BYD und Geely greifen nach Europas Fabriken — Stellantis, Schaeffler und Daimler Truck im Zugzwang
Chinesische Autobauer verhandeln über Werksübernahmen in Europa. Geely sichert sich eine Fertigungslinie bei Ford in Spanien.

- BYD verhandelt über Stellantis-Werke
- Geely erwirbt Ford-Fertigungslinie in Valencia
- Schaeffler profitiert unabhängig vom Fabrikbetreiber
- Daimler Truck kämpft mit zollbedingter Kaufzurückhaltung
Chinesische Autobauer wollen nicht mehr nur exportieren. Sie wollen in Europa produzieren — und zwar in den Werken der Konkurrenz. BYD verhandelt mit Stellantis über die Übernahme unterlasteter Fabriken, Geely sichert sich eine Fertigungslinie bei Ford in Spanien. Für Zulieferer wie Schaeffler öffnet sich ein neues Geschäftsfeld, während Daimler Truck mit ganz eigenen Herausforderungen kämpft. Ein Sektor, fünf Strategien — und eine gemeinsame Frage: Wer profitiert am Ende von der Neuordnung der europäischen Automobillandschaft?
BYD: Europas Werkshallen im Visier
Die Nachricht schlug auf der Londoner „Future of the Car“-Konferenz ein wie ein Paukenschlag: BYD-Vizepräsidentin Stella Li bestätigte am Dienstag, dass der chinesische Elektroauto-Riese aktiv über die Übernahme brachliegender Produktionsstätten in Europa verhandelt. Italien steht dabei ganz oben auf der Wunschliste. Besonders bemerkenswert: BYD bevorzugt den Alleinbetrieb statt einer Partnerschaft im Joint-Venture-Format.
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Die Logik dahinter ist eingängig. In China tobt ein Preiskrieg, der die Margen drückt — im ersten Quartal 2026 brach der Nettogewinn um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Die Bruttomarge verbesserte sich zwar sequenziell, was auf strikte Kostendisziplin hindeutet. Aber das Wachstum kommt längst von jenseits der Grenzen.
Im April verkaufte BYD 135.000 Fahrzeuge im Ausland — ein Rekord und 70 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn summieren sich die Exportzahlen auf fast eine halbe Million Einheiten. Eine lokale Produktion in Europa würde nicht nur Transportkosten senken, sondern auch die EU-Zölle auf chinesische Importe umgehen.
Citigroup hält an einer Kaufempfehlung fest und sieht BYD neben Geely als Top-Pick im Sektor. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 124 Hongkong-Dollar, die Spanne reicht bis 147 HKD. Entscheidend wird, ob der Sprung in die europäische Fertigung tatsächlich gelingt — oder an politischem Widerstand scheitert.
Stellantis: Werke abgeben, Zukunft sichern
Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzt Stellantis — und die Position ist alles andere als komfortabel. Die Aktie notiert bei 6,49 Euro, ein Minus von über 33 Prozent seit Jahresbeginn. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt fast 38 Prozent.
Die Q1-Zahlen zeigten zwar eine Erholung: Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 38,1 Milliarden Euro, und nach einem Verlust im Vorjahresquartal stand wieder ein Nettogewinn von 377 Millionen Euro in den Büchern. Nordamerika war der Haupttreiber, vor allem dank Ram und Jeep.
Trotzdem bleibt die Straße skeptisch. Bank of America stufte die Aktie auf „Underperform“ herab. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 8,10 Euro — deutlich über dem aktuellen Kurs, aber die Spanne zwischen 5 und 12,50 Euro zeigt, wie uneins sich die Experten über den weiteren Verlauf sind.
Stellantis baut seine China-Verbindungen bereits auf eigene Faust aus. Zwei spanische Werke werden auf die Produktion von Leapmotor-Elektrofahrzeugen umgestellt. In Gesamteuropa einschließlich Leapmotor wuchsen die Verkäufe im ersten Quartal um 8 Prozent, der EU30-Marktanteil erreichte 18,1 Prozent.
Am 21. Mai steht ein Investorentag in Auburn Hills an. CEO Antonio Filosa wird dort den strategischen Fahrplan vorstellen — einschließlich der Tiefe der Leapmotor-Partnerschaft und möglicher Werksübergaben an BYD.
Geely: Valencia als Blaupause für den Kontinent
Geely geht einen Schritt weiter als BYD — und hat bereits Fakten geschaffen. Der chinesische Konzern hat eine Vereinbarung zum Erwerb der Body-3-Fertigungslinie im Ford-Werk Almussafes bei Valencia getroffen. Dort soll ein Modell auf Basis der GEA-Plattform entstehen, vermutlich eine europäische Version des Geely Xingyuan.
Wird der Deal finalisiert, wäre es das erste Mal, dass ein chinesischer Autobauer eigenständig in einer bestehenden europäischen Fabrik produziert. Ein Präzedenzfall mit Signalwirkung. Geely würde damit den 18,8-Prozent-Zoll umgehen, den die EU 2024 verhängt hat.
