Carbios Aktie: 100. Testlauf erreicht 95 Prozent Recyclingquote

Carbios meldet Erfolg beim Textilrecycling mit über 95 Prozent Ausbeute. Die Aktie legt zu, doch offene Finanzierungsfragen bleiben bestehen.

Die Kernpunkte:
  • Recyclingquote über 95 Prozent erreicht
  • Lizenzangebot auf Textilmarkt ausgeweitet
  • Aktie steigt um 4,08 Prozent
  • Finanzierung für Longlaville weiter unklar

Carbios hat einen Durchbruch bei der Textilfaser-Wiederverwertung geschafft. Der 100. Testlauf am Demonstrationswerk in Clermont-Ferrand gelang mit einer Recyclingquote von über 95 Prozent binnen 24 Stunden. Die Aktie reagiert deutlich: Am Freitag stieg der Kurs um 4,08 Prozent auf 7,40 Euro, binnen 30 Tagen summiert sich das Plus auf 30,28 Prozent.

Der Testlauf als Sprungbrett

Das französische Unternehmen hat sein „Fiber-to-Fiber“-Verfahren unter Bedingungen getestet, die realen Industrieabläufen entsprechen. Komplexe Alttextilien aus dem Verbrauchermarkt ließen sich mit hoher Ausbeute in ihre Bestandteile zerlegen. Auf Basis dieser Ergebnisse weitet Carbios sein Lizenzangebot nun offiziell auf den Textilmarkt aus.

Der Markt dahinter ist groß. PET-Polyesterfasern kommen in der Textilindustrie auf einen weltweiten Jahresverbrauch von rund 67 Millionen Tonnen – fast doppelt so viel wie im PET-Verpackungsmarkt. Das Management bezeichnet die Testergebnisse als Wendepunkt auf dem Weg zur Kommerzialisierung von Lizenzen für diesen Markt.

Carbios verfolgt seit 2025 gezielt die Ausweitung seines enzymatischen Recyclingverfahrens auf Textilabfälle. Die jetzt vorgelegten Zahlen liefern den ersten belastbaren Beleg dafür, dass das Verfahren auch bei komplexen, gemischten Textilströmen funktioniert – nicht nur bei sortenreinem PET aus der Verpackungsindustrie.

Kursrally mit Vorbehalt

Die Erholung der letzten Wochen ist beachtlich, ändert aber wenig am Gesamtbild. Der Titel notiert weiterhin 53,13 Prozent unter seinem Zwölfmonatshoch von 15,79 Euro, das er im Dezember 2025 markierte. Seit Jahresbeginn steht unterm Strich noch immer ein Minus von 34,51 Prozent.

Die aktuelle Marktkapitalisierung von 126,37 Millionen Euro spiegelt diese Diskrepanz wider: Der Markt preist die Textilfaser-Chance zwar ein, bleibt beim industriellen Kerngeschäft aber vorsichtig. Kein Wunder, denn dort liegen die eigentlichen Baustellen.

Finanzierung bleibt die offene Flanke

Das Vorzeigeprojekt in Longlaville, Carbios‘ geplante PET-Recyclinganlage in Frankreich, hängt weiterhin an der Finanzierung. Ein tragfähiges Finanzierungskonzept für die Anlage steht noch aus. Parallel verzögert sich auch das asiatische Gemeinschaftsprojekt mit Wankai New Materials im chinesischen Haining: Die Inbetriebnahme verschiebt sich auf die erste Jahreshälfte 2028, weil vor Ort zusätzliche technische Anpassungen nötig sind.

Diese beiden Baustellen erklären, warum die Kursrally trotz guter Nachrichten aus dem Textilsegment nicht in Euphorie umschlägt. Das Textilgeschäft zeigt technisches Potenzial – die Frage nach dem Kapital für die eigentliche Fabrik bleibt davon unberührt.

Termine mit Unternehmensbezug stehen in den kommenden Tagen nicht an. Die Marktaufmerksamkeit dürfte sich daher auf zwei Punkte konzentrieren: ob aus der Textillizenz-Ausweitung konkrete Verträge mit Partnern werden, und ob Carbios neue Details zur Finanzierungsstruktur für Longlaville liefert. Beides würde deutlich mehr Klarheit schaffen als die reine Kurserholung der vergangenen Wochen.

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