Broadcom und Rocket Lab im Höhenflug, Kontron gerät ins Straucheln

Broadcom und Rocket Lab legen trotz Rückschlägen zu, während Kontron nach gescheiterter Übernahme einbricht. TKMS vor Quartalszahlen gespalten.

Die Kernpunkte:
  • Broadcom trotzt juristischer Niederlage
  • Rocket Lab mit Auftragsflut und Iridium-Deal
  • Kontron nach Übernahme-Aus unter Druck
  • TKMS vor Quartalszahlen mit gemischten Analysten

Fünf Technologiewerte, fünf völlig unterschiedliche Geschichten – und trotzdem ein gemeinsamer Nenner. Unternehmensspezifische Nachrichten schlagen in dieser Woche jedes Makro-Thema. Während Broadcom trotz einer juristischen Schlappe vor Gericht kräftig zulegt, kämpft Kontron mit den Nachwehen einer gescheiterten Übernahme.

TKMS steuert auf seinen Quartalsbericht zu, gespalten zwischen optimistischen und vorsichtigen Analystenlagern. Quantum eMotion profitiert von einer Serie kleinerer Meilensteine im Bereich Quantenkryptografie. Rocket Lab USA wiederum sammelt Aufträge am Fließband, während im Hintergrund die milliardenschwere Iridium-Übernahme reift.

TKMS: Analysten uneins vor dem Quartalsbericht

Die Kieler Werftgruppe legt am 12. August ihre Zahlen zum dritten Quartal vor. Die Aktie schloss gestern bei 89,10 Euro, ein Plus von 4,95 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 11,37 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es sogar 34,59 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 106,58 Euro aus dem Oktober trennen den Titel derzeit noch gut 16 Prozent. Der Kurs notiert damit deutlich über dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 79,78 Euro, ein Abstand von fast zwölf Prozent, der auf eine intakte Aufwärtsdynamik hindeutet. Der RSI von 63,1 signalisiert keine Überhitzung, lässt aber auch keinen Raum für Enttäuschungen.

Bei den Analysten geht die Einschätzung deutlich auseinander. Bernstein Research bleibt bei „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 76 Euro und rechnet mit einer operativen Marge von rund 7 Prozent gegenüber der eigenen Unternehmensprognose von knapp über 6 Prozent. Deutsche Bank hält dagegen an ihrer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 110 Euro fest.

Noch optimistischer positioniert sich mwb research: Die Analysten bestätigten ihr Buy-Rating mit einem Kursziel von 135 Euro und werten den jüngsten Kursrückgang als unbegründet. Beim Umsatz erwarten sie einen Anstieg von zuletzt 2,17 Milliarden Euro auf 3,04 Milliarden Euro bis 2028, mit einer Wachstumsbeschleunigung von 4,3 Prozent in diesem Jahr auf 19,5 Prozent in drei Jahren. Der operative Gewinn soll sich dabei nahezu verdoppeln.

Kontron: Leben nach dem gescheiterten Ennoconn-Angebot

Ganz anders die Lage bei Kontron. Die Aktie fiel gestern um 3,10 Prozent auf 20,62 Euro und liegt damit rund 27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 28,24 Euro aus dem September. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 14,44 Prozent, ein Kursrutsch, der auch eine Abstufung durch die Investmentbank Oddo BHF widerspiegelt.

Im Zentrum steht weiterhin das Nachspiel der Übernahmeschlacht mit Ennoconn. Nach Ablauf der Annahmefrist für das verpflichtende Übernahmeangebot wurden lediglich rund 12,3 Millionen Aktien angedient, etwa 19,5 Prozent des Kapitals. Ennoconn wird damit nach Abschluss der Transaktion keine Stimmenmehrheit halten.

