BYD Aktie: 150.000 Vorbestellungen für Great Tang

Trotz Rekordexporten und 150.000 Vorbestellungen für den Great Tang notiert die BYD-Aktie nahe ihrem Jahrestief.

Die Kernpunkte:
  • 150.000 Vorbestellungen für neuen SUV Great Tang
  • Exporte im Mai um 80 Prozent gestiegen
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief bei 8,90 Euro
  • Europa-Expansion mit lokaler Produktion geplant

150.000 Vorbestellungen für ein einziges Modell — das ist kein schlechtes Ergebnis für ein Fahrzeug, das in Europa noch gar nicht erhältlich ist. BYD sammelt für seinen neuen Flaggschiff-SUV Great Tang bereits kräftig Bestellungen ein, bevor der Wagen bis Ende 2026 auf den europäischen Markt kommt. Der Kurs erzählt allerdings eine andere Geschichte.

Rekordexporte, aber Druck auf den Kurs

Die Aktie schloss am Freitag bei 8,90 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 8,82 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 19 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 35 Prozent. Der RSI liegt bei 25,6 und signalisiert damit eine deutlich überverkaufte Lage.

Operativ läuft es besser. Im Mai lieferte BYD weltweit 160.644 Fahrzeuge ins Ausland — ein Plus von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit beendete das Unternehmen acht aufeinanderfolgende Monate mit rückläufigen Gesamtvolumina. Das zeigt: Die internationale Expansion zieht an, auch wenn der Heimatmarkt China weiter unter Konkurrenzdruck steht.

Europa als nächste Wachstumsfront

Für den Great Tang plant BYD nicht nur den Verkauf, sondern auch lokale Produktion und Forschung in Europa. Ziel ist es, Fahrzeuge gezielt auf EU-Standards anzupassen. Die 150.000 Vorbestellungen helfen dabei, Batterie-, Entwicklungs- und Fertigungskosten auf eine größere Stückzahl zu verteilen — vorausgesetzt, Logistik und Kundendienst halten mit der Nachfrage Schritt.

Parallel dazu bringt BYD den aktualisierten ATTO 3 EVO auf den Markt. Das Modell nutzt 800-Volt-Ladetechnik und eine 74,88-kWh-Blade-Batterie, die per Cell-to-Body-Technologie direkt in die Fahrzeugstruktur integriert ist. Schnelleres Laden, höhere Steifigkeit, geringeres Gewicht — das ist der technische Anspruch.

Vertikale Integration als Kostenvorteil

BYD stellt Batterien, Elektromotoren und Steuerungssysteme selbst her. Diese vertikale Integration senkt die Abhängigkeit von Zulieferern und gibt dem Konzern mehr Spielraum bei Preisen und Entwicklungszyklen. Das war lange ein reiner Kostenvorteil — inzwischen wird es zum Qualitätsargument gegenüber westlichen Wettbewerbern.

Die Diskrepanz zwischen starken Exportzahlen und schwachem Kurs dürfte Anleger beschäftigen. Entscheidend wird sein, ob der Great Tang-Launch in Europa tatsächlich bis Ende 2026 gelingt und die Vorbestellungen in echte Auslieferungen münden. Der nächste konkrete Prüfstein: die Halbjahreszahlen, die Aufschluss über Margen und Exportprofitabilität geben werden.

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