BYD Aktie: Verlustserie nach vier Quartalen beendet

BYD erzielt im zweiten Quartal wieder Gewinn, verfehlt jedoch die Erwartungen. Exporte wachsen, während Umsatz und Heimatgeschäft weiter nachgeben.

Die Kernpunkte:
  • Gewinnserie mit vier Verlustquartalen beendet
  • Quartalsumsatz sinkt auf 194,6 Milliarden Yuan
  • Ausfuhren steigen im Halbjahr um 71 Prozent
  • Ungarn prüft Subventionen und Werksgenehmigungen

BYD hat im zweiten Quartal 2026 wieder schwarze Zahlen geschrieben und damit eine Verlustserie von vier aufeinanderfolgenden Quartalen beendet. Der Nettogewinn kletterte auf 8,2 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 1,22 Milliarden Dollar, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auf den ersten Blick eine Trendwende – doch Analysten hatten deutlich mehr erwartet.

Die Institute Morgan Stanley, UBS, Citi, Deutsche Bank und CMBI hatten im Vorfeld gemeinsam mit einem Gewinnsprung von etwa 48 Prozent gerechnet. Die tatsächliche Zahl blieb damit spürbar hinter dem Analystenkonsens zurück. Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz um 3,2 Prozent auf 194,6 Milliarden Yuan – bereits das vierte Quartal in Folge mit rückläufigen Erlösen.

Auslandsgeschäft trägt die Erholung

Der Gewinnschub kam praktisch komplett aus dem Ausland. Die Exporte legten im ersten Halbjahr um 71 Prozent auf mehr als 790.000 Fahrzeuge zu und machten damit 44 Prozent der Gesamtverkäufe aus. Diese Verschiebung passt zu einem Muster, das sich schon in den Sommermonaten abgezeichnet hatte, als die Auslandsverkäufe den Heimatmarkt überholten – seither hat die Aktie rund 3,0 Prozent verloren.

Im Heimatmarkt bleibt der Druck dagegen hoch: Das erste Quartal 2026 hatte mit einem Gewinneinbruch von 55,38 Prozent auf 4,08 Milliarden Yuan bereits gezeigt, wie stark die Margen in China unter dem Preiswettbewerb leiden.

Europa-Expansion mit neuem Baustein

Auf strategischer Ebene treibt BYD den Ausbau in Europa voran. Der Konzern hat den deutschen Distributor Hedin Electric Mobility übernommen, um seine Position als europäischer Elektroauto-Anbieter zu stärken.

Die BYD Automotive GmbH übernimmt künftig die Vertriebsaktivitäten für BYD-Fahrzeuge und -Ersatzteile in Deutschland und betreibt dabei auch Standorte in Stuttgart und Frankfurt. Der Schritt zeigt, wie sehr BYD auf den europäischen Markt setzt, während in China die Margen unter Druck bleiben.

Ungarisches Werk unter behördlicher Beobachtung

Weniger komfortabel ist die Lage rund um das ungarische Werk in Szeged, BYDs wichtigstem europäischen Standort. Nach zwei tödlichen Unfällen auf der Baustelle im Februar und Juni sowie einem Bericht von China Labor Watch über mögliche Hinweise auf Zwangsarbeit unter chinesischen Wanderarbeitern gerät der Standort zunehmend in den Fokus.

Eine zunächst eingeleitete Umweltuntersuchung wegen abtransportierten Oberbodens wurde nach Tests zwischen April und Juni zwar eingestellt. Seit dem 22. Juli läuft jedoch eine formelle Untersuchung der ungarischen Regierung zu Subventionen und Genehmigungen des Werks, verbunden mit einer Vor-Ort-Prüfung der Dokumente.

Bis Mitte August wurde zwar keine Verzögerung beim Produktionsziel für das vierte Quartal 2026 gemeldet, die sich häufenden Untersuchungen bleiben aber ein latentes Risiko für das für BYD zentrale europäische Asset.

Verkaufszahlen als nächster Prüfstein

Die operativen Zahlen aus dem Juli hatten zuletzt für Rückenwind gesorgt: Die NEV-Großhandelsverkäufe stiegen den dritten Monat in Folge auf 419.211 Einheiten, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mit einem Rekordwert von 179.841 Fahrzeugen im Auslandsgeschäft, einem Sprung von 124,3 Prozent.

Auf Jahressicht liegen die Verkäufe mit 2.227.722 Einheiten dennoch um 10,54 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die August-Zahlen, die um den 1. September erwartet werden, dürften zeigen, ob sich der Aufwärtstrend im Export fortsetzt oder ob der schwache Heimatmarkt die Gesamtbilanz erneut belastet.

An der Börse spiegelt sich die durchwachsene Gemengelage wider: Die Aktie schloss am Dienstag bei 9,61 Euro und notiert damit rund 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro aus dem Oktober 2025. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 10 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass der Markt die Erholung im Auslandsgeschäft bislang nicht als ausreichend bewertet, um die Schwäche im Heimatmarkt auszugleichen.

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