Brookfield pumpt 25 Milliarden in Bloom Energy — Nel ASA und Plug Power verlieren den Anschluss
Bloom Energy profitiert von massiver KI-Infrastruktur-Nachfrage, während Nel ASA und Plug Power mit Gegenwind kämpfen.

- Brookfield erhöht Finanzierung auf 25 Milliarden
- Bloom Energy Umsatz steigt um 130 Prozent
- Nel CEO-Rücktritt verschärft Vertrauenskrise
- ITM Power erhält staatliche Unterstützung
Fünffach aufgestockt, innerhalb weniger Monate: Brookfield Asset Management hat sein Finanzierungsrahmenwerk für KI-Infrastrukturprojekte mit Bloom Energy von 5 auf 25 Milliarden US-Dollar erweitert. Während der Brennstoffzellen-Spezialist damit zum bevorzugten Energielieferanten der KI-Ära aufsteigt, kämpfen die Elektrolyseur-Hersteller im Sektor mit Projektverschiebungen, dünnen Auftragsbüchern und skeptischen Analysten. Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern im Wasserstoff-Universum war selten so deutlich.
Bloom Energy: KI-Nachfrage katapultiert das Geschäft
Die am Montag bekannt gegebene Ausweitung der Brookfield-Partnerschaft markiert einen strategischen Meilenstein. Blooms Energy-Server-Systeme lassen sich innerhalb weniger Monate installieren — ein entscheidender Vorteil gegenüber konventioneller Netzinfrastruktur, deren Ausbau oft Jahre dauert. Für KI-Entwickler, die unter enormem Zeitdruck Rechenkapazitäten aufbauen, ist diese Geschwindigkeit Gold wert.
Brookfield selbst rechnet mit Gesamtinvestitionen von über einer Billion Dollar in KI-Infrastruktur in diesem Jahrzehnt. Der globale Investmentriese hat bereits einen eigenen KI-Infrastrukturfonds aufgelegt, der Vermögenswerte im Volumen von bis zu 100 Milliarden Dollar erwerben soll. Bloom Energy positioniert sich in diesem Ökosystem als zentraler Energielieferant hinter dem Zähler.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte Oracle, das seine strategische Partnerschaft ausgeweitet hat — nachdem Bloom ein Brennstoffzellensystem mehr als einen Monat früher als geplant in Betrieb genommen hatte.
Die Quartalszahlen untermauern die Dynamik:
- Q1-Umsatz von 751,1 Millionen Dollar — ein Plus von 130 % gegenüber dem Vorjahr und über 41 % oberhalb der Schätzungen
- Gewinn je Aktie bei 0,44 Dollar, der Konsens lag bei 0,13 Dollar
- Jahresprognose angehoben auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar
An der Börse notiert die Aktie bei 243,00 Euro, rund 21 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Die annualisierte Volatilität von 113 % signalisiert, wie nervös der Markt trotz aller Euphorie bleibt. UBS bekräftigte nach einem regulatorischen Erfolg bei der FERC ein Buy-Rating mit Kursziel 322 Dollar. Unter 14 Analysten mit Kaufempfehlung liegt das durchschnittliche Zwölfmonatsziel bei umgerechnet rund 267 Dollar.
Plug Power: Langsame Genesung ohne Glamour
Plug Power liefert das Gegenprogramm zu Blooms Schlagzeilen — stille Fortschritte statt Megadeals. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse um 22 % auf 163,5 Millionen Dollar und übertrafen die Erwartungen. Das Management hält am Ziel fest, bis Ende 2026 die Profitabilität zu erreichen.
Ein 275-MW-Elektrolyseur-Vertrag in Dänemark erweitert die europäische Präsenz. Zusätzlich hat das Unternehmen Steuervorteile im Zusammenhang mit seiner Wasserstoff-Verflüssigungsanlage in Louisiana monetarisiert, um die Liquiditätsposition zu stärken.
Die Aktie pendelt bei 2,32 Euro und handelt damit rund 17 % unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Die Analystenlandschaft bleibt gespalten: Canaccord Genuity hob das Kursziel von 2,50 auf 4,00 Dollar an, behielt aber die Halte-Empfehlung. BMO Capital stuft weiterhin mit „Underperform“ ein, sieht das Ziel nur bei 1,20 Dollar. Am oberen Ende der Skala steht ein Kursziel von 7 Dollar — eine Spannweite, die die Unsicherheit über den Turnaround perfekt illustriert.
Nel ASA: CEO-Abgang verschärft die Vertrauenskrise
Die Lage beim norwegischen Elektrolyseur-Hersteller hat sich weiter eingetrübt. Der Umsatz lag 2025 bei 963 Millionen NOK — ein Rückgang von gut 30 % gegenüber dem Vorjahr. Die Verluste explodierten auf 1,27 Milliarden NOK. Im ersten Quartal 2026 verbesserte sich zwar das EBITDA gegenüber dem Vorjahreszeitraum, Umsatz und Auftragseingang gingen allerdings zurück.
Personelle Unsicherheit kommt hinzu: Der CEO hat seinen Rücktritt angekündigt, der Verwaltungsrat sucht einen Nachfolger. Als kleiner Lichtblick konnte Nel einen Rechtsstreit mit Iwatani beilegen und damit das juristische Risiko in den USA reduzieren.
