BYD Aktie: Gewinn bleibt hinter 48-Prozent-Erwartung
BYD steigert die August-Auslieferungen und das Auslandsgeschäft deutlich, verfehlt beim Quartalsgewinn jedoch die Analystenerwartungen.

- August bringt höchsten Monatsabsatz
- Exporte steigen um 134,5 Prozent
- Quartalsgewinn bleibt hinter Prognosen
- Regulatorischer Druck in Ungarn
BYD hat im August so viele Fahrzeuge verkauft wie nie zuvor in einem Monat – und trotzdem bleibt an der Börse der Beigeschmack einer verpassten Chance. Der chinesische Autobauer setzte 440.293 New Energy Vehicles ab, ein Plus von 17,84 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und bereits der vierte Monat in Folge mit Wachstum. Besonders das Auslandsgeschäft zog kräftig an: Die Exporte legten um 134,5 Prozent auf 189.466 Fahrzeuge zu.
Die Kursreaktion fällt dennoch verhalten aus. Am Freitag schloss die Aktie bei 9,45 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent auf Tagessicht. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 7,3 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 12 Prozent. Der Kurs notiert damit rund 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro, das BYD Anfang Oktober vergangenen Jahres erreicht hatte.
Gewinn wächst, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück
Der Grund für die Skepsis der Anleger liegt in den jüngsten Quartalszahlen. Am 28. August meldete BYD für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 8,2 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 1,22 Milliarden Dollar – ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das Ende einer Serie von vier Quartalen mit rückläufigem Gewinn. Der Umsatz sank hingegen um 3,2 Prozent auf 194,6 Milliarden Yuan, bereits das vierte Quartal mit schrumpfenden Erlösen.
Das eigentliche Problem: Analysten von Morgan Stanley, UBS, Citi, Deutsche Bank und CMBI hatten im Vorfeld gemeinsam mit einem Gewinnsprung von rund 48 Prozent gerechnet. Die tatsächlichen 30 Prozent bedeuten damit eine deutliche Verfehlung dieser Konsenserwartung. Genau diese Lücke zwischen Erwartung und Ergebnis dürfte den jüngsten Kursrückgang erklären, obwohl die operativen Absatzzahlen eigentlich ermutigend ausfallen.
Auslandsgeschäft als Wachstumstreiber
Über die ersten acht Monate des Jahres summierten sich die weltweiten NEV-Verkäufe auf 2.668.015 Fahrzeuge, ein Rückgang von 6,84 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allerdings hat sich dieser Rückgang gegenüber dem ersten Halbjahr, als noch ein Minus von 15,72 Prozent zu Buche stand, deutlich verringert.
Treiber dieser Erholung ist eindeutig das Auslandsgeschäft: Bis August verkaufte BYD international 1.162.260 Fahrzeuge, ein Plus von 85,72 Prozent. Damit stammen inzwischen 43,56 Prozent der kumulierten NEV-Verkäufe aus dem Ausland.
Auch bei reinen Batterie-Elektrofahrzeugen lief es im August rund: Mit 256.230 verkauften Passagier-BEVs erzielte BYD einen Rekord, ein Plus von 28,38 Prozent im Jahresvergleich und von 9,92 Prozent gegenüber Juli.
Regulatorischer Gegenwind bleibt Thema
Parallel zum Verkaufserfolg wächst der regulatorische Druck. Chinesische Behörden – das Handelsministerium, das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie sowie die Marktaufsichtsbehörde – veröffentlichten Leitlinien, die Autobauer wie BYD dazu anhalten, keine Preisgestaltung zu betreiben, die im Ausland unfaire Wettbewerbsvorteile schafft, und Kartell-, Arbeits- sowie Unternehmensverantwortungsstandards einzuhalten.
Zudem läuft in Ungarn seit Juli eine behördliche Untersuchung zu Subventionen und Genehmigungen des BYD-Werks in Szeged, ausgelöst unter anderem durch zwei tödliche Unfälle auf der Baustelle sowie einen Bericht zu möglichen Anzeichen von Zwangsarbeit.
Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Operativ liefert BYD Rekordzahlen, insbesondere im Auslandsgeschäft. Die enttäuschte Gewinnerwartung und der regulatorische Gegenwind sorgen jedoch dafür, dass der Kurs mit einem RSI von 40,1 und einem Abstand von 9,2 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt in einer schwachen technischen Verfassung verharrt. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 21. Oktober angekündigt.
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