BYD Aktie: Überholt Tesla in Europa
BYD konkretisiert seine europäische Expansion, steigert die Ausfuhren deutlich und überholt Tesla bei Neuzulassungen im ersten Halbjahr.

- Aktie gewinnt 4,7 Prozent
- Ungarn startet reguläre Montage
- Exporte steigen um 85,7 Prozent
- Rückruf für 32.000 Pick-ups
BYD springt am heutigen Donnerstag deutlich an: Die Aktie legt um 4,7 Prozent zu und notiert bei 9,16 Euro, nach einem Schlusskurs von 8,75 Euro am Vortag. Damit setzt sich die Erholung der vergangenen Woche fort, in der das Papier bereits gut 5 Prozent gewann. Zum 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres bleibt aber weiterhin ein Abstand von 27 Prozent.
Hinter der Kursbewegung steht vor allem die Konkretisierung der europäischen Wachstumspläne. Der BYD-Berater Alfredo Altavilla erklärte in Turin, der chinesische Autobauer strebe langfristig drei Fahrzeugmontagewerke sowie eine Batteriefabrik in Europa an. Ziel sei es, lokale Fertigungsvorgaben zu erfüllen und näher an die Kundschaft heranzurücken – auch um Importzölle und Logistikkosten zu senken.
Ungarn produziert, zweiter Standort bis Jahresende
Das erste europäische Werk in Szeged, Ungarn, befindet sich bereits in der Testproduktion; die reguläre Montage soll im vierten Quartal anlaufen, mit einer geplanten Kapazität von 200.000 Fahrzeugen pro Jahr. Über den zweiten Standort will BYD bis Jahresende entscheiden.
Als Favoriten gelten Spanien und Frankreich, wobei das Unternehmen offenbar eine bestehende Anlage übernehmen statt neu zu bauen plant. Ein zunächst für die Türkei angekündigtes Werk mit einem Volumen von einer Milliarde US-Dollar liegt derzeit auf Eis.
Spanien rückt dabei besonders in den Fokus: Laut Berater Tu Le entwickelt sich das Land zur europäischen Startbasis für chinesische Elektroautohersteller. Im Juli lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den spanischen Neuzulassungen bei 9,6 Prozent, mit BYD als führendem Anbieter.
Parallel baut CATL gemeinsam mit Stellantis in Zaragoza ein LFP-Batteriewerk mit einem Investitionsvolumen von 4,1 Milliarden Euro und einer Kapazität von bis zu 50 Gigawattstunden.
Exportzahlen untermauern die internationale Strategie
Die Auslandsverkäufe stützen den Expansionskurs mit Zahlen: Von Januar bis August summierten sich die Exporte auf rund 1,16 Millionen Fahrzeuge, ein Plus von 85,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im August erreichte BYD mit 189.466 Auslandsverkäufen einen Rekordwert.
In Europa lag das Unternehmen im ersten Halbjahr mit 174.144 Neuzulassungen erstmals vor Tesla, das auf 170.351 Einheiten kam. Im Heimatmarkt China zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Die Verkäufe sanken von Januar bis August um 32,7 Prozent auf rund 1,51 Millionen Fahrzeuge.
Zusätzlichen Schub für die internationale Präsenz liefert der Markteintritt in Japan. Dort stellte BYD das Modell RACCO vor – das erste eigens für einen Auslandsmarkt entwickelte Fahrzeug und zugleich das erste batterieelektrische Auto eines ausländischen Herstellers, das nach den strengen japanischen Kei-Car-Regeln in Serie gefertigt wird. Kei-Cars machen rund 40 Prozent der japanischen Neuwagenverkäufe aus – ein Segment, in dem ausländische Hersteller bislang kaum Fuß fassen konnten.
Nicht nur Wachstum prägt die Nachrichtenlage: In Australien ruft BYD mehr als 32.000 Exemplare des Plug-in-Hybrid-Pick-ups Shark 6 zurück. Grund ist ein möglicher Defekt am Halteseil des Reserverads, das sich lösen könnte. Betroffen sind Fahrzeuge, die zwischen August 2024 und Juni 2026 produziert wurden; der Austausch der Halterung soll kostenlos erfolgen und rund eine halbe Stunde dauern.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Während der Rückgang im chinesischen Kerngeschäft belastet, liefert die forcierte Internationalisierung – von Europa über Japan bis nach Afrika, wo BYD ebenfalls Projekte in der Demokratischen Republik Kongo prüft – neue Wachstumsimpulse, die der Markt heute honoriert.
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