Canaan Aktie: 15,22-Prozent-Sprung auf 0,1696 Euro
Canaans Krypto-Bestände übertreffen die Marktkapitalisierung. Der CEO startet Aktienrückkäufe, um die Bewertungslücke zu schließen.

- Kursplus von 15,22 Prozent
- Krypto-Treasury übertrifft Marktwert
- Rückkaufprogramm für eigene Aktien
- Analysten sehen hohes Kurspotenzial
Ein Unternehmen, dessen Bitcoin- und Ethereum-Bestände mehr wert sind als die gesamte Firma an der Börse — das ist selten. Bei Canaan ist es gerade Realität. Und genau diese Lücke zwischen Bilanz und Marktwert dürfte der Auslöser für den kräftigen Kurssprung vom Dienstag gewesen sein.
Die Aktie des chinesischen Bitcoin-Miner-Herstellers legte um 15,22 Prozent zu und schloss bei 0,1696 Euro. Nur zwei Tage zuvor, am 3. August, hatte das Papier mit 0,1372 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert. Nach einem Jahr, das für Canaan-Aktionäre fast nur nach unten ging, ist das ein bemerkenswerter Ausschlag.
Die Bilanz spricht eine andere Sprache als der Kurs
Der eigentliche Grund für eine Neubewertung liegt nicht im Chart, sondern in der Bilanz. Zum 3. August hielt Canaan digitale Vermögenswerte im Wert von rund 130 Millionen Dollar — 1.915 Bitcoin und 3.952 Ether. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt bei 110,02 Millionen Euro.
Der Markt bewertet Canaan derzeit niedriger als den reinen Spotwert seiner Krypto-Bestände. Rechnet man das durch, bekommt das operative Geschäft — die Entwicklung und Produktion von Mining-Hardware — sowie die restlichen Barmittel rechnerisch einen negativen Wert zugewiesen. Das ist, unabhängig von den operativen Problemen des Unternehmens, schwer zu rechtfertigen.
CEO nutzt den Kryptoschatz als Hebel
Genau hier setzt Firmenchef Nangeng Zhang an. Er hat die Freigabe erteilt, einen Teil des „Digital Asset Treasury“ zu monetarisieren und damit eigene American Depositary Shares zurückzukaufen. Bitcoin und Ether verkaufen, um die eigene Aktie günstig einzusammeln — eine Form der internen Arbitrage, die nur funktioniert, wenn die Marktbewertung tatsächlich zu niedrig ist.
Das Rückkaufprogramm läuft bereits seit Dezember 2025 und ist auf bis zu 30 Millionen Dollar begrenzt. Gelingt die konsequente Umsetzung, sinkt die Aktienzahl spürbar — während der Kurs weiterhin 90,36 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1,76 Euro notiert. Dieser „disziplinierte Ansatz bei der Kapitalallokation“, wie ihn das Management selbst nennt, ist aus meiner Sicht ein Signal: Das Führungsteam hält den aktuellen Kurs für eine grobe Fehleinschätzung des inneren Werts.
Die Risiken sind real
So überzeugend die Bewertungslücke rechnerisch wirkt — die Risiken bleiben hoch. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 72,65 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 70,04 Prozent. Das sind keine Randnotizen, sondern der Beweis für anhaltenden Verkaufsdruck, der jede Bodenbildungs-These relativiert.
Der RSI von 33,7 zeigt zwar eine Erholung aus stark überverkauftem Terrain, ein gefestigter Aufwärtstrend ist das aber noch nicht. Kurz gesagt: ein Risiko, das zur annualisierten 30-Tage-Volatilität von 125,69 Prozent passt. Diese Aktie ist nichts für schwache Nerven.
Was die Konsenszahl verspricht
Das Kursziel der Analysten liegt im Konsens bei 1,49 Euro. Gemessen am aktuellen Niveau wäre das ein Anstieg von 778,1 Prozent. Solche Zielmarken wirken angesichts eines Kursverlusts von 72,65 Prozent seit Jahresbeginn zunächst überzogen — aber ein mit 130 Millionen Dollar gefüllter Kryptoschatz liefert eine Bodenabsicherung, die kaum ein anderer Nebenwert dieser Größenordnung vorweisen kann.
Kann Canaan seine Mining-Produktion stabilisieren — im Juni wurden 64 Bitcoin gefördert — und den Kryptoschatz weiter zur Kursstützung einsetzen, spricht für mich einiges für eine fortgesetzte Erholung von den jüngsten Tiefs. Wer die Schwankungsbreite aushält, blickt hier auf ein seltenes Szenario: Die liquiden Mittel in der Bilanz sind mehr wert als der Preis, den man für die Aktie zahlt.
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