Chevron Aktie: 12,1 Milliarden Dollar Rekordgewinn

Chevron verzeichnet dank explodierender Raffineriemargen den höchsten Quartalsgewinn seit 2022. Die US-Regierung kritisiert die hohen Spritpreise.

Die Kernpunkte:
  • Quartalsgewinn steigt um 384 Prozent
  • Raffinerien nahe der Kapazitätsgrenze
  • Hess-Übernahme treibt Fördermenge
  • Washington kritisiert hohe Spritpreise

Chevron verdient so viel wie seit der russischen Invasion in der Ukraine nicht mehr. Der Grund: ein Krieg im Nahen Osten treibt die Raffineriemargen auf historische Höchststände. Während der Konzern jubelt, wächst in Washington der Unmut über hohe Spritpreise für amerikanische Autofahrer.

Die Chevron-Aktie schloss am Freitag bei 170,90 Euro, ein Plus von 2,36 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Kursgewinn von 17,36 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es sogar 32,58 Prozent. Zum Rekordhoch vom 30. März bei 187,32 Euro fehlen dennoch noch 8,77 Prozent.

Rekordgewinn durch Nahost-Krise

Chevron meldete für das zweite Quartal ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 6,06 US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur 5,57 US-Dollar erwartet. Der Nettogewinn kletterte auf 12,1 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 384 Prozent gegenüber den 2,5 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahresquartal.

So viel verdiente Chevron zuletzt 2022, als die russische Invasion die Energiepreise auf Mehrjahreshochs trieb. Der Konzern übertraf damit auch seinen größeren Rivalen ExxonMobil deutlich. Der Krieg im Iran ließ die Raffineriemargen förmlich explodieren.

Die operative Stärke zeigt sich auch im Tagesgeschäft. Chevrons Raffinerien liefen mit rund 97 Prozent Auslastung nahe der Kapazitätsgrenze. Die US-Ölproduktion stieg auf 2,07 Millionen Barrel pro Tag, 18 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Weltweit legte die Fördermenge sogar um 20 Prozent zu. Einen wichtigen Teil dieses Zuwachses liefert die im Juli 2025 abgeschlossene Übernahme von Hess. Sie hat Chevron Zugang zu bedeutenden Ölfeldern vor der Küste Guyanas verschafft.

Politiker nehmen die Ölkonzerne ins Visier

Der Umfang der Gewinne bleibt in Washington nicht unbemerkt. Exxon und Chevron kommen im zweiten Quartal zusammen auf einen Gewinn von 26,5 Milliarden US-Dollar. Viele Autofahrer in den USA kämpfen derweil mit hohen Spritpreisen.

Der Benzinpreis an US-Zapfsäulen überschritt am Freitag laut AAA erneut die Marke von 4,10 US-Dollar pro Gallone. Der Krieg im Nahen Osten treibt damit nicht nur Konzerngewinne, sondern auch die Inflation an der Zapfsäule.

Marktbeobachter führen die Stärke direkt auf die Störungen im Nahen Osten zurück. Die sogenannten Crack Spreads – die Marge, die Raffinerien beim Umwandeln von Rohöl in Endprodukte erzielen – kletterten auf Allzeithochs. Ein kriegsbedingter Angebotsschock, der größte seiner Art, trifft hier auf eine ausgetrocknete Rohölversorgung.

Natasha Kaneva, Chefin für globale Rohstoffe bei JPMorgan, ordnet die Dynamik so ein: Der Schock werde zunehmend zu einer Geschichte der Raffinerien statt einer reinen Rohölkrise.

Exxon fällt zurück

Während Chevron glänzt, hinkt der größere Rivale hinterher. ExxonMobil meldete für das zweite Quartal ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,52 US-Dollar – unter der Analystenschätzung von 3,63 US-Dollar. Die Aktie brach vorbörslich um bis zu 3 Prozent ein.

Geplante Wartungsarbeiten belasteten Exxons Zahlen deutlich. Der Raffineriegewinn lag bei 4,1 Milliarden US-Dollar, ein Vierjahreshoch, verfehlte aber die Erwartung von 5,36 Milliarden US-Dollar klar.

Ausblick

Die Crack Spreads bleiben auf Rekordniveau, die Versorgungsrisiken im Nahen Osten sind ungelöst. Chevrons kurzfristige Gewinnaussichten hängen damit eng an der weiteren geopolitischen Entwicklung.

Ob Washington über reine Kritik hinausgeht und konkrete Maßnahmen gegen die Ölbranche ergreift, dürfte in den kommenden Wochen zu einem neuen Faktor für Investoren werden. Das operative Fundament – Rekordproduktion in den USA und nahezu volle Raffineriekapazität – stützt die Zahlen des Konzerns vorerst weiter.

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