BYD Aktie: Racco zielt auf 10.000 Bestellungen

BYD erzielt im Juli einen Rekordabsatz im Ausland, während die Verkäufe in China sinken. Die globale Expansion kompensiert die Schwäche im Heimatmarkt.

Die Kernpunkte:
  • Auslandsabsatz steigt um 124 Prozent
  • Heimatmarkt verzeichnet 9 Prozent Rückgang
  • Produktion übersteigt Inlandsverkäufe deutlich
  • Global-500-Ranking: Platz 91 erreicht

Wer wissen will, wohin sich die Automobilindustrie in den nächsten Jahren bewegt, muss derzeit nur auf BYD schauen. Der chinesische Hersteller hat im Juli 419.211 New-Energy-Fahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und bereits der dritte Wachstumsmonat in Folge. Doch die eigentliche Geschichte steckt in der Aufteilung dieser Zahl – und sie erzählt etwas über den Zustand der gesamten Branche.

Im Ausland setzte BYD 179.841 Fahrzeuge ab, ein Sprung von 124 Prozent zum Vorjahr und ein neuer Rekord. In China selbst brachen die Verkäufe dagegen um rund 9 Prozent auf 239.370 Einheiten ein. Zwei Bewegungen, eine Firma: Während der Heimatmarkt an Preiskämpfen und Sättigung leidet, wird der Rest der Welt zum eigentlichen Wachstumsmotor. Regulatorische Unterlagen bestätigten inzwischen sogar eine Produktion von 420.249 Einheiten im Juli, ein Plus von 32,20 Prozent gegenüber den 317.892 Einheiten des Vorjahresmonats. BYD baut also mehr, als es im Inland verkaufen kann – und schickt den Überschuss in die Welt.

Ein Konzern auf globaler Landnahme

Diese Verschiebung ist kein Zufall, sondern Strategie. In Brasilien startet im August die Pilotproduktion am Werk in Camaçari, die Vollserienfertigung für den kommerziellen Verkauf soll bis Ende 2026 folgen. In Japan hat BYD mit dem Kei-Car „Racco“ den hart umkämpften Kleinwagen-Nischenmarkt betreten und peilt 10.000 Bestellungen an – ein bemerkenswerter Vorstoß in ein Marktsegment, das traditionell Toyota, Honda und Suzuki gehört. In Australien kooperiert der Konzern nun mit Smart bei Leasingangeboten für Elektrofahrzeuge, in Saudi-Arabien und Großbritannien feierte die Premiummarke Denza mit dem Shooting Brake Z9 GT ihr Debüt. Am 3. August meldete Fortune, dass BYD im aktuellen Global-500-Ranking erstmals unter die Top 100 vorgerückt ist, Platz 91, nach fünf Jahren auf der Liste.

Man könnte fragen: Ist das noch ein Autobauer oder längst ein globaler Industriekonzern mit Fahrzeugbau als Kerngeschäft? Die Antwort deutet sich an, wenn man sieht, dass BYD im August in seinen „Di Space“-Erlebniszentren erstmals humanoide Roboter vorstellen will, die mit Besuchern interagieren sollen – ein Schritt in Richtung verkörperlicher künstlicher Intelligenz, weit jenseits des klassischen Autogeschäfts.

Zölle als Bremse, nicht als Stoppschild

Die Expansion verläuft allerdings nicht widerstandslos. In Europa hat BYD den Start der Fahrzeugmontage im ungarischen Szeged auf das vierte Quartal 2026 verschoben, ein Jahr später als ursprünglich geplant. Der Grund liegt auf der Hand: Mit lokaler Produktion will der Konzern möglichen EU-Zöllen auf chinesische Elektrofahrzeuge zuvorkommen. In Malaysia bleibt die Lage sogar offen – Minister Datuk Seri Johari Abdul Ghani erklärte im Parlament, sein Ministerium habe noch keine formelle Mitteilung erhalten, ob BYD sein geplantes Montagewerk in Tanjung Malim nach neuen Vorschriften zur lokalen Fertigung überhaupt weiterverfolgt. Der freie Welthandel für chinesische E-Autos wird enger, und BYD muss auf jedem Kontinent neu verhandeln, unter welchen Bedingungen es produzieren darf.

Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent. Der Kurs der BYD-Aktie gab heute um 3,05 Prozent nach und notiert bei 9,89 Euro, womit sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch auf 25,28 Prozent ausgeweitet hat. Operative Rekorde übersetzen sich derzeit offenbar nicht eins zu eins in Kursfantasie, zumal der schrumpfende Heimatmarkt Fragen zur Nachhaltigkeit des chinesischen Kerngeschäfts aufwirft. Ende Juli zahlte BYD für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 3,58 Yuan pro zehn A-Aktien aus, ein Signal finanzieller Stabilität inmitten der Umbauphase. Am 13. August startet in China die Limousine Qin Max mit dem Assistenzsystem DiPilot 300, am 29. August folgen die Halbjahreszahlen – dann zeigt sich, ob der Auslandsboom die Heimatschwäche tatsächlich kompensieren kann.

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