BYD Aktie: 1,5 Millionen Überseeverkäufe geplant

BYD treibt weltweite Expansion mit PSG-Partnerschaft und Ladestationen voran, während Heimatmarkt und Rückruf belasten.

Die Kernpunkte:
  • Partnerschaft mit Paris Saint-Germain
  • Plan für 6.000 Schnellladestationen
  • Rückruf wegen falscher Baujahre
  • Starker Rückgang der Qin-Verkäufe

BYD sammelt in dieser Woche gleich mehrere internationale Erfolgsmeldungen ein – während das Kerngeschäft in China weiter unter Druck steht. Der Kurs der Aktie hat sich zuletzt spürbar erholt: Mit 10,06 Euro notiert das Papier 1,60 Prozent im Plus, auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 8,19 Prozent zu Buche. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 10,63 Euro fehlen dennoch noch 5,36 Prozent – die längerfristige Erholung ist also noch nicht abgeschlossen.

Globale Expansionsoffensive mit ambitionierten Zielen

Auf dem Goodwood Festival of Speed erklärte BYD-Vizepräsidentin Li Ke, chinesische New-Energy-Technologie liege inzwischen weltweit vorn – der nächste Schritt sei nun der Aufbau einer globalen Marke. Konkret nannte sie einen Plan, wonach BYD bis März 2027 weltweit 6.000 Flash-Charging-Stationen errichten will: 3.000 in Europa, 2.000 in Amerika und 1.000 im asiatisch-pazifischen Raum. Beim Überseeabsatz peilt der Konzern 1,5 Millionen Fahrzeuge an – im ersten Halbjahr wurden davon bereits 790.000 Einheiten erreicht. In Großbritannien verkaufte BYD im ersten Halbjahr 37.800 Fahrzeuge und kam bei batterieelektrischen und Plug-in-Hybrid-Modellen auf einen Marktanteil von 8,73 Prozent. Der Sportwagen Denza Z, dessen Sondereditionen derzeit auf dem Nürburgring getestet werden, startet in Großbritannien bei 142.900 Pfund für das Coupé und 159.900 Pfund für den Spider und hat weltweit bereits mehr als 1.000 Bestellungen verzeichnet.

Parallel dazu meldete BYD einen langfristigen globalen Partnerschaftsvertrag mit Paris Saint-Germain, der bis Juni 2029 läuft. Der Konzern und die Tochtermarke Denza werden über die kommenden drei Spielzeiten als offizielle Automobilpartner auftreten und dem Verein Modelle für den täglichen Betrieb zur Verfügung stellen. Li Ke sprach von einer gemeinsamen Begeisterung beider Seiten, PSG-Vertriebschef Richard Heaselgrave lobte die Passung zur Markenausrichtung des Klubs. BYD will über die Kooperation sein Einzelhandelsnetz in Frankreich ausbauen und europäischen Kunden chinesische Elektrotechnologie näherbringen.

Brasilien-Werk erreicht Meilenstein, Australien-Rennen mit Toyota

Im brasilianischen Werk lief Mitte Juli das 100.000ste Elektrofahrzeug vom Band, ein Seagull-Modell. Die Belegschaft am Standort ist mittlerweile auf mehr als 5.500 Beschäftigte angewachsen. Der Generalmanager der brasilianischen BYD-Niederlassung, Li Tie, kündigte an, den Standort zu einer modernen Industriebasis für neue Energien auszubauen.

In Australien lieferte sich BYD im Juni ein enges Rennen mit Toyota und lag am Monatsende nur 243 Verkäufe hinter dem bisherigen Marktführer, dessen Absatz seit Jahresbeginn um 21,4 Prozent eingebrochen ist. Vier chinesische Marken – BYD, GWM, MG und Chery – haben sich mittlerweile in den Top Ten des australischen Marktes etabliert, ein Novum gegenüber der Situation vor wenigen Jahren. Analysten werten die Gegenmaßnahmen von Toyota als zu spät.

Rückrufaktion und schwache Qin-Verkäufe trüben das Bild

Getrübt wird die Expansionsgeschichte durch eine Produktionsjahr-Panne in Australien: BYD lieferte 1.265 Kunden Fahrzeuge der Modelle Atto 3, Sealion 8 und Shark 6 mit falsch angegebenem Baujahr aus. Der Konzern bietet betroffenen Käufern volle Rückerstattung oder einen Umtausch gegen ein Neufahrzeug des Jahrgangs 2026 an; eine zunächst niedrigere Entschädigungssumme wurde später nachgebessert.

Auch im Heimatmarkt zeigen sich Risse: Die Qin-Modellfamilie, einst Verkaufsschlager mit 661.090 Einheiten im Gesamtjahr 2025, kam im Juni 2026 nur noch auf 14.900 verkaufte Fahrzeuge – ein Rückgang von 66,17 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr 2026 summierten sich die Verkäufe auf 149.174 Einheiten, ein Minus von 45,62 Prozent. Der neue Qin Max soll die Baureihe mit Flash-Charging-Technologie und bis zu 240 Kilowatt Leistung wiederbeleben, ein Starttermin steht aber noch aus.

Zusätzliche Unsicherheit bringt eine ab September 2026 greifende chinesische Verbrauchsteuer auf Lithium-Ionen-Batterien von zunächst 2 Prozent, die ein Jahr später auf 4 Prozent steigt. Natrium-Ionen- und Festkörperbatterien bleiben bis Ende 2028 steuerbefreit – BYD bereitet dafür laut Branchenberichten bereits Pilotproduktionslinien vor, ebenso wie der Wettbewerber CATL.

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