Broadcom Aktie: EU weitet VMware-Prüfung aus

Die EU vertieft ihre Prüfung von Broadcoms VMware-Lizenzmodellen, während Analysten mehrheitlich an langfristigem Wachstum im KI-Geschäft festhalten.

Die Kernpunkte:
  • EU untersucht VMware-Vertragsbedingungen intensiver
  • Broadcom-Aktie 29 Prozent unter Jahreshoch
  • Cantor Fitzgerald hebt Kursziel auf 600 Dollar
  • Truist reduziert Zielmarke auf 520 Dollar

Die EU-Kartellwächter nehmen Broadcom erneut ins Visier. Wie Bloomberg berichtet, weiten die europäischen Aufsichtsbehörden ihre Prüfung der VMware-Softwarebeschränkungen aus, die Broadcom seit der 61 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Virtualisierungsspezialisten praktiziert. Im Zentrum steht der Verdacht, dass Kunden durch die neuen Lizenzmodelle geschädigt werden könnten.

Kartellrechtliche Prüfung nimmt Fahrt auf

Die vertiefte Untersuchung markiert eine Eskalation gegenüber früheren Vorstößen der Behörde. Anlass sind Beschwerden von Unternehmenskunden, die sich seit der Übernahme mit veränderten Vertragsbedingungen und eingeschränkten Software-Bundles konfrontiert sehen.

Für Broadcom steht damit ein zentraler Baustein der Infrastruktursoftware-Sparte unter verschärfter Beobachtung – jenes Geschäftsfeld, das der Konzern seit dem VMware-Zukauf strategisch als zweites Standbein neben dem Halbleitergeschäft aufgebaut hat.

Parallel zur regulatorischen Entwicklung meldeten sich Führungskräfte des Unternehmens mit Pflichtmitteilungen zu Wort. Amie Thuener O’Toole, Chief Financial Officer, ließ 1.554 Stammaktien zur Begleichung von Ausübungspreisen beziehungsweise Steuerverbindlichkeiten zu 339,27 Dollar je Aktie einbehalten oder liefern.

Mark David Brazeal, Chief Legal & Corporate Affairs Officer, war mit 8.059 Aktien zu denselben Konditionen betroffen. Solche Transaktionen sind bei der Ausübung von Aktienoptionen üblich und erlauben für sich genommen keine Rückschlüsse auf die Einschätzung der Führungsebene zur Geschäftsentwicklung.

Kursbild bleibt unter Druck

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus regulatorischem Gegenwind und der bereits verarbeiteten Anhebung der KI-Umsatzprognose vor rund zwei Wochen in einer verhaltenen Kursentwicklung wider. Die Aktie notiert bei 304,40 Euro und liegt damit rund 29 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro.

Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 1,9 Prozent zu Buche, der Titel handelt zudem unterhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 328,52 Euro. Der RSI von 41,8 signalisiert keine überkaufte, aber auch keine ausgeprägt überverkaufte Lage.

Die anhaltende regulatorische Unsicherheit rund um VMware dürfte einer der Gründe sein, warum sich Anleger trotz starker operativer Nachrichten in den vergangenen Wochen zurückhalten. Ein Verfahren mit Auflagen oder Sanktionen könnte die Profitabilität des Softwaregeschäfts empfindlich treffen, sollte Brüssel strukturelle Eingriffe verlangen.

Analysten bleiben trotz Skepsis konstruktiv

Trotz der Belastungsfaktoren zeigten sich mehrere Analysehäuser Anfang September zuversichtlich. Cantor Fitzgerald-Analyst C.J. Muse hob sein Kursziel auf 600 Dollar von zuvor 525 Dollar an und bestätigte sein Overweight-Rating.

Bernstein zog nach und erhöhte die Zielmarke auf 575 Dollar von 550 Dollar bei einem Outperform-Votum. Eine abweichende Note schlug Truist Securities an: Das Haus senkte sein Zwölf-Monats-Kursziel auf 520 Dollar von 550 Dollar, verwies dabei auf den Ausblick für das vierte Fiskalquartal und beließ das Buy-Rating unverändert.

Die Spanne der Kursziele zeigt: Trotz der EU-Prüfung sehen die meisten Analysten das langfristige Wachstumspotenzial im KI-Chipgeschäft als intakt an. Für Anleger bleibt der Ausgang des Brüsseler Verfahrens jedoch ein Unsicherheitsfaktor, der die Aktie kurzfristig belasten könnte, während die fundamentale Geschäftsentwicklung laut den Analystenstimmen weiterhin als solide eingeschätzt wird.

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