Brent bei 116 Dollar, Powells letzter Akt und die Frage, wer vom KI-Boom wirklich profitiert

Brent-Öl steigt auf 116 Dollar, DAX fällt unter 24.000 Punkte. Anleger setzen zunehmend auf Infrastruktur und Rohstoffe statt KI-Plattformen.

Die Kernpunkte:
  • Brent-Öl steigt um 4,7 Prozent
  • DAX verliert die 24.000er-Marke
  • Mercedes wächst in Europa und USA
  • KI-Infrastruktur-Fonds übertrifft S&P 500

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schloss ich mit der Frage, ob die Quartalsberichte dieser Woche die Antwort liefern würden – darauf, wie lange Aktienkurse steigen können, wenn physische Vorprodukte knapper werden. Der Mittwoch hat eine erste Antwort gegeben, und sie fällt differenzierter aus als erwartet. Die Knappheit ist da: Brent-Öl sprang am Mittwoch um 4,74 Prozent auf 116,53 US-Dollar pro Barrel, die deutsche Inflation zog im April auf 2,9 Prozent an. Aber das Kapital verschwindet nicht – es wandert. Weg von den KI-Plattformen, hin zu den Unternehmen, die physische Infrastruktur bauen, Rohstoffe verarbeiten und Energie liefern. Die Rotation, die sich seit Wochen andeutet, hat am Mittwoch an Kontur gewonnen.

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Der DAX verliert die 24.000 – und den Ölpreis als Verbündeten

Am Dienstag hatte die 24.000er-Marke noch gehalten. Am Mittwoch nicht mehr. Der DAX schloss im XETRA-Handel bei 23.954,56 Punkten, ein Minus von 0,27 Prozent. Die Gesamtkapitalisierung der vierzig DAX-Werte liegt damit bei 2,024 Billionen Euro.

Was den Index nach unten drückte, kam aus dem Persischen Golf: US-Präsident Donald Trump kündigte an, eine verlängerte Blockade des Iran und der Straße von Hormus vorzubereiten. Brent reagierte mit dem stärksten Tagesanstieg seit Wochen. Für die deutsche Wirtschaft ist das keine abstrakte Größe – die Inflationsrate kletterte von 2,7 Prozent im März auf 2,9 Prozent im April. Energie wird teurer, und die Europäische Zentralbank, die am Donnerstag über den Leitzins entscheidet, hat ein Argument weniger für eine Lockerung.

Innerhalb des DAX zeigt sich derweil ein gespaltenes Bild: adidas legte 8,35 Prozent zu, Scout24 gewann 6,67 Prozent, Infineon 5,49 Prozent. Auf der Gegenseite verloren Siemens Healthineers 3,72 Prozent und Hannover Rück 3,54 Prozent. Die Gewinner kommen aus Konsum und Halbleitern, die Verlierer aus den Sektoren, die von steigenden Rückversicherungskosten und vorsichtigeren Gesundheitsbudgets betroffen sind.

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Mercedes-Benz: Europa und die USA kompensieren China

Mercedes-Benz legte am Mittwoch Quartalszahlen vor, die besser ausfielen als befürchtet – wenn auch nicht gut genug, um Euphorie auszulösen. Der Konzernumsatz sank um knapp 5 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro. Das EBIT ging um rund 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück.

Die eigentliche Nachricht steckt in der Geografie: Während China weiter schwächelt, wuchs der Absatz in Europa um 7 Prozent und in den USA um 20 Prozent. Besonders auffällig: Die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge stiegen in Europa um 34 Prozent, in Deutschland um 36 Prozent. Mercedes zeigt damit ein Muster, das sich durch die gesamte europäische Industrie zieht – wer vom chinesischen Markt abhängig ist, muss anderswo wachsen. Und wer Elektromobilität in Europa ernst nimmt, findet dort inzwischen Käufer.

