BYD Aktie: Nur 30 Prozent Auslastung in Thailand

BYD fertigte in Rayong 100.000 Autos, zuletzt jedoch langsamer. Exporte stützen den Standort, während Auslastung und Wettbewerb die Rentabilität belasten.

Die Kernpunkte:
  • 100.000. Fahrzeug in Rayong produziert
  • Fertigung zuletzt auf 3.100 monatlich gesunken
  • Exporte machen rund 40 Prozent aus
  • Wettbewerb und Überkapazitäten belasten Margen

Produktionsjubiläum in Rayong offenbart verändertes Expansionstempo

Der chinesische Elektrofahrzeughersteller BYD hat am Montag in seinem Werk im thailändischen Rayong das 100.000. Fahrzeug fertiggestellt. Bei dem Meilenstein-Modell handelte es sich um einen Atto 3. Für den Konzern markiert die Zahl einen symbolischen Erfolg, da die Fertigungsstätte erst im Juli 2024 den Betrieb aufnahm. Thailand dient BYD als zentraler Brückenkopf, um Märkte außerhalb Chinas direkt vor Ort zu bedienen.

Gleichzeitig offenbart die jüngste Entwicklung eine deutliche Abkühlung der Dynamik. Während das Werk die ersten 70.000 Einheiten bis November 2025 rasch fertigte, benötigte der Standort für die folgenden 30.000 Fahrzeuge rund zehn Monate. Die monatliche Fertigung sank damit auf durchschnittlich etwa 3.100 Einheiten. Das entspricht einem Rückgang der Fertigungsgeschwindigkeit um rund ein Drittel gegenüber den vorherigen Produktionsphasen.

Am Aktienmarkt spiegelt sich die wachsende Skepsis über das globale Wachstumstempo wider. Der Kurs notiert heute bei 8,97 Euro, was einem Tagesverlust von 2,1 Prozent entspricht. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro hat das Papier inzwischen einen Abstand von 28 Prozent aufgebaut. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob der Konzern seine internationale Aufstellung profitabel skalieren kann.

Auslastungsgrad entscheidet über die Rentabilität der Auslandsinvestitionen

Der zentrale Faktor für die wirtschaftliche Tragfähigkeit der internationalen Expansion ist die reale Kapazitätsauslastung in den Übersee-Werken. Der Standort Rayong verfügt über eine maximale Nennkapazität von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr.

BYD investierte in Thailand laut Unternehmensangaben eine Summe von 35,9 Milliarden Baht. Gemessen an der Gesamtlaufzeit von 26 Monaten lag die tatsächliche Auslastung im Schnitt jedoch bei lediglich rund 30 Prozent der theoretischen Möglichkeiten.

Um rentable Stückkosten zu erzielen, muss ein Automobilwerk eine deutlich höhere Auslastung erreichen. BYD setzt daher darauf, den Standort über den thailändischen Binnenmarkt hinaus als Exportdrehscheibe zu nutzen. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen bereits rund 40 Prozent der Produktion in Rayong auf Ausfuhren in andere Märkte. Die kumulierten Exporte überstiegen die Marke von 24.000 Fahrzeugen, verteilt auf mehr als zehn Länder und Regionen.

Entscheidend für die künftige Marge wird sein, ob die lokale Fertigungstiefe ausreicht, um Handelsbarrieren dauerhaft zu umgehen. Rund 50 Prozent der Teile werden lokal beschafft, und fünf Modelle besitzen die offizielle Zertifizierung für thailändische Fertigung. Nur wenn diese Komponentenbasis stabil bleibt, lassen sich Skaleneffekte realisieren.

