenbanken vor dem Ölpreis. Über das Wochenende hat sich das Bild weiter verdüstert. Die Hoffnungen auf Zinssenkungen im Jahr 2026 sind praktisch ausradiert. Die Terminmärkte preisen mittlerweile eine 40- bis 50-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed die Zinsen bis Jahresende sogar anheben wird. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries kletterte auf 4,38 Prozent – ein Sprung von über 40 Basispunkten seit Kriegsbeginn.
In Frankfurt verschärft sich der Ton ebenfalls. Die EZB hat ihre Inflationsprognose für 2026 bereits auf 2,6 Prozent nach oben korrigiert und die Wachstumserwartungen auf 0,9 Prozent gesenkt. Bundesbank-Chef Joachim Nagel ging noch einen Schritt weiter und brachte die Option einer Zinserhöhung ins Spiel: Sollten sich die Inflationsperspektiven durch den Iran-Krieg weiter verschlechtern, könnte die EZB bereits im April zu einer Straffung gezwungen sein.
Das billige Geld, auf das so viele Marktteilnehmer gesetzt hatten, verschwindet nicht nur hinter dem Horizont. Es bewegt sich aktiv in die Gegenrichtung.
Wall Street im Ausverkauf – und ein Gold-Paradoxon
Die Wall Street quittierte diese toxische Mischung am Freitag mit einem breiten Ausverkauf. Der S&P 500 verlor 1,51 Prozent und schloss bei 6.506 Punkten – der tiefste Stand seit sechs Monaten, die vierte Verlustwoche in Folge. Die Nasdaq brach um über 2 Prozent ein. Allein die „Magnificent 7″, darunter Nvidia mit minus 3,12 Prozent und Tesla mit minus 3,08 Prozent, vernichteten an einem Tag mehr als 400 Milliarden Dollar an Marktwert.
Einen regelrechten Einbruch erlebte Super Micro Computer: Nach den Schmuggelvorwürfen, über die ich am Freitag berichtete, stürzte die Aktie um 33 Prozent ab. Der technologische Kalte Krieg zwischen Washington und Peking kennt keine Gnade – weder für Unternehmen noch für deren Aktionäre.
Das vielleicht größte Paradoxon dieser Krise liefert allerdings der Goldmarkt. Eigentlich gilt das Edelmetall als ultimativer sicherer Hafen in Kriegszeiten. Stattdessen erlitt Gold in dieser Woche den stärksten Wochenverlust seit 1983. Die rasante Flucht in den US-Dollar und die massiv gestiegenen Anleiherenditen setzen dem zinslosen Edelmetall in diesem speziellen Umfeld schwer zu. Wer auf Gold als Krisenwährung gesetzt hatte, wurde ausgerechnet von der Krise selbst bestraft.
In diesem Marktumfeld, in dem klassische Schutzstrategien versagen und selbst Gold die Anleger im Stich lässt, stellt sich für viele die Frage, wie man überhaupt noch sinnvoll agieren soll. Jörg Mahnert zeigt in seinem kostenlosen Webinar „Der Absahnplan“ eine konkrete Trading-Strategie, die unabhängig von der Marktrichtung funktionieren soll – ob Ausverkauf oder Erholung. Er erklärt Schritt für Schritt, wie er mit ein bis zwei Trades pro Woche aus einem überschaubaren Startkapital schrittweise größere Gewinne anstrebt. Zur kostenlosen Webinar-Aufzeichnung von Jörg Mahnert
FedEx trotzt dem Sturm – BASF steuert ins Ungewisse
Am Freitag schrieb ich, Preissetzungsmacht sei die entscheidende Kennzahl in diesem Umfeld. FedEx lieferte nach US-Börsenschluss den Beweis. Der Logistikriese meldete einen bereinigten Gewinn von 5,25 Dollar pro Aktie für das dritte Quartal – deutlich über den erwarteten 4,15 Dollar. Die Aktie sprang nachbörslich um fast 9 Prozent. Das Unternehmen profitiert von Kostensenkungen durch seine „Netzwerk-2.0-Strategie“, warnte aber zugleich vor den rasant steigenden Treibstoffkosten. Preissetzungsmacht in Aktion – aber mit Ablaufdatum, wenn der Ölpreis weiter steigt.
Einen ganz anderen Ton schlug BASF-Chef Markus Kamieth an. Mit Blick auf das neue Milliarden-Werk in China dämpfte er die Erwartungen drastisch: Man starte in einem überversorgten Markt mit historisch niedrigen Preisen und Margen. Die Profitabilität werde in den ersten Jahren „deutlich unter dem sein, was wir uns ursprünglich vorgestellt hatten.“ Dennoch verteidigte er die Investition – ein Rückzug aus China hieße, sich aus der Hälfte des Weltmarkts zurückzuziehen. Für Europas Chemieindustrie ist das ein Eingeständnis, das aufhorchen lässt: Selbst strategisch richtige Entscheidungen garantieren keine kurzfristigen Renditen.
Die Quintessenz
Die vergangene Woche hat einen Paradigmenwechsel zementiert. Wer noch vor drei Wochen auf Zinssenkungen, billige Energie und eine sanfte Landung der Weltwirtschaft setzte, muss seine Annahmen grundlegend revidieren. Die Straße von Hormus diktiert derzeit die globale Geldpolitik – und solange diese Wasserstraße blockiert bleibt, sind den Zentralbanken die Hände gebunden.
Die Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern wird größer. FedEx zeigt, wie Unternehmen mit operativer Exzellenz und Preissetzungsmacht durch den Sturm navigieren. Super Micro demonstriert, welches Risiko im geopolitischen Minenfeld lauert. Die entscheidende Variable für die kommende Woche bleibt dieselbe wie seit drei Wochen: Hormus.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und einen klaren Kopf für die kommende Handelswoche.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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