BYD Aktie: 4-Nanometer-Chip in Serie, 100 Millionen BMS-Einheiten

BYD präsentiert neue Fahrassistenz-Chips und übernimmt Haftung für L3/L4-Funktionen. Gleichzeitig belasten sinkende Gewinne und hohe Lagerbestände die Bilanz.

Die Kernpunkte:
  • Eigener 4-Nanometer-Chip für autonomes Fahren
  • 100 Millionen Batteriemanagement-Chips ausgeliefert
  • Haftungsübernahme für höhere Autonomiestufen
  • Gewinnrückgang um über 55 Prozent im Quartal

BYD hat am 11. Juli 2026 gleich zwei technologische Meilensteine vermeldet: Der selbst entwickelte 4-Nanometer-Fahrassistenzchip mit einer addierten Rechenleistung von mehr als 2.100 TOPS über drei Chipeinheiten läuft nun in Serie und unterstützt Autonomiestufen L3 und L4. Parallel meldete der Konzern, dass sein erstes selbst verbautes BMS-AFE-Batteriemanagement-Chip die Marke von 100 Millionen ausgelieferten Einheiten überschritten hat. Beide Nachrichten unterstreichen den Anspruch, in der Halbleiterfertigung für Elektrofahrzeuge nicht mehr von Zulieferern abhängig zu sein.

Der technologische Fortschritt geht mit einem ungewöhnlichen Sicherheitsversprechen einher. Ende Mai kündigte Vorstandsvorsitzender Wang Chuanfu an, dass BYD als erster Hersteller in der Fahrstufe L2 die Haftung für L3- und L4-Funktionen übernimmt und für sein Stadtnavigations-Assistenzsystem ein Jahr lang eine Sicherheitsgarantie bietet. Ende Mai kam es bereits zum ersten Praxistest: Nach einem Unfall mit einem Denza Z9GT stellte BYD die Schadensregulierung binnen 24 Stunden fest und übernahm die volle Haftung ohne Obergrenze. Bis Ende März 2026 waren nach Unternehmensangaben kumuliert mehr als 2,85 Millionen Fahrzeuge mit den Assistenzsystemen God Eye und dem gemeinsam mit Huawei entwickelten Qiankun-System verkauft, die täglich über 180 Millionen gefahrene Kilometer an Daten liefern.

Gewinneinbruch belastet die Bilanz

Der technologischen Offensive steht eine deutliche Gewinnschwäche gegenüber. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz auf 150,2 Milliarden Yuan, ein Rückgang von 11,82 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn brach um 55,38 Prozent auf 4,085 Milliarden Yuan ein, belastet unter anderem durch einen Wechselkursverlust von 2,1 Milliarden Yuan. Bereits für das Gesamtjahr 2025 hatte BYD bei 4,6 Millionen verkauften Fahrzeugen einen Nettogewinn von 32,6 Milliarden Yuan ausgewiesen, ein Minus von 18,97 Prozent, während sich der operative Cashflow auf 59,14 Milliarden Yuan nahezu halbierte. Die Lagerbestände erreichten mit 160,4 Milliarden Yuan einen Rekordwert, die Inlandsverkäufe sollen um rund 30 Prozent gefallen sein, und mehr als 40 Prozent der Händler sollen Verluste schreiben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist von zeitweise 249 auf inzwischen rund 10 gefallen.

Auch aus US-Sicht fiel das erste Quartal gemischt aus: Laut MarketBeat verfehlte BYD den Gewinn je Aktie mit 0,06 US-Dollar die Konsensschätzung von 0,07 US-Dollar, übertraf beim Umsatz mit 21,77 Milliarden US-Dollar aber die Erwartung von 21,05 Milliarden US-Dollar.

Aktie nahe dem Jahrestief

Die Kursentwicklung spiegelt den Druck auf die Bilanz wider. Am Freitag schloss die BYD-Aktie bei 9,58 Euro, ein Tagesplus von 3,01 Prozent. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein leichtes Plus von 0,47 Prozent, binnen 30 Tagen hat sich kaum etwas bewegt. Seit Jahresbeginn hat der Titel jedoch 12,55 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar 26,87 Prozent. Damit liegt die Aktie 35,27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro vom 22. Juli 2025, aber nur noch 19,29 Prozent über dem am 30. Juni 2026 markierten Jahrestief von 8,03 Euro. Der Kurs notiert knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,76 Euro und deutlicher unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,70 Euro. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 84,19 Milliarden Euro, bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 41,67 Prozent.

Auslandsgeschäft und neue Modelle als Gegengewicht

Während das Inlandsgeschäft schwächelt, wächst BYD im Ausland kräftig. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte der Konzern 471.091 Fahrzeuge außerhalb Chinas aus, ein Plus von 82,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bereits 42,5 Prozent des Gesamtabsatzes. Im April 2026 registrierte BYD in Europa 27.008 Neuzulassungen, ein Anstieg von 114,5 Prozent – mehr als das Doppelte der 10.654 Zulassungen von Tesla im selben Monat. Anfang Juli startete BYD gemeinsam mit der südafrikanischen Bank Absa das Finanzierungsprogramm BYD Finance, das Fahrzeugfinanzierung, Großhandelsfinanzierung für zunächst 52 und bis Jahresende 80 Händler sowie Versicherungsangebote umfasst. In Südafrika waren die Verkäufe von Elektro- und Hybridfahrzeugen von Januar bis Mai 2026 um 78,8 Prozent gestiegen, BYD ist dort mit 2.011 verkauften Einheiten zweitgrößte NEV-Marke.

Wang Chuanfu bekräftigte auf der Hauptversammlung im Juni das Ziel, binnen fünf Jahren zum weltweit größten Automobilkonzern nach Stückzahl zu werden, mit einem Auslandsabsatzziel von mehr als 1,6 Millionen Fahrzeugen für 2026. Untermauert wird die Expansion durch neue Modelle: Bei der Tochtermarke Denza wurden das dreimotorige SUV N8 mit 890 Kilowatt Systemleistung sowie die Limousine Z9S als Konkurrent zum Xiaomi SU7 zur Zulassung eingereicht, während das Ende Juni gestartete Modell Seal 08 mit einer Reichweite von bis zu 905 Kilometern zum Verkaufsstart beitrug.

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