Die Geschäftszahlen untermauern den Expansionskurs eindrucksvoll:
- Umsatz Q1 2026: 83,8 Milliarden Renminbi, plus 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr
- Kerngewinn: 4,56 Milliarden Renminbi, ein Anstieg von 31 Prozent
- Gesamtabsatz: 709.000 Einheiten — Platz eins unter Chinas Eigenmarken
- Exporte: 203.000 Einheiten, ein Plus von 126 Prozent
- Europa-Wachstum: fast 400 Prozent im ersten Quartal
Die Geely-Aktie notiert in Frankfurt bei 2,42 Euro, seit Jahresbeginn ein Plus von gut 21 Prozent. Nach einem starken Anstieg bis April hat der Kurs zuletzt konsolidiert — in den vergangenen 30 Tagen ging es rund 10 Prozent nach unten. Citigroup und Guotai Haitong halten an ihren Kaufempfehlungen fest.
Schaeffler: Gewinner egal wer die Fabrik betreibt
Während BYD und Geely um europäische Werke ringen und Stellantis seinen Platz in der neuen Ordnung sucht, nimmt Schaeffler eine Sonderrolle ein. CEO Klaus Rosenfeld formulierte es diese Woche unmissverständlich: Chinesische Hersteller, die in Europa fertigen, bedeuten für Schaeffler mehr Geschäft, nicht weniger. Der Zulieferer liefert Präzisionskomponenten, elektrische Achsantriebe und Leistungselektronik — unabhängig davon, ob der Kunde BYD, Chery oder Volkswagen heißt.
Die Schaeffler-Aktie markierte gestern mit 11,55 USD ihr 52-Wochen-Hoch. In den vergangenen sieben Tagen legte der Kurs um über 22 Prozent zu, auf Monatssicht beträgt das Plus knapp 18 Prozent. Die Volatilität ist mit annualisiert 110 Prozent allerdings extrem hoch.
Die Q1-Zahlen fielen gemischt aus: Der Umsatz lag bei 5,764 Milliarden Euro, leicht unter dem Vorjahreswert. Der Gewinn je Aktie überraschte mit 0,06 Euro positiv — Analysten hatten lediglich 0,02 Euro erwartet. Sieben von acht Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 8,91 Euro.
Die strategische Transformation vom reinen Wälzlagerhersteller zum Systemanbieter für elektrifizierte Antriebsstränge zahlt sich zunehmend aus. Die Vitesco-Übernahme liefert Synergien, der Auftragseingang im Bereich Hybrid- und Elektroantriebe wächst. Schaeffler profitiert von der Elektrifizierung — ganz gleich, welche Flagge auf dem Werksgelände weht.
Daimler Truck: Auftragsflut trifft auf Ergebnisdürre
Daimler Truck bewegt sich in einer anderen Welt als die Pkw-Konkurrenz. Keine chinesischen Fabrikübernahmen, kein Zollpoker — stattdessen bestimmen Frachtzyklen, Geopolitik und Nordamerika den Takt.
Das erste Quartal war ein Paradox. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf 10 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT halbierte sich auf 460 Millionen Euro. In Nordamerika fielen die Auslieferungen auf 29.432 Fahrzeuge — der niedrigste Wert seit 2010. Hauptgrund: zollbedingte Kaufzurückhaltung.
Gleichzeitig explodierten die Auftragseingänge. Konzernweit stiegen sie um 50 Prozent auf über 114.000 Einheiten. Bei Daimler Truck North America betrug der Zuwachs sogar 86 Prozent. Die Produktion für das zweite Quartal ist ausgebucht, und das Management erwartet eine deutliche sequenzielle Erholung.
Die Jahresprognose bleibt bestätigt: 330.000 bis 360.000 verkaufte Einheiten, ein Industrieumsatz zwischen 42 und 46 Milliarden Euro. Die Aktie notiert bei 40,04 Euro, ein Minus von gut 7,5 Prozent auf Monatssicht. Die Dividende von 1,90 Euro wurde Anfang Mai ausgezahlt.
Ein kleines, aber wachsendes Detail am Rande: Der Absatz batterieelektrischer Lkw und Busse stieg im ersten Quartal um 26 Prozent auf 742 Einheiten. Noch eine Nische — aber eine mit steigender Relevanz.
Europas automobile Landkarte wird neu gezeichnet
Die Fabrikdeals zwischen chinesischen und europäischen Herstellern sind keine Randnotiz. Sie markieren eine strukturelle Verschiebung. Chinesische Marken haben im vierten Quartal 2025 südkoreanische Hersteller in Europa überholt und halten mittlerweile 16 Prozent des europäischen Elektroauto-Marktes. Tendenz steigend.
Für die kommenden 90 Tage stehen entscheidende Weichenstellungen an:
- BYD muss europäische Regierungen überzeugen, dass eine eigenständige Fabrikübernahme ohne Joint Venture mit Arbeitsplatzsicherheit vereinbar ist
- Stellantis wird am 21. Mai auf dem Investorentag Farbe bekennen — wie weit geht die Öffnung gegenüber chinesischen Partnern?
- Geely könnte mit Valencia einen Präzedenzfall schaffen, der weitere Übernahmen nach sich zieht
- Schaeffler profitiert als Zulieferer unabhängig vom Ausgang — vorausgesetzt, die Kapazitäten in Europa wachsen tatsächlich
- Daimler Truck braucht die erwartete Frachtbelebung in Nordamerika, um die Auftragsschwemme in Umsatz und Gewinn umzusetzen
Fünf Unternehmen, ein gemeinsamer Nenner: Anpassung an eine Branche, in der die alten Spielregeln nicht mehr gelten.
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