CATL Aktie: Li Auto weicht zu Konkurrent CALB aus

CATL nimmt in Debrecen die Erprobung auf, während sinkende Kurse, mehr Konkurrenz in China und Margenrisiken die Aktie belasten.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert binnen 30 Tagen 23 Prozent
  • Testbetrieb im ungarischen Werk angelaufen
  • Chinesische Autobauer erweitern Lieferantennetzwerke
  • Rückkaufprogramm soll den Kurs stützen

Kursdruck trifft auf europäischen Meilenstein

Für Anleger spitzt sich die Lage beim weltgrößten Batteriehersteller CATL derzeit spürbar zu. Der Kurs steht unter erheblichem Druck, nachdem das Papier über einen Zeitraum von 30 Tagen um 23 Prozent nachgab und aktuell bei 299,51 CNY notiert. Dieser Abwärtstrend spiegelt eine wachsende Verunsicherung im Markt wider, trifft nun jedoch auf eine operative Nachricht von strategischem Gewicht.

Gestern meldete das Unternehmen den Beginn der Testproduktion in seinem Batteriezellenwerk im ungarischen Debrecen. Der Standort ist mit einer geplanten Kapazität von 100 GWh als größte Produktionsstätte des Konzerns außerhalb Chinas konzipiert. Der Schritt nach Europa markiert eine entscheidende Phase in der globalen Aufstellung, da der Konzern damit direkt im Kernmarkt europäischer Automobilhersteller fertigt.

Die operative Expansion steht im Kontrast zur jüngsten Stimmung am Kapitalmarkt. Bloomberg berichtete über einen Kursrutsch an der Börse in Shenzhen am 16. September um 3,4 Prozent, nachdem die Notierung bereits am Vortag um 6,16 Prozent nachgegeben hatte.

Händler führten die zweitägigen Verluste von rund zehn Prozent auf Spekulationen über mögliche Drosselungen der September-Produktion, Befürchtungen bezüglich sinkender Einheitsgewinne im dritten Quartal sowie den zunehmenden Wettbewerbsdruck zurück.

Um dem Abverkauf entgegenzuwirken, kaufte CATL am 11. September im Rahmen seines genehmigten Rückkaufprogramms eine erste Tranche von 604.293 A-Aktien für knapp 200 Millionen Yuan zurück.

Margenstärke gegen Kundenverluste im Heimatmarkt

Vor diesem Hintergrund stehen Investoren vor einer Richtungsentscheidung: Kann CATL seine technologische Führung und die Internationalisierung rasch genug in Erträge ummünzen, um die bröckelnde Exklusivität im chinesischen Heimatmarkt zu kompensieren? Der entscheidende Faktor für die künftige Bewertung liegt in der Profitabilität je ausgelieferter Batterieeinheit vor dem Hintergrund dieser Kundenverschiebungen.

Medienberichten zufolge verliert der Branchenprimus bei mehreren namhaften chinesischen Herstellern von Elektrofahrzeugen seine bisherige Alleinstellung. Li Auto kündigte an, künftig eigene Batterien in seiner Modellpalette einzusetzen, und greift beim SUV Li i6 auf Zellen des Konkurrenten CALB zurück.

Auch Xiaomi erweiterte seinen Lieferantenkreis auf insgesamt vier Hersteller, namentlich CATL, FinDreams, CALB und Sunwoda, wobei die Modellreihe Sky Nomad ohne Komponenten von CATL gefertigt wird. Zudem öffnete die Plattform HIMA beziehungsweise Aito ihre Lieferkette und bezog neben CATL auch CALB sowie Gotion High-tech ein.

Dieser Trend zur Diversifizierung zwingt den Konzern dazu, seine Ertragskraft über margenstärkere Spezialprodukte und neue Märkte abzusichern. Gelingt es nicht, die Volumeneinbußen bei einzelnen chinesischen Großkunden durch internationale Lieferverträge auszugleichen, geraten die Margen unter strukturellen Druck.

