Cash statt Code: Warum Berkshire jetzt schlägt, was SaaS verspricht
Berkshire Hathaway meldet verdoppelten Nettogewinn und investiert Milliarden in Alphabet. Die Cash-Reserve sinkt auf 365,5 Milliarden Dollar.

- Nettogewinn verdoppelt auf 25,77 Mrd. Dollar
- Alphabet-Investition über 10 Mrd. Dollar
- SaaS-Sektor zeigt gespaltene Kursentwicklung
- Alibaba-KI-Modell treibt Aktie um 7 Prozent
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
365,5 Milliarden Dollar Cash und Staatsanleihen, ein verdoppelter Nettogewinn, und mittendrin ein CEO, der lieber Alphabet-Aktien kauft als sein Pulver trocken zu halten: Berkshire Hathaway hat am Samstag Zahlen vorgelegt, die eine ganz andere Geschichte erzählen als die Softwarebranche, in der diese Woche binnen weniger Tage 19 Prozent Kursverlust und 6,4 Prozent Erholung nebeneinander existierten. Zwei Anlegerwelten, ein Wochenende – und eine dritte, chinesische Variante, die zeigt, dass die Bewertungsdebatte längst nicht nur ein US-Phänomen ist.
Berkshire Hathaway: Greg Abel lässt den Cash-Berg gezielt schmelzen
Am Samstag veröffentlichte Berkshire seinen Bericht für das zweite Quartal 2026: Das Nettoergebnis verdoppelte sich auf 25,77 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal: 12,46 Milliarden), getrieben von Bewertungsgewinnen im Aktienportfolio. Aussagekräftiger für die operative Substanz ist der operative Gewinn, der um 16 Prozent auf 12,98 Milliarden Dollar kletterte – Fertigung und Handel legten um 24 Prozent zu, die Energiesparte um 27 Prozent, die Eisenbahntochter BNSF um 6 Prozent.
Interessanter als die Zahlen selbst ist, was CEO Greg Abel damit macht. Er ließ die Cash-Position von 400 Milliarden Dollar Ende März auf 365,5 Milliarden Dollar abschmelzen – nicht aus Verlegenheit, sondern aus Überzeugung. Abel investierte 10 Milliarden Dollar frisch in Alphabet, kaufte für 4,5 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück (nach mageren 235 Millionen im ersten Quartal) und stemmte die Übernahme des Hausbauers Taylor Morrison für 6,8 Milliarden Dollar Eigenkapitalwert. UBS taxiert den Abschlag der Berkshire-Aktie zum inneren Wert auf rund acht Prozent. Für Anleger, die der Volatilität in Nvidia oder SaaS-Werten skeptisch gegenüberstehen, ist das ein Argument mit Substanz: Ein Konzern, der selbst bei einem KI-Schwergewicht wie Alphabet zugreift, aber immer noch über 359 Milliarden Dollar Cash und Staatsanleihen hält, bietet ein anderes Risikoprofil als der Rest des Marktes.
Dass ausgerechnet die Energiesparte von Berkshire um 27 Prozent zulegte, ist kein Zufall – der Strombedarf für KI-Infrastruktur treibt diesen Sektor derzeit weltweit an, und Deutschland liefert dafür gerade ein eigenes, hochaktuelles Beispiel. Siemens Energy meldete diese Woche einen Rekord-Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro und hob die Jahresprognose an – nur Tage, nachdem der US-Wettbewerber GE Vernova mit schwachen Zahlen einen branchenweiten Ausverkauf ausgelöst hatte. Gleichzeitig zwingt das seit 1. Juli geltende Energieeffizienzgesetz jedes neue Rechenzentrum in Deutschland zu drastisch niedrigerem Energieverbrauch, während die installierte Rechenzentrumsleistung laut Bitkom bis 2030 von rund 3.000 auf 5.000 Megawatt wachsen soll. Genau dieser Wettlauf um Netzkapazität und Energie-Infrastruktur steht im Mittelpunkt des Live-Webinars „Der Gigawatt-Code: Deutschlands letzte Energie-Hoffnung!“, zu dem Chefanalyst Felix Baarz morgen um 18:00 Uhr einlädt. Er ordnet ein, warum der Rekord-Auftragseingang bei Siemens Energy erst der Anfang einer größeren Bewegung sein könnte, und erläutert, wie das neue Energieeffizienzgesetz die Karten im deutschen Mittelstand neu mischt.
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Alibabas KI-Modell zeigt: Chinesische Bewertungen haben noch Luft
Während US-Techwerte zwischen Euphorie und Korrektur pendeln, hat Alibaba mit dem Start seines KI-Modells Qwen3.8-Max (2,4 Billionen Parameter, davon 95 Milliarden aktiv) am 3. August die Hongkonger Notierung um 7 Prozent nach oben katapultiert. Die Cloud-Sparte meldete für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 41,63 Milliarden Yuan – ein Plus von 38 Prozent, beim externen Umsatz sogar 40 Prozent.
