Cameco Aktie: 17,5-Milliarden-Kredit für Westinghouse

Cameco verzeichnet schwache Quartalszahlen, hält aber an Prognosen fest. Westinghouse-IPO und Milliardenkredite prägen die Zukunftsaussichten des Uranunternehmens.

Die Kernpunkte:
  • Quartalsgewinn bricht um 92 Prozent ein
  • Cigar-Lake-Mine kurzzeitig außer Betrieb
  • Westinghouse plant Börsengang
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Es gibt Aktien, die man kauft, weil man an ein Unternehmen glaubt. Und es gibt Aktien, die man kauft, weil man an eine Weltanschauung glaubt: dass die Energiewende ohne Atomkraft nicht zu schaffen ist. Cameco gehört seit Jahren in die zweite Kategorie – und genau deshalb lohnt sich derzeit ein genauerer Blick, denn Kurs und operative Realität laufen momentan nicht ganz synchron.

Am Freitag notiert die Aktie bei 84,46 Euro, ein Rückgang von 0,9 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 7,0 Prozent, die Volatilität von 39 Prozent auf Jahresbasis erinnert daran, dass hier niemand einen ruhigen Schlaf erwarten sollte. Wer in Cameco investiert, kauft nicht nur Uran – er kauft eine Wette auf die Renaissance der Kernenergie als Ganzes.

Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte als der Chart

Die jüngsten Quartalszahlen, veröffentlicht Ende Juli, waren ernüchternd. Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 814 Millionen US-Dollar, der Gewinn pro Aktie brach um 92 Prozent auf 0,06 US-Dollar ein. Das Nettoergebnis lag bei gerade einmal 25 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA bei 391 Millionen US-Dollar.

Der Grund für den Einbruch ist bezeichnend: Es war nicht das Kerngeschäft mit Uran, das schwächelte, sondern der Wegfall eines Sondereffekts bei der Beteiligung Westinghouse. Im Vorjahresquartal hatte ein Beitrag von rund 170 Millionen US-Dollar aus dem tschechischen Dukovany-Reaktorprojekt die Bilanz aufgehübscht – dieses Jahr fehlt dieser Effekt schlicht.

Das ist der Kern der Cameco-Geschichte im Sommer 2026: Das Unternehmen ist längst mehr als ein Uranproduzent. Es ist zur Holding für die nukleare Renaissance geworden, mit allen Chancen und Unwägbarkeiten, die das mit sich bringt.

Cigar Lake als Blaupause für Zuverlässigkeit unter Stress

Operativ zeigte sich im Sommer, wie störanfällig auch etablierte Minen sein können. Die Cigar-Lake-Mine musste Anfang Juli den Betrieb vorübergehend einstellen, weil es bei der Schwefelsäureanlage der von Orano betriebenen McClean-Lake-Mühle Probleme gab – die Erzlagerkapazität reichte nicht aus, um weiterzuproduzieren.

Bereits Mitte Juli lief die Anlage wieder, die Jahresprognose für Cigar Lake blieb mit 17,5 bis 18,0 Millionen Pfund U₃O₈ auf Hundert-Prozent-Basis unverändert.

Bemerkenswert dabei: Anfang Juli hatte Cameco gemeinsam mit Orano den 5-Prozent-Anteil von Tepco am Cigar-Lake-Joint-Venture übernommen und den eigenen Anteil damit auf 57,418 Prozent erhöht. Wer die Kontrolle über eine der wichtigsten Uranminen der Welt konzentriert, signalisiert Vertrauen in den Zyklus – trotz kurzfristiger Betriebsunterbrechungen.

Die Jahresproduktionsprognose von 19,5 bis 21,5 Millionen Pfund auf Unternehmensanteil bleibt bestehen, ebenso die Umsatzguidance von 3,32 bis 3,57 Milliarden US-Dollar. Zugleich räumt das Unternehmen die Möglichkeit eines Nettoverlusts von bis zu 75 Millionen US-Dollar für das Gesamtjahr ein – ein Detail, das im Enthusiasmus um Atomkraft gerne untergeht.

Westinghouse: Der eigentliche Hebel

Der spannendere Teil der Geschichte liegt aber woanders. Cameco hält 49 Prozent an Westinghouse Electric, den Rest hält Brookfield. Ende Juli reichte Westinghouse vertraulich einen Entwurf für eine Börsennotierung bei der US-Börsenaufsicht ein – Aktienzahl und Preisspanne stehen noch nicht fest, das Vorhaben bleibt an Marktbedingungen gebunden.

Parallel dazu hat das US-Energieministerium ein Kreditpaket von bis zu 17,5 Milliarden US-Dollar zugesagt, das primär der Lieferkette für AP1000-Reaktoren und damit vor allem Westinghouse zugutekommen soll. Die globale Pipeline umfasst nach Unternehmensangaben 91 potenzielle AP1000-Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von rund 105 Gigawatt in Märkten von den USA über Europa bis Saudi-Arabien.

Am 4. August senkte Barclays das Kursziel von 104 auf 97 US-Dollar und beließ die Einstufung bei „Equal Weight“ – ein Zeichen dafür, dass nicht jeder Analyst der Bewertung uneingeschränkt folgt.

Am selben Tag bestätigte Bank of America Securities dagegen ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 140 US-Dollar. Die Spanne zwischen diesen beiden Einschätzungen bringt es auf den Punkt: Der Markt ist sich uneins, wie viel von der Westinghouse-Fantasie schon im Kurs steckt und wie viel noch kommen muss.

Am Ende bleibt die Frage, die diese Aktie seit Jahren begleitet: Kauft man hier ein Uran-Unternehmen mit einer interessanten Beteiligung – oder eine Beteiligungsgesellschaft, die zufällig auch Uran fördert? Die Antwort dürfte sich erst zeigen, wenn Westinghouse tatsächlich an die Börse geht.

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