BYD Aktie: Türkei prüft Klage gegen Milliardenprojekt

Türkei erwägt rechtliche Schritte gegen BYD wegen gestopptem Fabrikbau. Der Konzern fokussiert sich nun auf Ungarn und meldet Rekordabsatz in Großbritannien.

Die Kernpunkte:
  • Türkei prüft Klage gegen BYD
  • Milliardenprojekt in Manisa gestoppt
  • Ungarn wird neuer Produktionsstandort
  • Rekordverkäufe in Großbritannien

Die Türkei macht Ernst. Industrieminister Mehmet Fatih Kacir kündigte am Freitag im Parlament an, dass sein Land rechtliche Schritte gegen BYD prüft. Ziel: Bereits gewährte Investitionsanreize für ein gescheitertes Milliardenprojekt zurückzuholen.

Der Fall zeigt, wie eng Chinas größter Elektroautobauer zwischen geopolitischen Fronten navigieren muss. Während in der Türkei ein Fabrikprojekt auf Eis liegt, feiert BYD in Großbritannien Rekordzahlen. Und in Ungarn baut der Konzern seine Europa-Zentrale aus.

Türkisches Milliardenprojekt liegt brach

Die Fakten sind eindeutig. 2024 unterschrieb BYD eine Vereinbarung für eine Fabrik in der Provinz Manisa. Geplant war eine Jahreskapazität von 150.000 Fahrzeugen, dazu eine Investition von rund einer Milliarde Dollar.

Passiert ist seitdem wenig. BYD hat das Projekt Berichten zufolge zurückgestellt, um Kapital und Aufmerksamkeit auf den ungarischen Standort zu konzentrieren. Türkische Behörden werten das als Vertragsbruch.

Sollte Ankara das Projekt formal für gescheitert erklären, drohen BYD nicht nur der Verlust der Förderungen. Die Behörden wollen dann auch rückwirkend Zollbefreiungen kassieren, die dem Autobauer bislang zustanden. Das trifft eine Kernstrategie des Konzerns empfindlich: die Türkei als zollfreies Sprungbrett in die EU zu nutzen.

Ungarn wird zum neuen Zentrum

Der Rückzug aus der Türkei ist kein Zufall, sondern Teil einer klaren Priorisierung. BYD hat mit Péter Szijjártó, dem ehemaligen ungarischen Außenminister, kürzlich eine prominente Führungskraft für sein Europageschäft gewonnen. Die Personalie soll helfen, das komplizierte EU-Regulierungsumfeld zu durchdringen.

Im Fokus steht das Werk in Szeged. Dort soll die Montage im vierten Quartal 2026 anlaufen. Ungarn übernimmt damit die Rolle, die ursprünglich für die Türkei vorgesehen war.

Rekordabsatz in Großbritannien

Während die Türkei-Geschichte nach Rückschlag klingt, liefert der britische Markt das Gegenbild. BYD meldete für das erste Halbjahr 2026 knapp 38.000 Neuzulassungen auf der Insel. Das entspricht einem Plus von 95 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Marktanteil im kombinierten Segment aus Plug-in-Hybriden und reinen Elektrofahrzeugen liegt bei 8,74 Prozent. Kein schlechter Wert für einen Hersteller, der in Europa noch als Neuling gilt.

Das Muster zieht sich durch die globalen Zahlen. Im Inland kämpft BYD mit sinkender Nachfrage, die Verkäufe fielen im ersten Halbjahr um rund 15,7 Prozent. Die Exporte gleichen das mehr als aus: 792.256 verkaufte Fahrzeuge im Ausland bedeuten ein Plus von 70,7 Prozent.

Fortschritt bei Fahrassistenz-Software

Neben den geopolitischen Verwicklungen meldete BYD diese Woche einen technischen Meilenstein. Die Flotte der Fahrzeuge mit dem „DiPilot“-Fahrassistenzsystem hat die Marke von 3,33 Millionen Einheiten überschritten. Das System basiert auf der Xuanji-Architektur und sammelt täglich über 210 Millionen gefahrene Kilometer an Daten.

Allein in den vergangenen zwei Monaten kamen rund 480.000 ausgestattete Fahrzeuge hinzu. Das Tempo unterstreicht den Anspruch, sich von einem reinen Hardware-Hersteller zu einem Softwareanbieter für autonomes Fahren zu entwickeln.

Aktie unter Druck, aber mit Erholung

An der Börse spiegelt sich die gemischte Lage wider. Die BYD-Aktie schloss den Handel am Freitag bei 9,90 Euro, ein Minus von 1,75 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 9,39 Prozent zu Buche.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro aus dem Juli 2025 bleibt der Titel weiterhin gut ein Drittel entfernt. Die Aktie notiert derzeit leicht über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, unterhalb der 200-Tage-Linie bei 10,64 Euro bleibt aber Widerstand.

Die Frage, ob Ankara tatsächlich klagt, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. Für BYD hängt daran nicht nur eine Rückzahlung von Fördergeldern, sondern auch die Reputation als verlässlicher Investitionspartner in einem Markt, der als Tor zur EU gedacht war.

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