BYD Aktie: Türkei-Werk in Manisa gestoppt
BYD pausiert sein Milliardenprojekt in der Türkei ohne neuen Zeitplan. Die Expansion in Europa konzentriert sich nun vollständig auf das Werk in Ungarn.

- Türkei-Projekt ohne Zeitplan
- Ungarn wird europäischer Produktionsschwerpunkt
- Rekordabsatz im Auslandsgeschäft im Juli
- Aktie verliert in den letzten Tagen
BYD hat sein geplantes Elektroauto-Werk in Manisa in der Türkei auf unbestimmte Zeit gestoppt. Das bestätigte der Konzern im Juni. Das Projekt war im Juli 2024 unterschrieben worden und sollte eine Milliarde Dollar kosten. Vorgesehen waren eine Jahreskapazität von 150.000 Fahrzeugen, bis zu 5.000 neue Arbeitsplätze und ein Produktionsstart bis Ende 2026. Fast zwei Jahre später hatte noch nicht einmal der Bau begonnen.
BYD-Vizepräsidentin Stella Li erklärte laut Medienberichten am Samstag, für das Türkei-Vorhaben gebe es derzeit keinen Zeitplan. Priorität habe stattdessen die Anlage in Szeged, Ungarn. Damit verschiebt BYD sein europäisches Produktionsgewicht deutlich in Richtung des ungarischen Standorts, während die Türkei-Pläne faktisch auf unbestimmte Zeit ruhen.
Ungarn bleibt Priorität trotz Kontrollen
Das Werk in Szeged ist BYDs erste Fabrik für Personenwagen in Europa. Die Serienproduktion soll im vierten Quartal 2026 anlaufen. Fahrzeuge aus ungarischer Fertigung unterliegen nicht den zusätzlichen EU-Zöllen auf in China gebaute Elektroautos – ein handfester Standortvorteil gegenüber Importen aus China und offenbar auch gegenüber dem nun ausgesetzten Türkei-Projekt.
Der Standort war zuletzt allerdings nicht frei von Reibung. Ungarische Behörden hatten nach einer von Ministerpräsident Péter Magyar angeordneten Prüfung Kontrolleure zur Anlage geschickt, um Aufenthaltstitel, Sozialversicherungsnachweise und Arbeitsverträge der Beschäftigten zu überprüfen. Zusätzlich verhängten die Behörden eine Strafe von rund 27.000 Dollar wegen eines Umweltvorfalls im Zusammenhang mit der Entsorgung von Erdmaterial auf dem Werksgelände. An dem Ziel eines vollständigen Produktionsstarts im vierten Quartal hält BYD nach den vorliegenden Angaben trotz dieser Vorgänge fest.
Die Entscheidung gegen die Türkei fällt in eine Phase, in der BYD sein Auslandsgeschäft ohnehin kräftig ausbaut. Im Juli verkaufte der Konzern außerhalb Chinas rund 179.841 Pkw und Pick-ups, ein Rekordwert und mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts. Ein funktionierender europäischer Produktionsstandort ohne Zollrisiko wird damit für die weitere Expansion wichtiger als ein einzelnes, verzögertes Werksprojekt in der Türkei.
Kurs unter Druck, Blick auf Zwischenzahlen
An der Börse hat sich die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen bislang nicht positiv niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Freitag bei 10,04 Euro und hat in den vergangenen sieben Handelstagen 3,92 Prozent verloren. Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt notiert das Papier derzeit 4,60 Prozent im Minus, was auf eine mittelfristig eher schwache Kursverfassung hindeutet.
Anleger richten den Blick nun auf zwei anstehende Termine: Die unaudierten Halbjahres- und Zweitquartalszahlen 2026 werden um den 29. August erwartet, laut einem Finanzkalender-Tracker. Wenige Tage zuvor, am 21. August, soll BYD auf der Chengdu Auto Show sein neues Flaggschiff-Modell Da Han öffentlich vorstellen. Beide Termine dürften zeigen, ob sich das starke Auslandswachstum und die klare Fokussierung auf Ungarn als Europa-Basis auch operativ und finanziell auszahlen, während das Türkei-Projekt vorerst von der Agenda verschwunden ist.
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