Bunge und die stille Stärke der Agrar-Rohstoffe

Abseits der Schlagzeilen lieferte der Agrar-Konzern Bunge am Mittwoch Quartalszahlen, die eine wenig beachtete Entwicklung bestätigen: Soft Commodities laufen. CFO John Neppl räumte ein, dass höhere Seefrachtkosten den Getreidehandel belasteten. Dennoch übertraf Bunge die Gewinnerwartungen deutlich. CEO Greg Heckman verwies auf eine „positive“ globale Nachfrage nach Sojaschrot. Die Verarbeitungsmargen bei Ölsaaten waren stark genug, um die bereinigte Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 anzuheben.

Die US-Sojaverarbeitung lag im März bei 226 Millionen Scheffel. In einer Welt, in der Energiepreise steigen und Lieferketten fragil bleiben, gewinnt die Fähigkeit, Agrarrohstoffe effizient zu verarbeiten und zu transportieren, an Wert. Bunge profitiert davon – und steht stellvertretend für einen Sektor, den viele Portfolios untergewichten.

KI-Infrastruktur: Die Schaufeln überstrahlen die Goldgräber

Gestern stellte ich die Frage, ob am Ende vor allem die Hardware-Zulieferer vom KI-Boom profitieren. Die Antwort wird klarer. Der Nasdaq 100 gab am Mittwoch um 1 Prozent auf 27.029 Punkte nach – die Berichte über verfehlte Nutzerziele bei OpenAI wirken weiter. Doch parallel dazu überschritt der AI Infrastructure ETF (TCAI) von Tortoise Capital Advisors die Marke von 100 Millionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Seit seiner Auflegung im August 2025 erzielte der Fonds eine kumulative Rendite von 76 Prozent. Der S&P 500 kam im selben Zeitraum auf 15 Prozent.

Ein Beispiel macht die Dimension greifbar: Tower Semiconductor, ein israelischer Chipfertiger, hat eine Technologie für Hochgeschwindigkeits-Optik-Switching entwickelt, die das Problem der ineffizienten Stromversorgung in KI-Rechenzentren adressiert. Der Umsatz in diesem Segment sprang von 28 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf 238 Millionen im Jahr 2025. Die Marktkapitalisierung hat sich seit August 2025 mehr als vervierfacht und liegt bei 22 Milliarden US-Dollar. Wer die Engpässe der KI-Infrastruktur löst – Strom, Kühlung, Optik –, wird belohnt. Wer KI-Dienste verkauft, muss erst beweisen, dass die Nachfrage die Investitionen rechtfertigt.

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Powells Abschied und der Donnerstag der Notenbanken

An diesem Mittwochabend verkündet die US-Notenbank ihren Zinsentscheid. Eine Änderung erwartet niemand – der Leitzins dürfte zum dritten Mal in Folge in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent verharren. Wichtiger ist der Kontext: Es dürfte Jerome Powells letzte FOMC-Sitzung als Vorsitzender sein. Das US-Justizministerium hat die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn wegen Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Fed-Hauptquartiers eingestellt. Sein designierter Nachfolger Kevin Warsh durchläuft die Bestätigung im Senatsbankenausschuss.

Am Donnerstag folgen die Zinsentscheide der EZB und der Bank of England. Nach US-Börsenschluss öffnen dann Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft ihre Bücher. Die Kombination aus drei Notenbank-Entscheiden und vier Tech-Bilanzen innerhalb von 24 Stunden wird die Richtung für den Mai vorgeben.

Die Rotation, die sich am Mittwoch zeigte – raus aus KI-Plattformen, rein in Infrastruktur, Rohstoffe und Industriewerte mit regionaler Diversifikation –, muss sich an diesen Zahlen messen lassen. Wenn Microsoft und Amazon am Donnerstagabend starke Cloud-Margen vorlegen, könnte der Nasdaq seinen Rückstand aufholen. Wenn nicht, wird aus der Rotation ein Trend.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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