Carbios Aktie: 27-Prozent-Sturz auf 6,01 Euro

Der Aktienkurs des Recycling-Spezialisten Carbios bricht nach Verschiebung einer wichtigen Anlage in China massiv ein.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert über 27 Prozent in einer Woche
  • Chinesische Recyclinganlage startet später
  • Kapitalerhöhung wird auf Dezember verschoben
  • CEO-Wechsel vollzogen, Hauptversammlung naht

Der PET-Recycling-Pionier Carbios erlebt eine der schwärzesten Börsenwochen seiner jüngeren Geschichte. Die Aktie stürzte in fünf Handelstagen um 27,24 Prozent ab und schloss Freitag bei 6,01 Euro. Das Jahresminus beträgt inzwischen 48,23 Prozent.

Der RSI liegt bei 29,0 – die Aktie ist technisch klar überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 60 Prozent zeigt, wie extrem die Schwankungen in diesem Jahr sind.

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Verzögerung in China als Auslöser

Den Stein ins Rollen brachte ein Unternehmensupdate vom 2. Juni. Carbios teilte mit, dass die gemeinsame Anlage mit Wankai New Materials in Haining (Provinz Zhejiang) später als geplant starten wird. Statt 2027 soll die Inbetriebnahme nun im ersten Halbjahr 2028 erfolgen. Grund: zusätzliche technische Anpassungen an die Standortgegebenheiten.

Das Projekt galt als Vorzeigeanlage für Carbios‘ enzymatische Recyclingtechnologie in Asien. Der Zeitplan rutscht um rund ein Jahr – ein herber Schlag für die Glaubwürdigkeit des Industrialisierungsfahrplans.

Auch die Kapitalzufuhr verschiebt sich

Parallel dazu einigten sich Carbios und Wankai darauf, die geplante Kapitalerhöhung über 5 Millionen Euro zu verschieben. Ursprünglich war die Zeichnung für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen, nun soll sie bis zum 31. Dezember 2026 erfolgen. Der Ausgabepreis von 8,0947 Euro je Aktie bleibt bestehen – liegt aber deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Das Signal: Die industrielle Hochskalierung in China verläuft langsamer als erwartet.

Kassenlage gibt vorerst Ruhe

Trotz der Rückschläge hat Carbios finanziell noch Luft. Zum Jahresende 2025 lag die Liquidität bei 59 Millionen Euro – ausreichend, um die Betriebskosten weit über die nächsten zwölf Monate zu decken. Der prognostizierte Mittelverbrauch für 2026 liegt bei rund 20 Millionen Euro.

Longlaville: Finanzierung unter Druck

Das zweite Großprojekt, die französische Anlage in Longlaville, steht weiter in der Schwebe. Die Beteiligten wollen die Finanzierung in den kommenden Wochen abschließen, der Zieltermin ist das dritte Quartal 2026. 42,5 Millionen Euro öffentliche Mittel sind vertraglich gesichert. Die Gesamtkosten werden auf 230 Millionen Euro veranschlagt. Gelingt der Abschluss, deckt die Finanzierung auch die Anlaufkosten.

Führungswechsel vollzogen

In die turbulente Woche fällt auch ein CEO-Wechsel. Vincent Kamel trat zum 31. Mai zurück, Benoît Grenot, bisher stellvertretender Vorstandsvorsitzender, übernahm zum 1. Juni. Ein neuer Kopf für eine schwierige Phase.

AGM und nächste Termine

Am 18. Juni findet die Hauptversammlung in Paris statt. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Genehmigung kostenloser Aktien und die Ausgabe von Wertpapieren ohne Bezugsrecht. Der nächste große Termin danach: die Halbjahreszahlen am 24. September.

Bis dahin wird der Markt genau beobachten, ob die Verzögerungen in China Einzelfall bleiben oder sich zum Muster verdichten. Die Geduld der Anleger ist nach dieser Woche spürbar erschöpft.

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