Exportdrehscheibe für Südostasien treibt das Wachstumsszenario

Gelingt BYD die vollständige Hochskalierung in Thailand, erschließt der Konzern einen dauerhaften Kostenvorteil gegenüber internationalen Wettbewerbern. Ein Ausbau der Fertigung auf die volle Jahreskapazität von 150.000 Einheiten würde die Fixkosten je Fahrzeug drastisch senken. Das Presswerk vor Ort ist bereits auf 6.000 Karosseriesätze monatlich ausgelegt. Zudem verfügt das Werk über ein eigenes Batteriewerk mit drei Fertigungslinien.

Neben Kostenvorteilen stärkt die Lokalisierung auch die politische Akzeptanz in den Zielmärkten. BYD beschäftigt am Standort über 6.000 Mitarbeiter, von denen 95 Prozent thailändische Staatsangehörige sind. Zudem arbeitet der Konzern mit 125 lokalen Teileherstellern zusammen. Diese enge Einbindung verringert das Risiko regulatorischer Eingriffe durch die Behörden vor Ort erheblich.

Zusätzlichen Schub für das Geschäftsmodell könnte der Ausbau moderner Ladeinfrastruktur liefern. BYD plant nach Einschätzung der Analysten von Deutsche Bank, bis zum Jahr 2028 weltweit 90.000 eigene Ladestationen zu errichten. Damit ließe sich die Attraktivität der eigenen Fahrzeuge auf Märkten mit unzureichender Fremdinfrastruktur gezielt absichern.

Drohende Überkapazitäten und zunehmender Wettbewerb belasten die Margen

Das zentrale Risiko für dieses Szenario liegt im Zusammenspiel aus schwächelnder Nachfrage und drohenden Überkapazitäten. Sollte der Pkw-Absatz in Südostasien stagnieren, droht das Werk in Rayong dauerhaft unrentabel zu arbeiten. Bleibt die Fertigung auf dem reduzierten Niveau von rund 3.100 Autos pro Monat stecken, belasten die hohen Abschreibungen der Milliardeninvestition die Konzernmarge.

Verschärft wird dieser Druck durch aggressive Wettbewerber aus dem Heimatmarkt China, die ihrerseits mit technischen Neuerungen drängen. Geely stellte am heutigen Mittwoch ein Schnellladesystem mit 2,2 Megawatt Ladeinfrastruktur vor.

Dieses System lädt die Batterie unter Normalbedingungen in weniger als neun Minuten von zehn auf 97 Prozent auf. BYD verfügt zwar über eine ähnliche Ladetechnik, sieht sich technologisch jedoch wachsender Konkurrenz ausgesetzt.

Zusätzlich drohen neue handelsrechtliche Spannungen auf internationalen Absatzmärkten. Sollten Importländer zusätzliche Zölle auf Fahrzeuge erheben, die wesentliche Kernbauteile aus China beziehen, verpufft der Vorteil der thailändischen Endmontage teilweise. Dies würde die Absatzmöglichkeiten für die geplante Exportquote empfindlich beschneiden.

Strategische Marken bestimmen die künftige Weichenstellung

Solange die Exportquote des thailändischen Werks stabil bei mindestens 40 Prozent der Produktion verharrt, bleibt die internationale Diversifizierung intakt. In diesem Fall kann BYD die temporäre Schwäche des heimischen Marktes durch steigende Ausfuhren in Drittländer teilweise abfedern. Ein Wiederanstieg der Fertigungszahlen in Rayong in Richtung von 6.000 Einheiten monatlich wäre ein klares Anzeichen für eine erfolgreiche Trendwende.

Kippt hingegen die Nachfrage in den südostasiatischen Abnehmerländern weiter ab, drohen signifikante Belastungen für die Ertragskraft. Rutscht die monatliche Produktion dauerhaft unter die Marke von 3.000 Einheiten, verfestigen sich die Überkapazitäten in der Region.

Als nächster wegweisender Katalysator gilt die geplante Reise von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nach Peking im Oktober 2026. Dort wird sich zeigen, unter welchen Rahmenbedingungen chinesische Hersteller ihre Auslandskapazitäten künftig im Westen vermarkten können.

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