Das Offerten-Volumen ist noch nicht endgültig, da Aktionäre ihre Zustimmung bis zum Vorliegen aller behördlichen Genehmigungen widerrufen können. Der Vollzug hängt zudem von der deutschen Investitionskontrolle ab. Das Bundeswirtschaftsministerium prüft, ob die Übernahme sicherheits- oder ordnungspolitische Interessen berührt, ein Verfahren, dessen Dauer sich laut Unternehmensangaben derzeit nicht verlässlich abschätzen lässt.

Kontrons Management hatte den Deal von Beginn an abgelehnt. Das Angebot von 23,50 Euro je Aktie bezeichnete die Führung als „finanziell unangemessen und deutlich unter den zuletzt veröffentlichten Analysten-Kurszielen“. Der RSI von 26,3 zeigt inzwischen eine überverkaufte Situation an, ein Hinweis darauf, wie stark die Unsicherheit rund um das Übernahmeverfahren bereits eingepreist ist.

Quantum eMotion: Cybersecurity-Nachrichten treiben den Kurs

Bei Quantum eMotion sorgt eine Serie kleinerer Meilensteine im Bereich quantensichere Kryptografie für Bewegung. Mitte Juli sicherte sich das Unternehmen eine NIST-IUT-Listung für sein SecureKey Cryptographic Module, ein Schritt in Richtung FIPS-Validierung. Zuvor hatte bereits eine strategische Allianz mit Jmem Technology zur Entwicklung eines quantenresistenten System-on-Chip für Aufmerksamkeit gesorgt.

Die Aktie legte gestern um 3,85 Prozent auf 1,92 Euro zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 13,43 Prozent, auf Jahressicht dagegen ein Minus von 37,56 Prozent – ein Beleg dafür, wie volatil der Titel auf einzelne Nachrichten reagiert. Über zwölf Monate hinweg hat sich der Kurs dennoch mehr als verzweieinhalbfacht.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,98 Euro aus dem Februar trennen den Titel derzeit gut 52 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief bei 0,61 Euro mehr als 200 Prozent beträgt. Die Analystenabdeckung bleibt dünn, aber konstruktiv: Alliance Global initiierte die Aktie im April mit einer Kaufempfehlung und bestätigte diese Ende Juli erneut, mit einem Kursziel von 5,00 US-Dollar.

Broadcom: Gerichtsschlappe trifft auf KI-Rally

Broadcom musste diese Woche eine juristische Niederlage hinnehmen. Ein Luxemburger Gericht wies den Antrag des Chipkonzerns ab, eine Herausgabepflicht für in den USA rechtlich geschützte Dokumente im Rahmen des VMware-Kartellverfahrens auszusetzen. Der Gerichtspräsident begründete die Entscheidung damit, dass EU-Ermittler Zugang zu im Ausland gehaltenen Beweismitteln haben müssten, eine Aufweichung hätte sonst „systemische Konsequenzen für die Durchsetzung des EU-Wettbewerbsrechts“.

Trotzdem zeigt sich die Aktie robust. Gestern sprang der Kurs um 6,41 Prozent auf 362,65 Euro, nachdem ein überzeugender Quartalsbericht von Palantir das gesamte KI-Segment beflügelt hatte. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 21,84 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar von 43,28 Prozent.

Zusätzlichen Rückenwind lieferte eine Partnerschaft mit Samsung Electronics. Der südkoreanische Konzern sicherte sich einen Auftrag im Volumen von mehr als 200 Milliarden Dollar zur Fertigung fortschrittlicher KI-Chips bis 2030, mit Fertigungstechnologien im 2-Nanometer-Bereich und darunter. Die Wall Street bleibt entsprechend zuversichtlich: 23 Kaufempfehlungen stehen lediglich drei Halten-Einstufungen gegenüber, das durchschnittliche Kursziel von 26 Analysten liegt bei 516,32 Dollar. Erste Group stufte den Titel zwar von Kaufen auf Halten zurück, blieb damit aber die Ausnahme im überwiegend bullishen Analystenfeld.

