BYD Aktie: Eigene Batterien schaffen Unabhängigkeit und binden Kapital
BYDs eigene Lieferkette und neue Werke bieten Spielraum, doch sinkende Halbjahreserträge und Auslandsmargen bleiben entscheidend.

- Faire Bewertung bei rund 13 Euro
- Ungarn-Werk als Prüfstein lokaler Fertigung
- Halbjahresumsatz sank um 7,1 Prozent
- Nettogewinn fiel um 20,5 Prozent
Im ersten Halbjahr 2026 setzte BYD 344.815 Millionen Yuan um. Während der Konzern Fertigung außerhalb Chinas aufbaut, steht die Frage im Raum, wie viel Kapital dieser Ausbau beanspruchen darf, wenn der Heimatmarkt die Erträge belastet. Dieter Jaworski schaut deshalb zuerst auf die Entscheidungen über Werke und Mittelverwendung.

BYD (CNE100000296) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 02.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 02.10.2026.
Felix Baarz: Ihr faires Niveau liegt praktisch beim Analysten-Konsens. Worin besteht dann Ihr eigenes Urteil über BYDs Mittelverwendung?
Dieter Jaworski: Meine Abweichung liegt weniger in der Zahl als in ihrer Bedingung: Ich sehe das faire Niveau bei rund 13 Euro, der Analysten-Konsens bei 12,9 Euro. Entscheidend ist, ob das Management mit neuen Werken die höheren Erträge im Ausland sichern kann. Die eigene Fertigung von Batterien und anderen Kernteilen mindert die Abhängigkeit von Zulieferern. Sie verschlingt zugleich Kapital. Eine Fabrik muss ihren Zollvorteil verdienen.
Felix Baarz: Sie sagen: „Eine Fabrik muss ihren Zollvorteil verdienen.“ Wie soll das in Europa gelingen, wenn dort auf chinesische Elektroautos Ausgleichszölle von bis zu 27 Prozent anfallen?
Dieter Jaworski: Gerade dieser Zoll gibt einer Fertigung vor Ort ihren wirtschaftlichen Sinn. BYD kann weniger von chinesischen Exporten abhängig werden; das Werk in Ungarn ist dafür der Prüfstein. Nur endet die Rechnung nicht am Werkstor: Aufbaukosten müssen durch Verkäufe mit auskömmlichen Preisen wieder hereinkommen. Meine Rechnung hält nur, solange das Auslandsgeschäft seine höheren Margen behält.
Felix Baarz: Im September meldete BYD 463.561 verkaufte Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Widerlegt dieser Rekord Ihre Sorge um die Ertragskraft?
Dieter Jaworski: Nein. Ich lese den Rekord sogar als strengeren Test: Wenn BYD so viele Fahrzeuge verkauft und trotzdem zu stark über den Preis konkurrieren muss, hilft Größe den Eigentümern wenig. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz um 7,1 Prozent.
Der Nettogewinn ging im selben Zeitraum um 20,5 Prozent zurück. Meine Einschätzung kippt, falls mit wachsendem Auslandsabsatz auch dort die Margen auf das Niveau des umkämpften Heimatmarkts rutschen. Dann hätte BYD viel Kapital gebunden, ohne den Ertragsdruck hinter sich zu lassen.
Felix Baarz: BYD musste Fahrzeuge wegen eines möglichen Bremspedal-Risikos zurückrufen. Wie schwer wiegt das für Ihr Urteil über das Management?
Dieter Jaworski: Schwer genug, um genau hinzusehen. Ein Rückruf kostet Geld und Vertrauen. Ob daraus ein dauerhaftes Problem wird, lässt sich aus diesem Fall allein nicht ableiten.
Felix Baarz: Sie machen viel am Management fest. Welches Gewicht haben dabei die fehlenden belastbaren Insider-Meldungen und der frühere Ausstieg von Berkshire Hathaway?
Dieter Jaworski: Aus fehlenden Einzelmeldungen zu Insidergeschäften leite ich weder Zustimmung noch Misstrauen ab. Berkses vollständiger Ausstieg wurde bereits im September 2025 bekannt; als aktuelle Warnung taugt er nicht. Wang Chuanfu hält weiterhin rund 17 Prozent. Für mich wiegt schwerer, was das Management jetzt mit Kapital und Produktionsstandorten erreicht. Eigentümernähe ersetzt keine gute Investitionsrechnung.
Felix Baarz: Ihre Rechnung hält nur, solange das Auslandsgeschäft seine höheren Margen behält. Welches Urteil folgt daraus für BYD?
Dieter Jaworski: Ich halte BYD für ein starkes Industrieunternehmen mit einem anspruchsvollen Investitionsprogramm. Die eigene Lieferkette verschafft ihm Spielraum, und lokale Fertigung kann die Zollhürde entschärfen. Mein Urteil bleibt dennoch vorsichtig: Die höheren Auslandsmargen müssen erst beweisen, dass sie auch den Ausbau tragen.
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