BYD vor dem August-Report: Entscheidet die Blade-Battery-Produktion über die Trendwende?

BYD verzeichnet im Halbjahr weniger Gewinn und Umsatz. Internationale Zuwächse treffen auf Preisdruck, Batterieengpass und mögliche EU-Zölle.

Die Kernpunkte:
  • Halbjahresgewinn um 20,5 Prozent gesunken
  • China-Umsatz fällt um 31 Prozent
  • Juli bringt drittes Absatzplus in Folge
  • Blade-Battery-Kapazität bleibt zentraler Engpass

Ausgangslage

BYD steckt in einer Phase widersprüchlicher Signale. Die Aktie büßte gestern in Hongkong 3,6 Prozent ein, nachdem die Halbjahreszahlen einen Nettogewinnrückgang von 20,5 Prozent auf 12,3 Milliarden Yuan offenlegten.

Der Gesamtumsatz sank um 7,1 Prozent auf 344,8 Milliarden Yuan, belastet von einem Einbruch des China-Geschäfts um 31 Prozent und dem anhaltenden Preiskrieg im Heimatmarkt. Auf Wochensicht steht das Papier mit 6,8 Prozent im Minus, seit Jahresbeginn mit 11 Prozent.

Zählt dieser Moment mehr als frühere Rücksetzer? Ja – weil an diesem Dienstag mit den offiziellen Groß- und Einzelhandelsabsatzzahlen für August ein unmittelbarer Test folgt, ob sich die zuletzt aufkeimende Erholung fortsetzt.

Im Juli hatte BYD mit 419.211 verkauften Fahrzeugen den dritten Monat in Folge ein Plus verbucht, ein Anstieg von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch liegen die Jahresabsätze bei Neuenergiefahrzeugen mit 2,23 Millionen Einheiten weiterhin 10,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht ein einziger operativer Engpass: die Hochlaufkurve der zweiten Generation der „Blade Battery“. Konzernchef Wang Chuanfu machte Ende vergangener Woche genau diesen Kapazitätsengpass für die verfehlten Absatzziele im ersten Halbjahr verantwortlich. Die Batterie befindet sich laut seinen Angaben noch in der Ramp-up-Phase.

Solange die Fertigungskapazität nicht mit der Nachfrage Schritt hält, bleibt jede Absatzerholung fragil – unabhängig davon, wie stark das Auslandsgeschäft wächst. Der Blade-Battery-Hochlauf ist damit der Schlüsselindikator, an dem sich die nächsten Quartale entscheiden.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die internationale Dynamik. Der Auslandsumsatz überstieg im ersten Halbjahr erstmals die Marke von 50 Prozent des Gesamtumsatzes und erreichte 181,27 Milliarden Yuan.

Das Kerngeschäft ohne Wechselkurseffekte legte im zweiten Quartal um 141 Prozent zu, die Bruttomarge kletterte auf ein Jahreshoch von 18,9 Prozent – Zahlen, die UOB Kay Hian Anfang Juli zu einer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 135 Hongkong-Dollar bewogen hatten.

Auch strategisch bewegt sich BYD auf mehreren Feldern gleichzeitig. Der Energiespeicherbereich, im ersten Halbjahr weltweit auf Rang eins vorgerückt, unterzeichnete diese Woche eine Lieferung über 11,275 GWh mit dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Energiekonzern Masdar.

Zudem soll die X-PACK-Batterietechnologie aus dem japanischen Kleinstwagen Racco künftig auch für kompakte Elektrofahrzeuge in Europa und Südostasien genutzt werden, um von neuen EU-Förderregeln für Kleinwagen zu profitieren. In Shenzhen eröffnete BYD zudem die 10.000. Flash-Charging-Ladesäule und hat damit die Hälfte des für Jahresende angepeilten Ziels von 20.000 Stationen erreicht.

Bärisches Szenario

Die Risikoseite ist ebenso konkret. Der Gewinn im zweiten Quartal stieg zwar um 30 Prozent auf 8,2 Milliarden Yuan, verfehlte aber den Analystenkonsens von Morgan Stanley, UBS und Citi in Höhe von 9,4 Milliarden Yuan deutlich – Grund waren niedrigere Durchschnittsverkaufspreise, ein direktes Symptom des Preiskriegs im Heimatmarkt.

Auch regulatorisch verdichten sich die Warnsignale. Die EU prüft laut Medienberichten neue Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride, ein Segment, in dem BYD Tesla in Europa mit 174.144 Zulassungen im ersten Halbjahr bereits überholt hatte – ein Erfolg, der durch Zölle konterkariert werden könnte.

Parallel gerät das im Bau befindliche Flaggschiff-Werk im ungarischen Szeged unter Druck: Die neue ungarische Regierung prüft laut Medienberichten staatliche Subventionen und mutmaßliche Arbeitsrechtsverstöße bei Subunternehmern. Ein Ermittlungsverfahren bedeutet noch keine Sanktion, verzögert aber im Zweifel den Zeitplan für die europäische Fertigungsbasis.

Ausblick

Kurzfristig richtet sich der Blick auf die August-Absatzzahlen, die heute erwartet werden. Bestätigt sich der Wachstumstrend aus Juli, dürfte das als Beleg gewertet werden, dass der Preiskrieg im Heimatmarkt zumindest mengenmäßig an Schärfe verliert. Bleibt das Wachstum dagegen aus oder schwächt sich ab, rückt der Blade-Battery-Engpass als strukturelles Problem stärker in den Vordergrund – mit Signalwirkung für die kommenden Quartale.

Solange die Kapazitätsausweitung der zweiten Blade-Battery-Generation planmäßig voranschreitet und das Auslandsgeschäft seinen Anteil weiter ausbaut, bleibt das Argument für eine allmähliche Stabilisierung intakt.

Kippt der Hochlauf jedoch erneut, oder verschärfen sich die EU-Zollpläne beziehungsweise die ungarischen Ermittlungen zu handfesten Maßnahmen, dürfte der Kurs seine Spanne zwischen dem 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro und dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt von 10,43 Euro vorerst nicht verlassen.

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