Broadcom Aktie: Macquarie stuft auf Neutral herab

Macquarie stuft Broadcom herab wegen Google-Chipverlagerung. Analysten uneins über KI-Wachstum und Kundenabhängigkeit.

Die Kernpunkte:
  • Macquarie senkt Broadcom auf Neutral
  • Google baut zunehmend eigene Chips
  • KI-Umsatzprognose bleibt unverändert
  • Mehrheit der Analysten bleibt bullish

Ein disruptiver Downgrade von Macquarie durchbricht den positiven Grundtenor, den die meisten Analysten nach Broadcoms jüngstem Quartalsbericht anschlagen. Die Aktie notiert bei 361,20 Euro, rund sechs Prozent unter dem Niveau der Vorwoche. Der Kernkonflikt: Wie verwundbar ist Broadcoms KI-Geschäft, wenn der größte Kunde eigene Chips baut?

Rekordquartal mit Schatten

Broadcoms Q2-Zahlen waren glänzend. Der Umsatz stieg um 48 Prozent auf 22,19 Milliarden Dollar, der Nettogewinn nach GAAP erreichte 9,31 Milliarden Dollar. Die KI-Sparte wuchs mit 10,8 Milliarden Dollar um 143 Prozent und übertraf die eigene Prognose. Für Q3 stellt das Management ein weiteres Plus auf 16 Milliarden Dollar in Aussicht – mehr als 200 Prozent zum Vorjahr.

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Doch die Börse reagierte kühl. Der Grund: Die Q3-Prognose lag rund 1,2 Milliarden Dollar unter den Modellen vieler Analysten. CEO Hock Tan hob zudem die Jahresprognose für KI-Umsätze nicht an, sondern wiederholte lediglich die Marke von über 100 Milliarden Dollar für 2027.

Macquarie zieht die Notbremse

Am 4. Juni stufte Macquarie die Aktie von „Outperform“ auf „Neutral“ herab. Das Kursziel fiel von 513 auf 437 Dollar. Die Begründung: Google verlagert die Chip-Produktion zunehmend ins eigene Haus – und gefährdet damit Broadcoms Rolle als Exklusivlieferant für anwendungsspezifische Chips. Macquarie erwartet einen deutlichen Marktanteilsverlust bis 2027, der durch zunehmenden Wettbewerb und Margendruck verstärkt wird.

Ein klares Signal: Während die meisten Häuser die Kursverluste zum Einstieg nutzen, sieht Macquarie nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial.

Bullen kontern

Die Mehrheit der Wall Street hält dagegen. Mizuho erhöhte das Kursziel auf 530 Dollar, Jefferies auf 550 Dollar, KeyBanc sogar auf 575 Dollar. Der Tenor: Was wie ein Nachfrageknick aussieht, sei allenfalls eine Lücke im Katalysator – kein Kollaps. Von 47 von S&P Global befragten Analysten vergibt die Mehrheit ein „Strong Buy“, der durchschnittliche Zielkurs liegt bei 511 Dollar.

Die Auftragsbücher stützen diese Sicht. Broadcom bestätigte die KI-Umsatzprognose für das laufende Jahr bei 56 Milliarden Dollar. Mehrjährige Lieferverträge mit Google, Anthropic, OpenAI und Meta untermauern die Planung.

Ausblick mit Fragezeichen

Für Q3 erwartet Broadcom einen Gesamtumsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 84 Prozent. Die operative Marge soll bei 67 Prozent liegen. Die Dividende bleibt stabil bei 0,65 Dollar je Aktie.

Die entscheidende Frage für das zweite Halbjahr: Kann Broadcom sein Kundenportfolio schnell genug verbreitern, um Google-Verluste zu kompensieren? Bisher setzen die meisten Analysten auf genau diese Diversifizierung. Macquarie hat das Vertrauen verloren – und damit eine Debatte eröffnet, die den Titel in den kommenden Wochen begleiten dürfte.

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