Globale Skalierung und technologische Differenzierung

Das positive Szenario für die Aktie stützt sich auf die internationale Expansion und neue Technologieplattformen. Mit dem Produktionsanlauf in Debrecen rückt CATL näher an europäische Autobauer heran und reduziert logistische Hürden sowie geopolitische Risiken. Gleichzeitig treibt das Unternehmen Kooperationen abseits des klassischen Pkw-Segments voran.

Am 14. September unterzeichnete CATL eine Absichtserklärung mit der DHL Group. Ziel der Vereinbarung ist es, die Elektrifizierung und Dekarbonisierung des europäischen Straßengüterverkehrs voranzutreiben. Die Zusammenarbeit umfasst neben dem Einsatz moderner Antriebsbatterien auch Systeme für den Batterietausch sowie die Integration von Energiespeichern.

Parallel dazu präsentierte das Unternehmen am 14. September auf der IAA Transportation in Hannover seine Nutzfahrzeug-Plattform TECTRANS II. Die Technologie bietet eine Energiedichte von 170 Wh/kg, ermöglicht Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern und erlaubt eine Aufladung auf 80 Prozent innerhalb von 25 Minuten.

Zudem wurden spezielle Batterien für US-amerikanische Pick-up-Trucks entwickelt, die nach Angaben des Chief Technology Officer der internationalen Geschäftseinheit bereits von US-Herstellern getestet wurden. Setzen sich diese Innovationen durch, festigt das Unternehmen seine Preissetzungsmacht in margenstarken Nischen.

Wachsender Preisdruck und erodierende Marktanteile

Im negativen Szenario setzen sich die Belastungsfaktoren durch, die Mitte September den Kursrutsch ausgelöst haben. Sollten sich die am Markt kursierenden Befürchtungen über Produktionskürzungen im September bestätigen, droht eine spürbare Abschwächung der Auslastung in den heimischen Werken.

Hinzu kommt das Risiko einer anhaltenden Preiserosion. Wenn Autobauer vermehrt auf Zweit- und Drittzulieferer wie CALB, FinDreams oder Sunwoda ausweichen, verliert CATL Verhandlungsmacht. Ein Rückgang des Nettogewinns je Einheit im dritten Quartal würde belegen, dass der Konzern Zugeständnisse beim Preis machen muss, um Marktanteile zu verteidigen.

Gleichzeitig bindet der weltweite Kapazitätsaufbau erhebliche finanzielle Mittel. Sollte der Hochlauf in Ungarn auf Anlaufschwierigkeiten treffen oder die europäische Nachfrage hinter den Erwartungen zurückbleiben, würden die hohen Vorlaufkosten die Profitabilität zusätzlich belasten. In einem solchen Umfeld könnte selbst das angekündigte Aktienrückkaufvolumen von 20 bis 40 Milliarden Yuan den Kurs nur begrenzt stützen.

Wichtige Marken und bevorstehende Weichenstellungen

Für den weiteren Trend kommt es nun auf die charttechnische Stabilisierung und die Bestätigung der Margenstabilität an. Solange der Kurs das jüngst markierte 52-Wochen-Tief von 295,50 CNY verteidigt, besteht für Anleger die Aussicht auf eine Bodenbildung nach dem jüngsten Ausverkauf. Kippt diese Unterstützung hingegen nachhaltig nach unten weg, droht den Papieren eine Fortsetzung des mittelfristigen Abwärtstrends.

Als nächster wesentlicher Katalysator gilt der bevorstehende Zwischenbericht zum dritten Quartal. Anleger sollten dabei vor allem auf den gemeldeten Einheitsgewinn je Batteriezelle und offizielle Aussagen zur Produktionsauslastung im September achten. Zudem wird der planmäßige Übergang von der Testproduktion zum regulären Serienbetrieb in Debrecen darüber entscheiden, ob das europäische Geschäft rasch operative Erträge beisteuern kann.

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