Die US-Notierung schloss am Freitag bei 128,41 Dollar, ein Plus von gut 1,3 Prozent, nachdem die Aktie im Juli bereits um 27,4 Prozent zugelegt hatte. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von rund 19 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass hier noch Aufholpotenzial liegen könnte, sollte sich der KI-Trend fortsetzen. Der nächste Prüfstein: Am 19. August tagt der Board, um die Zahlen für das per Ende Juni abgeschlossene Quartal freizugeben, die offizielle Veröffentlichung folgt am 20. August, die Analystenkonferenz ist für 13:30 Uhr MESZ terminiert. Auch Baidu profitiert vom China-KI-Momentum und notierte am Freitag bei 109,71 Dollar. Bemerkenswert: Beide Konzerne sind an Vast beteiligt, das aktuell frisches Kapital bei einer Bewertung von rund 2 Milliarden Dollar sucht – ein Zeichen, dass chinesisches KI-Kapital in Bewegung bleibt, während westliche Bewertungsmultiplikatoren zunehmend hinterfragt werden. Für Anleger mit US-Klumpenrisiko im Depot liefert das einen konkreten, handelbaren Gegenpol.
SaaS-Ausverkauf: Warum Wachstumstempo wichtiger ist als der Sektor-Stempel
Die Debatte um eine „SaaSpocalypse“ hat sich in dieser Woche zugespitzt. Auslöser: Airtable wechselte für weniger als 1,3 Milliarden Dollar den Besitzer – ein Bruchteil der zwölf Milliarden Dollar Bewertung, die das Unternehmen 2021 noch aufrief. Der iShares Expanded Tech-Software ETF liegt seit Jahresbeginn drei Prozent im Minus, doch das Gesamtbild ist zweigeteilt, nicht einheitlich negativ.
HubSpot brach im Wochenverlauf zwischenzeitlich um bis zu 19 Prozent ein, ehe am Freitag eine Erholung um 6,4 Prozent einsetzte – auf Jahressicht bleibt trotzdem ein Minus von rund 46 Prozent. Datadog markierte erst am Mittwoch ein 52-Wochen-Hoch, verlor dann ebenfalls zweistellig, bevor der Kurs am Freitag um 1,8 Prozent zulegte; seit Jahresbeginn steht die Aktie dennoch mit über 72 Prozent im Plus. Auf der anderen Seite der Trennlinie: Atlassian legte nach überzeugenden Zahlen zum vierten Fiskalquartal kräftig zu, Umsatz und bereinigter Gewinn je Aktie wuchsen jeweils deutlich zweistellig, mehrere Analysehäuser hoben daraufhin ihre Kursziele an. Twilio steigerte den Umsatz um 22 Prozent auf 1,50 Milliarden Dollar. Cloudflare wuchs beim Umsatz um 36 Prozent auf 696 Millionen Dollar und markierte am Freitag mit einem Kurssprung von 5,35 Prozent ein neues 52-Wochen-Hoch. Die Lehre: Wachstumstempo entscheidet, nicht die Zugehörigkeit zum Sektor. Wer pauschal auf „SaaS“ setzt, verpasst die eigentliche Trennlinie zwischen Wachstumsbeschleunigern und Wachstumsbremsen.
Volkswagen: Die Kontrollfamilien drängen auf Tempo
Fernab der Tech-Debatte wird bei Volkswagen der Umbaudruck konkreter. Die kontrollierenden Familien Porsche und Piëch, vertreten über die Porsche SE, forderten am Donnerstag anlässlich der Porsche-SE-Halbjahreszahlen unmissverständlich schnelleres Handeln. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sprach von einem „historischen Scheideweg“ für den Konzern. Volkswagen prüft inzwischen einen Stellenabbau von bis zu 100.000 Jobs – doppelt so viele wie zuvor kommuniziert –, um milliardenschwere Zollkosten und den Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller abzufedern. Für Anleger ist das ein Signal, dass der europäische Automobilsektor eine strukturelle, nicht nur zyklische Anpassung vor sich hat. Geduld und ein Blick auf die Umsetzungsgeschwindigkeit werden hier entscheidender sein als kurzfristige Kursreaktionen.
Der globale Kompass
Drei Anlegerlehren aus diesem Wochenende, die sich ergänzen: Erstens, Cash-Disziplin schlägt Cash-Hortung – Berkshire beweist, dass ein Konzern mit 365,5 Milliarden Dollar Reserven trotzdem aggressiv investieren kann, wenn die Gelegenheit stimmt. Zweitens, die SaaS-Branche ist kein Block mehr, den man pauschal meiden oder kaufen sollte – zwischen Cloudflares 36 Prozent Umsatzwachstum und HubSpots 46 Prozent Jahresverlust liegt eine Welt. Drittens, chinesische Technologiewerte bieten mit Alibabas 19 Prozent Jahresminus trotz eines starken KI-Produktlaunches ein Aufholpotenzial, das in kaum einem anderen liquiden Marktsegment so unverbraucht wirkt. Die kommende Woche liefert mit Alibabas Zahlen am 20. August und der weiteren Entwicklung bei Volkswagens Umbauplänen die nächsten Prüfsteine dafür, ob Substanz tatsächlich die Oberhand behält.
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