Der Kurs steht bei 0,21 Euro und liegt damit klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,27 Euro. Im Monatsvergleich beträgt der Verlust über 38 %. Von 13 Analysten lautet die durchschnittliche Empfehlung „Sell“, das mittlere Kursziel liegt bei 2,12 NOK — ein Abschlag von über 10 % auf den aktuellen Kurs. Berenberg senkte das Ziel zuletzt von 2,60 auf 2,30 NOK. Mitte Juli stehen die nächsten Quartalszahlen an. Sie dürften darüber entscheiden, ob Nel den Abwärtstrend brechen kann.
ITM Power: Staatsgeld gegen Goldman-Skepsis
Kaum eine Aktie im Sektor spaltet die Analystengemeinschaft so deutlich. Goldman Sachs bekräftigte sein Sell-Rating und hob das Kursziel lediglich marginal von 55 auf 63 Pence an — das Unternehmen sei fundamental überbewertet und werde kurzfristig nicht profitabel. Jefferies sieht das diametral anders: Buy-Rating, Ziel 200 Pence. Morgan Stanley erwartet inzwischen den EBITDA-Breakeven bereits im Geschäftsjahr 2028, ein Jahr früher als zuvor prognostiziert.
Die fundamentale Entwicklung stützt eher die Bullen. Great British Energy investierte 40 Millionen Pfund für einen Anteil von 10,4 % und wurde damit zweitgrößter Aktionär. Kombiniert mit einem Regierungszuschuss von 46,5 Millionen Pfund stieg die erwartete Nettoliquidität auf 210 bis 215 Millionen Pfund. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erzielte ITM Power einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Die Jahresprognose wurde auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben, ein Wachstum von 35 %. Gleichzeitig verengte sich der EBITDA-Verlust von 16,8 auf 11,9 Millionen Pfund.
Die Aktie notiert bei 1,49 Euro — seit Jahresbeginn ein Plus von über 104 %, im letzten Monat allerdings ein Minus von mehr als 30 %. Die Volatilität erreicht mit 114 % annualisiert extreme Ausmaße. Von elf Analysten empfehlen acht den Kauf, einer rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 118,73 Pence.
HydrogenPro: Kostenabbau als Überlebensstrategie
Die kleinste und fragilste Position in diesem Vergleich. HydrogenPro hat seine Belegschaft um 39 % reduziert — von 147 auf 89 Mitarbeiter. Die Bruttomarge verbesserte sich im dritten Quartal 2025 von 22 auf 55 %, und der Kassenbestand stieg auf 121 Millionen NOK. Der Umsatz lag jedoch bei mageren 35 Millionen NOK bei einem negativen EBITDA von 45 Millionen NOK.
Das Management verweist auf die Projektpipeline in Europa und Indien für 2026. Allerdings wurde rund 90 % der zwischen 2023 und 2024 angekündigten grünen Wasserstoffprojekte weltweit um mehr als ein Jahr verschoben — eine Branchenrealität, die gerade kleine Anbieter wie HydrogenPro besonders hart trifft.
Die Analystenabdeckung ist minimal: Nur zwei Analysten verfolgen den Titel. Einige Bewertungsmodelle sehen die Aktie bereits deutlich über ihrem fairen Wert handeln. Die kommenden Quartalsberichte werden zeigen müssen, ob der Kostenschnitt tatsächlich in ein stabilisiertes Auftragsbuch mündet.
Zweigeteilter Sektor — KI-Strom schlägt grünen Wasserstoff
Die Kluft verläuft entlang einer klaren Trennlinie:
- Stromerzeuger mit KI-Zugang (Bloom Energy) profitieren von der Hyperscaler-Nachfrage, liefern Umsatzwachstum im dreistelligen Bereich und ziehen institutionelles Kapital an
- Turnaround-Kandidaten (Plug Power) zeigen operative Fortschritte, bleiben aber auf den Beweis der Profitabilität angewiesen
- Elektrolyseur-Hersteller (Nel ASA, ITM Power, HydrogenPro) kämpfen mit verschobenen Großprojekten, Finanzierungsunsicherheit und dünnen Auftragsbüchern
Kapital rotiert eindeutig in Richtung KI-getriebener Energienachfrage und weg von reinen Wasserstoff-Produktionsanlagen. Blooms Fähigkeit, innerhalb von Monaten Strom hinter dem Zähler zu liefern, trifft den Nerv einer Branche, die nicht länger auf Netzausbau warten kann.
Entscheidende Wochen für den gesamten Sektor
Mehrere Katalysatoren stehen in den kommenden Wochen an. Bloom Energy legt Ende Juli Quartalszahlen vor — Investoren werden prüfen, ob sich die erweiterte Brookfield-Partnerschaft bereits im festen Auftragsbestand niederschlägt. Plug Power muss zeigen, dass der Pfad zur positiven EBITDA-Marge im vierten Quartal realistisch bleibt.
Nel ASAs Quartalsbericht Mitte Juli und die Nachfolgersuche für den CEO-Posten werden entscheidend für das Analystenvertrauen. Bei ITM Power richten sich die Blicke auf die Ergebnisse der britischen Hydrogen Allocation Round 2 und die finale Investitionsentscheidung von Uniper zu seinem Humber-H2ub-Projekt. HydrogenPro braucht sichtbare Auftragskonversionen in Europa und Indien, um zu beweisen, dass der harte Sparkurs mehr ist als eine Notmaßnahme.
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