BYD Aktie: Renault blockt Übernahmepläne
Chinesischer E-Auto-Hersteller BYD scheitert mit Übernahmeversuch bei Renault und muss nun auf eigene Produktion in Ungarn setzen.

- Zwei Übernahmeangebote von BYD abgelehnt
- EU-Zölle erschweren Markteintritt in Europa
- Eigenes Werk in Ungarn als Alternative
- Aktie fällt nach Bekanntwerden der Absage
BYD wollte sich zweimal bei Renault einkaufen — und scheiterte beide Male. Der französische Autobauer lehnte ab, weil er sich einer Kontrollübernahme verweigern wollte. Für den chinesischen Elektroauto-Riesen ist das ein Rückschlag mit Folgen für die eigene Europa-Strategie.
Zwei Anläufe, zwei Absagen
Der erste Vorstoß liegt rund zwei Jahre zurück, der zweite folgte im Herbst 2025. BYD bot Renault dabei offenbar Zugang zu Elektroauto- und Batterietechnologie im Tausch gegen einen Fuß in der Tür bei den europäischen Werken des Konzerns. Renault ging das zu weit — der Wunsch nach Kontrolle statt bloßer Kooperation soll den Ausschlag gegeben haben. Offiziell bestätigt hat das bislang keine der beiden Seiten.
Der Zeitdruck hinter den Avancen lässt sich erklären: Die EU-Kommission hat gegen BYD einen Ausgleichszoll von 17 Prozent für fünf Jahre verhängt, obendrauf kommt der reguläre Einfuhrzoll von 10 Prozent. Ein Einstieg bei einem etablierten europäischen Hersteller hätte diese Zollmauer elegant umgangen. Stattdessen bleibt BYD nun der langsamere Weg: der Aufbau einer eigenen Fertigung im ungarischen Szeged, wo die Testproduktion bereits angelaufen ist. Bis zu vier Milliarden Euro investiert der Konzern dort, die Kapazität soll perspektivisch 200.000 bis 300.000 Fahrzeuge im Jahr erreichen — spürbar zulegen dürfte die Produktion aber erst 2027.
An der Börse in Hongkong kam die Nachricht nicht gut an. Die Aktie verlor am Donnerstag 3,79 Prozent und schloss bei 82,60 Hongkong-Dollar.
Chinesische Hersteller drücken Europas Platzhirsche
Der Rückschlag bei Renault ändert wenig am größeren Trend: Chinesische Marken erobern Europas Straßen so schnell wie nie. Goldman Sachs zählte im Juni in den fünf größten europäischen Märkten — Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien — gut 70.000 Neuzulassungen chinesischer Hersteller, fast dreimal so viele wie im Vorjahresmonat. BYD, Chery und Leapmotor gehören zu den Treibern dieser Entwicklung, während etablierte Volumenhersteller wie VW und Renault Marktanteile abgeben.
Genau diese Doppelstrategie macht BYDs Position interessant: Wo der Zukauf bei Renault verwehrt blieb, wächst der Konzern über die eigene Marke umso aggressiver. Ob Ungarn diesen Vorsprung ab 2027 in echte Zollfreiheit ummünzen kann, entscheidet sich an der Hochlaufkurve der dortigen Produktion.
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