Rocket Lab USA: Auftragsflut vor den Iridium-Zahlen

Bei Rocket Lab bleibt die Iridium-Übernahme das dominierende Thema. Das Raumfahrtunternehmen hat sich verpflichtet, sämtliche ausstehenden Aktien des Satellitenbetreibers für 54 Dollar je Anteil in einer Cash-und-Aktien-Transaktion zu übernehmen. Der Deal bewertet Iridium mit einem Unternehmenswert von rund 8,0 Milliarden Dollar und soll Mitte 2027 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der Zustimmung der Iridium-Aktionäre und behördlicher Freigaben.

Kurzfristig treiben jedoch frische Auftragseingänge den Kurs. Die Aktie legte gestern um 5,75 Prozent auf 74,48 Dollar zu, auf Wochensicht summiert sich der Sprung sogar auf 27,10 Prozent. Ein neuer Mehrfach-Startvertrag mit dem japanischen Satellitenbetreiber iQPS – bereits die dritte derartige Buchung innerhalb eines Jahres – bringt die Gesamtzahl gebuchter Electron-Missionen auf 18 und untermauert die Stellung der Rakete als gefragtestes Small-Lift-Trägersystem weltweit.

Hinzu kommt ein Auftrag der US Space Force über 266 Millionen Dollar für 12 bis 18 Hyperschall-Raketentests. Trotz dieser positiven Nachrichten liegt die Aktie seit Jahresbeginn nur bei einem Plus von 6,77 Prozent, ein Zeichen dafür, wie stark der Kurs zuvor unter Druck geraten war. Vom 52-Wochen-Hoch bei 151,00 Dollar trennen den Titel aktuell noch gut die Hälfte. Am 10. August folgen die Quartalszahlen, der Optionsmarkt preist eine Kursbewegung von rund 9,9 Prozent rund um den Termin ein.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich sich „Technologie-Aktien“ innerhalb desselben Nachrichtenzyklus entwickeln können:

  • TKMS und Kontron stehen für die europäische Industrietechnik-Ecke des Sektors, in der M&A-Dramatik und Verteidigungsbezug den Ton angeben statt KI-Euphorie.
  • Quantum eMotion bewegt sich am spekulativen Rand des Marktes – ein Micro-Cap, dessen Kurs auf Zertifizierungsmeilensteine und Partnerschaftsmeldungen reagiert, nicht auf Quartalszahlen.
  • Broadcom und Rocket Lab sind fest in den KI- und Raumfahrt-Infrastrukturboom eingebunden, wo regulatorische Reibung und starke Stimmungstreiber gleichzeitig existieren.
  • Kontron trägt aktuell die höchste Unsicherheit im Sektor, erkennbar am überverkauften RSI-Niveau und der ungeklärten Investitionskontrolle.

Ausblick: Terminfülle in den kommenden zwei Wochen

Die nächsten Tage bringen gleich mehrere Katalysatoren. TKMS legt am 12. August seine Quartalszahlen vor, ein Termin, der die Kluft zwischen bullishen und vorsichtigen Analystenlagern klären dürfte. Kontrons weiteres Schicksal hängt maßgeblich von der deutschen Investitionsprüfung zur Ennoconn-Beteiligung ab, ein Verfahren ohne festen Zeitrahmen.

Rocket Lab meldet am 10. August Zahlen, Investoren achten dabei besonders auf Fortschritte bei der Neutron-Rakete und der Profitabilität im Vorfeld des Iridium-Abschlusses. Broadcoms Kartellverfahren rund um VMware steckt weiterhin in einer frühen Phase, das jüngste Urteil betraf lediglich den Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz. Quantum eMotion dürfte unterdessen mit weiteren FIPS-140-3-Zertifizierungsschritten und zusätzlichen Partnerschaftsmeldungen im Bereich quantensichere Cybersicherheit für Schlagzeilen sorgen.

Anzeige

TKMS-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue TKMS-Analyse vom 5. August liefert die Antwort:

Die neusten TKMS-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für TKMS-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 5. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

TKMS: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu TKMS