BYD Aktie: Linghui M9 gestartet
Trotz Modelloffensive und Rekordabsätzen in Europa fällt die BYD-Aktie. Die Branchenkrise und sinkende Margen belasten den Kurs.

- Drittes Linghui-Modell in vier Monaten
- Eigener KI-Chip für autonomes Fahren
- Europäische Zulassungen überholen Tesla
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief notiert
BYD startet eine Modelloffensive — und der Aktienkurs fällt trotzdem. Das Paradox dahinter ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer tieferen Branchenkrise.
Drittes Modell in vier Monaten
Am Montag hat BYD den Linghui M9 offiziell auf den Markt gebracht. Das Business-MPV ist das dritte Modell der Linghui-Submarke innerhalb von vier Monaten. Es richtet sich an Firmenkunden und den gehobenen Fahrdienst-Markt.
Der Einstiegspreis liegt bei 188.800 Yuan — umgerechnet rund 27.750 Dollar. Damit positioniert sich der M9 im hart umkämpften Segment um 200.000 Yuan. Das Fahrzeug misst 5.200 Millimeter in der Länge und bietet sieben Sitze. BYDs fünfte DM-Hybridgeneration treibt es an: ein 1,5-Liter-Turbomotor mit 45,3 Prozent Wirkungsgrad, kombiniert mit einer 36,6-kWh-Blade-Batterie. Die rein elektrische Reichweite beträgt bis zu 160 Kilometer, die Gesamtreichweite 1.105 Kilometer.
Technologie-Pipeline füllt sich weiter
Bereits am 2. Juli folgt der nächste Launch: der Seal 08, ein Flaggschiff-Sedan mit 800-Volt-Architektur und einer zweiten Blade-Battery-Generation, die fünf Prozent mehr Energiedichte bieten soll.
Parallel dazu treibt BYD seine Ambitionen beim autonomen Fahren voran. Momenta, ein Autonomie-Technologieunternehmen, an dem BYD beteiligt ist, startete am Montag seinen Hongkonger Börsengang. BYD und Mercedes-Benz gehören zu 14 Ankerinvestoren, die gemeinsam 40 Millionen Dollar eingebracht haben. Der erste Handelstag ist für den 8. Juli geplant. Obendrein entwickelt BYD einen eigenen KI-Chip für autonomes Fahren — den Xuanji A3 mit 700 TOPS Rechenleistung. Dieser soll 2027 in Denza-Modellen debütieren.
Starke Absatzzahlen, schwacher Kurs
International läuft es für BYD gut. In Großbritannien hat das Unternehmen das 100.000ste Fahrzeug ausgeliefert — schneller als jede andere Marke. In Europa übertrafen die BYD-Zulassungen von Januar bis Mai 2026 erstmals die von Tesla.
An der Börse spiegelt sich das nicht wider. Die Aktie notiert bei 8,19 Euro — knapp 1,3 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 8,08 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Kurs rund 25 Prozent verloren, über zwölf Monate sogar fast 39 Prozent. Der RSI liegt bei 19,6 und signalisiert damit technisch überverkauftes Terrain.
Der Grund für die Diskrepanz liegt in der Branche selbst. Die chinesische Automobilindustrie erzielte im ersten Quartal 2026 eine Gewinnmarge von nur 3,2 Prozent — ein historischer Tiefstwert. BYD reagiert intern: Die Submarken sollen künftig eigenständig finanziert werden, um die Konzernrentabilität zu verbessern. Wie schnell das greift, wird sich an den nächsten Quartalszahlen ablesen lassen.
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