BYD Aktie: Werden statt Wollen

BYD plant europäische Fertigung für Fahrzeuge und Infrastruktur, doch Verzögerungen in Ungarn und der Türkei bremsen das Vertrauen der Anleger.

Die Kernpunkte:
  • Lokale Produktion soll Zollkosten vermeiden
  • Schwerer E-Lkw startet voraussichtlich 2027
  • Ungarisches Werk verspätet sich erneut
  • Türkisches Milliardenprojekt liegt auf Eis

BYD hat auf der IAA Transportation in Hannover ein Versprechen formuliert, das weit über Lastwagen hinausreicht. Konzern-Vizepräsidentin Stella Li erklärte, man wolle langfristig alles, was in Europa verkauft wird, auch hier produzieren — und damit faktisch zu einem „europäischen Unternehmen“ werden. Die Börse reagierte darauf allerdings nicht mit Begeisterung, sondern mit Skepsis.

Zölle als Antrieb

Der Vorstoß hat einen klaren finanziellen Hintergrund. Auf batterieelektrische Autos aus China erhebt die EU seit Ende Oktober 2024 Sonderzölle, bei BYD kommen so zusätzlich zum allgemeinen Einfuhrzoll von 10 Prozent rund 17 Prozent Sonderabgabe hinzu. Wer stattdessen lokal fertigt, umgeht beide Belastungen komplett.

Genau diese Rechnung dürfte auch beim Lkw-Geschäft eine Rolle spielen. Europäische Hersteller wie die Traton-Marke MAN fordern seit Monaten ähnliche Sonderzölle auf chinesische Elektro-Lastwagen, wie sie bereits für Pkw gelten. BYDs frühe Ankündigung einer lokalen Lkw-Produktion liest sich damit auch als Reaktion auf politischen Druck, bevor er zu echten Kosten wird.

Konkret zeigte BYD in Hannover mit dem ETT 44 seinen ersten schweren Lastwagen für Europa, der 2027 auf die Straße kommen soll. Dazu kündigte der Konzern ein Servicepaket für Flottenbetreiber an — Finanzierung, solarbetriebene Ladeinfrastruktur und ein Werkstattnetz mit mobilem Pannendienst. Damit tritt BYD nicht mehr nur als Fahrzeugbauer auf, sondern auch als Finanzierungs- und Infrastrukturanbieter, ein Geschäftsmodell, das bislang etablierte europäische Lkw-Hersteller selbst prägen.

Die Vergangenheit mahnt zur Vorsicht

Zwischen Ankündigung und Umsetzung klafft bei BYD bislang eine Lücke. Das Pkw-Werk im ungarischen Szeged sollte laut ursprünglicher Planung bereits Ende 2025 die Produktion aufnehmen. Tatsächlich startete im Januar 2026 lediglich eine Testfertigung, die reguläre Serienproduktion soll nun erst im vierten Quartal 2026 anlaufen — fast ein Jahr später als geplant.

Ein zweites Werk in der Türkei, für das eine Investition von einer Milliarde Dollar in Aussicht gestellt worden war, liegt komplett auf Eis, ohne dass ein neuer Zeitplan genannt wurde.

Vor diesem Erfahrungshintergrund fiel die Reaktion der Aktie in Hongkong verhalten aus: Das Papier verlor 1,43 Prozent auf 79,05 Hongkong-Dollar. Anleger honorieren die Strategieankündigung offenbar erst, wenn aus Zeitplänen tatsächlich Produktionslinien werden.

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