Charttechnik: Deutsche Bank nach dem Griechenland-Schock

Als am Montag die Börsen in Europa öffneten, befürchteten die meisten Marktteilnehmer das Schlimmste. Denn die Absage von Griechenlands Ministerpräsidenten Tsipras an die letzten Vorschläge der Gläubiger und seine gleichzeitige Ausrufung eines Referendums machten das Undenkbare denkbar: Den Austritt oder Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone. Besonders bang schauten die Anleger dabei auf die Reaktionen bei den Banken.

 

© Carsten Müller
© Carsten Müller

Denn die Banken haben in den letzten Jahren keineswegs von Griechenland gelassen. So ist die Deutsche Bank als größtes privates Institut mit rund 2,7 Mrd. Euro in Hellas engagiert. Doch mit einem Unterschied zu früheren Jahren: Denn dem griechischen Staat hatte die Deutsche Bank nach jüngsten Zahlen nur rund 120 Mio. Euro geliehen, weitere 800 Mio. Euro immerhin den dortigen Banken.

Doch das Gros liegt bei griechischen Unternehmen. Und da ist längst nicht raus, ob und wie eine Staatspleite auch die griechischen Firmen in Mitleidenschaft ziehen. Zumal viele private Gläubiger längst über finanzkräftige Auslands-Filialen verfügen.

Kein Wunder also, dass der Markt nach dem ersten Schreck bei den Banken-Titeln und insbesondere bei der Deutschen Bank wieder zugriff. Denn vor dem Pleite-Schock hatte die Charttechnik sogar auf einen Rebound hingewiesen. Dazu ein Blick auf die aktuellen Candlestick-Formationen:

 

Erster Ausbruchsversuch musste abgebrochen werden

Mitte letzter Woche hatte die Deutsche Bank eine stark negative Formation namens Hanging Man ausgebildet. Kurz gesagt bedeutet dieser, dass sich faktisch eine Aufwärtsbewegung totgelaufen hat. Üblicherweise wird er dann auch von einem negativen Tag abgelöst. Doch das war diesmal nicht der Fall, im Gegenteil.

Deutsche-Bank-01-07-15

Denn die Charttechnik bei der Deutschen Bank produzierte am vergangenen Donnerstag eine Formation namens Bullish Engulfing. Grundsätzlich geht es hierbei darum, dass zum Handelsauftakt die Bären die Schwäche des Vortages nutzen wollen, um den Kurs weiter nach unten zu drücken. Doch im Tagesverlauf folgt eine kräftige Gegenbewegung und die Aktie kann noch über dem Schlusskurs des Vortages schließen.

 

Neuer Anlauf in Richtung 100-Tage-Linie

Im aktuellen Fall könnte ein Grund für die starke positive Bewegung gewesen sein, dass die Aktie nicht unter das Tief des Vorvortages bei 27,85 Euro gefallen war. So gelang am Ende auch der Sprung über die 38-Tage-Trading-Linie, was zum Wochenschluss auch noch ausgebaut wurde.

Dann kamen Montag und Dienstag mit den bekannten negativen Implikationen. Doch in einer aufgehellten Stimmungslage greifen die Bullen nun an und schafften es, den Kurs erneut über die 38-Tage-Linie zu schleusen. Aktuell liegt der Wert leicht darunter, was aber alle Optionen offenhält.

Damit dürfte der positive Formationsansatz aus der Vorwoche wieder aufgegriffen werden können, was für weitere Kursgewinne spricht. Dabei sehen wir kurzfristig als Trading-Ziel die Marke von 29,40 Euro, wo die aktuelle 100-Tage-Linie verläuft.

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