BYD Aktie: Toyota in fünf Jahren überholen

BYD strebt die globale Marktführerschaft an, kämpft aber mit rückläufigen Verkäufen in China und einem geplatzten Werkprojekt in der Türkei.

Die Kernpunkte:
  • Toyota-Überholung als Fünfjahresziel
  • Absatzrückgang von 16 Prozent im ersten Halbjahr
  • Ausbau der Produktion in Brasilien und Ungarn
  • Rückzug aus türkischem Milliardenprojekt

BYD hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Der chinesische Autobauer will Toyota binnen fünf Jahren als größten Autohersteller der Welt überholen – und das, ohne den US-Markt für Personenwagen überhaupt zu betreten. Das erklärte Stella Li von BYD in einem aktuellen Bericht. Gleichzeitig zeigen frische Zahlen, dass der Weg dorthin holpriger wird als noch vor Jahresfrist gedacht.

Ambitionierte Wachstumsziele trotz schwächerer Nachfrage in China

Um den Toyota-Konzern einzuholen, der zuletzt 11,32 Millionen Fahrzeuge absetzte, müsste BYD nach eigener Rechnung fünf Jahre lang um rund 18 Prozent jährlich wachsen. Die Ausgangslage ist allerdings angespannt: Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Verkäufe um etwa 16 Prozent, weil die Nachfrage in China nachließ. Für das Gesamtjahr 2026 peilt BYD dennoch 5 bis 5,5 Millionen verkaufte Fahrzeuge an, davon bis zu 1,5 Millionen außerhalb Chinas. Im Bereich reiner Elektrofahrzeuge hatte BYD 2025 mit 2,26 Millionen verkauften Batterie-Fahrzeugen bereits Tesla überholt. Der US-Markt für Pkw bleibt für BYD wegen der geltenden Zölle faktisch verschlossen – das Wachstum soll stattdessen über neue Werke in Brasilien, Ungarn, Thailand und Indonesien kommen.

Wang Chuanfu hält an Ziel für 2030 fest

BYD-Vorstandsvorsitzender Wang Chuanfu bekräftigte auf der Hauptversammlung des Unternehmens, dass er BYD bis 2030 als globalen Marktführer bei Produktion und Absatz sieht. Er verwies darauf, dass die Durchdringung mit Neuenergiefahrzeugen auf dem chinesischen Heimatmarkt sich von 38,6 Prozent im Januar auf 62,9 Prozent im Mai erholt habe. Für die kommenden Monate erwarte er ein monatliches Absatzplus von 20.000 bis 30.000 Einheiten. Das Auslandsziel von 1,5 Millionen Fahrzeugen für 2026 werde man nach seiner Einschätzung übertreffen. Als weitere Produktionsstandorte nannte er neben Brasilien, Ungarn, Thailand und Indonesien auch den Nahen Osten. 2025 hatte BYD mit 4,6 Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit Rang fünf belegt, nach 4,27 Millionen im Vorjahr.

Rückschlag in der Türkei

Nicht jede Expansion läuft nach Plan. Wie die türkische Zeitung Takvim berichtet, zieht sich BYD aus dem geplanten Werksprojekt in Manisa zurück, für das ursprünglich eine Investition von einer Milliarde US-Dollar vorgesehen war. Das Werk sollte bis Ende 2026 eine Kapazität von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr erreichen. Die Türkei will nun die BYD gewährten Steuervergünstigungen zurückfordern – inklusive Zinsen auf zuvor erlassene Zollgebühren für importierte Fahrzeuge.

Kursbild bleibt angeschlagen

An der Börse spiegelt sich der Spagat zwischen langfristigem Wachstumsanspruch und kurzfristigem Gegenwind wider. Zum Freitagsschluss notierte die BYD-Aktie bei 9,90 Euro, ein Tagesminus von 1,75 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 9,39 Prozent zu Buche, ein Zeichen für eine gewisse Stabilisierung nach schwachen Vormonaten. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro, das im Juli vergangenen Jahres markiert wurde, bleibt der Titel mit einem Abstand von 33,11 Prozent aber weit entfernt. Anleger dürften die kommenden Monate genau daraufhin beobachten, ob sich die von Wang Chuanfu erwartete Beschleunigung der Verkaufszahlen tatsächlich einstellt – und ob weitere Rückschläge wie in der Türkei die Auslandsexpansion zusätzlich belasten.

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